Kategorie: Früher

Früher -in der DDR- haben die Erdbeeren besser geschmeckt und die Bäckerläden waren herrlich, sonst war nichts gut

Der Birnenbaum am Rande der Stadt

Der Birnenbaum am Rande der Stadt
Teile des Scripts eines verbotenes Abenteuerfilmes der DEFA von 1983

Schauspieler Karsten Jeske, Uwe Deubel, Hans Herrmann Erler, Sylvia Hünebeck, Beate Fürl, Sylvia Weber, Grit Piontek, Katharina Witt und die Kinder der 9a und 9d der 13. POS August Bebel in Ludwigsfelde
Regie Waldemar Cierpinski
Dramaturgie Sandra Mo und Jan Gregor
Drehort Döbeln und Neubrandenburg
Musik Günter Fischer und Gruppe Wir

Uns fiel dies erst Jahre später auf, als der Sumpf trockengelegt wurde und hier ein Denkmal errichtet werden sollte. Unser Überfall damals war der Anfang. Am Ende waren das kleine Refugium, die beiden Müllplätze, der zerfallene Schuppen, wir und die Gründe für all das weg. Am längsten blieb der Birnenbaum und bis heute mag es Wurzeln seiner verschrobenen Ideen geben.
Wir wurden Geschichte. Und heute erzählen irgendwelche Langweiler, an erst recht gelangweilte Kinder mit ihren unentschlossenen, seltsam verkanteten pubertären Gesichtern unsere Geschichten…

Das Kampfziel, der Internationalen Brigade Bezirk Leipzig im Kampfabschnitt Anger-Crottendorf, war es eine Gruppe von FDJlern, die schreckliche Lieder mit Gitarre im Stünzer Park übten, zu verschrecken. Wir sprachen von Erschrecken. In Wirklichkeit aber, wollten wir sie vermöbeln. Enrico nuschelte es am bestens vor sich hin: …verschlahen… Damit meinte er, dass wir sie so sehr verschrecken, dass sie nie wieder in unseren Park sitzen und rumnerven würden. Dabei öffnete er kaum seinen Mund. Im gemütlichen Dialekt der Gegend, den Unterkiefer etwas vorgeschoben stieß er ein zwei Buchstaben sanft in seine Kehle. Man hörte noch das Schlucken. Andere Buchstaben, vielleicht sogar Silben, schien er nicht zu kennen. Er ließ sie weg, was unser gemeines und heimtückisches Vorhaben noch perfider erschienen ließ.
Den Namen Internationale Brigade Bezirk Leipzig m Kampfabschnitt Anger-Crottendorf hatte es gegeben, weil Annegrets geographische Kenntnisse hinter Roßwein, wo ihre Großmutter wohne, aufhörten. Im Musik-Abi musste sie, was dazu kam, ein Kampflied, welches heute in blasser Erinnerung am Himmel firmiert, über die Internationalen Brigaden in Spanien vor dem Krieg, singen. Der Kampf gegen den Faschismus im allgemeinen und der Blechkuchen vom Bäcker im besonderen waren die zwei Errungenschaften des Landes, die wir gut fanden. Die dritte war zumindest für mich Erdbeeren. Und hier bestand die Errungenschaft, dass es sie wirklich, im Gegensatz zu vielen anderen Dingen, nach der Ernte zu kaufen gab. Dazu kam, dass ich sie schnell essen musste, ich schlang sie gerne gezuckert in riesigen Mengen in mich rein, weil sie so schnell fleckig und matschig wurden. Bäcker und Erdbeeren gab es viel später immer noch. Der Kampf gegen den Faschismus relativierte sich spätestens, als wir mit ihnen in einen Topf geworfen wurden, denn wenn du nicht für uns bist, dann bist du automatisch gegen unser Land und hilfst oben drauf unseren schlimmsten Feinden. Der moralische Faustschlag in unsere jugendliche Gesichter wurde im Begriff des Renegaten definiert. Dieser weiß eigentlich, um die gerechte Sache. Aber, weil er sich kaufen ließ oder den Einflüsterungen des mächtigen Feindes erlegen war oder ganz ohne Moral asozial der Gemeinschaft auf der Tasche lag, musste er entlarvt werden. Spätestens dann war ein Gespräch mit ihnen den FDJlern nicht mehr möglich. Deshalb zeigten wir ihnen mit Inbrunst unsere Verachtung und lagen schließlich auf der Lauer.
Annegret summte also, einem Ohrwurm gleich, dieses Lied. Zwischendurch erzählte sie uns jedes Kapitels eines Buches mit Namen „Gefangen in der Pantherschlucht“. Eine Gruppe Halbwüchsiger verläuft sich oder das Wetter war zu schlecht im Hochgebirge. Sie verschlägt es in eine Höhle, von einem Panther argwöhnisch beäugt. Wie sie es schaffen, Panther und Hochgebirge zu entkommen, dauert seine Zeit. Annegret tauschte nun, mehr aus Unbedarftheit als aus Dummheit, den Ort der Handlung des Romanes, den Kaukasus zu Zeiten der Sowjetunion, mit Roßwein und unterlegte alles mit ihren Ohrwurm zur Abi-Prüfung. Sie schlug vor uns Pantherschlucht-Brigade Roßwein zu nennen. Mir und zwei anderen fehlte der örtliche Bezug. Da wir uns keinesfalls als Deutsche, noch als DDR-Bürger, vielleicht als Sachsen, aber am meisten mit unsere Stadt und unseren Stadtteil identifizieren konnten, wurde aus Pantherschlucht der leicht eckige Begriff Bezirk Leipzig. Da wir alle aus Anger-Crottendorf und nicht aus Roßwein oder Reudnitz waren, musste das mit rein. So wurde aus Annegrets Anregungen ausgehend vom Kaukasus über das Städtchen Roßwein zwischen den Bezirken Leipzig, Dresden und Karl-Marx-Stadt die Internationale Brigade Leipzig im Kampfabschnitt Anger-Crottendorf. Das klang so blöd, dass es uns schon wieder gefiel, aber genau genommen war es uns egal. Wir waren immer bereit! Diesmal sogar besonders bereit aus dem Gebüsch heraus zuzuschlagen.
Eine Ecke weiter standen Enrico und Matthias. Katharina, Annegret und Harald sollten in unserem kleinen Refugium zwischen Neubaublock und Kleingartenanlage warten. Wir nannten ihn den alten Schuppen. Harald, der täglich zum Bäcker ging, um mit Pudding gefüllten Streusel-Kuchen und glasierte Pfannkuchen zu kaufen, brachte eines Tages nur Stachelbeerkuchen mit.
Wir riefen, „Was? Nur Stachelbär’?“, Der andere Blechkuchen war alle und ab sofort stand „Stachelbär’“ für unseren Schuppen, besser Exil, Bunker, Versteck, Nest, Burg oder Fluchtpunkt oder vielmehr zu Hause, denn wo anders wollte man uns nicht oder wir wollten all das uns gereichte vermeintlich schöne unseres Heimatlandes nicht.
Dort im zerfallenen Schuppen versteckten wir uns. Eigentlich verzogen wir uns dahin und schauten uns mit dem teilnahmslosen Blick eines Kindes beim größer werden zu. Ich guckte dabei am liebsten auf die feinen Bläschen aus Spucke an den Mundwinkeln Katarinas. Da sie langsam redete, blubberte es, wie aus einem kleinem Loch im Fahrradschlauch, feinste glasige Luft, heute würde ich Perlage sagen, aus ihr heraus. Sie schien es nicht zu stören oder hatte es noch nie bemerkt, ebenso, wie sie für mich keine Verwendung fand, bestenfalls, um als Sitznachbar auf dem Schulhof mit ihr eine zu rauchen. In meinen Augen machte ihr gurgelndes Lispeln sie schöner, größer, leider unerreichbarer. Gleichzeitig wunderte ich mich, woher die viele Spucke kam. Ich stellte mir ihre Küsse, wie ein Sprung in überlaufenden warmen dünnen Kleber vor. Dies ließ mich den nötigen Abstand halten und dennoch sah ich immer wieder hin.

Quiz am 07.09.26

Wie angekündigt, findet am nächsten Montag, am 07.09.26, der nächste Quiz in der Vowi satt. Es geht um 19.00 Uhr los.
Bitte gebt mir bis zum Freitag Bescheid, ob und in welcher Anzahl Euer Team teilnehmen wird.
Die Wunschrunde lautet „Actionfilme der 80er“

Meine Frage lautet, wenn zur Wunschrunde, ebenso Actionfilme der DDR dazu zurechnen wären, ob jemand unter Euch einen 80er DDR-Actionfilm kennt.

Hier könntet Ihr suchen:

In den 70er war einer der bekanntesten Actionfilm-Reihe „Das unsichtbare Visier“ über die „Kundschafter an der unsichtbaren Front für den Frieden“ mit Armin Müller Stahl.
Ich war jung genug, um davon beeindruckt gewesen zu sein. Als Wiederholung vom Abend wurden die Filme morgens 10.00 Uhr gezeigt. Wenn ich selten genug krank war und nicht in die Polytechnische Oberschule im Leipziger Osten musste, durfte ich bei Tee und geriebenen Möhren mit Apfel die abgrundtiefe Dekadenz des Klassenfeindes erfahren, ohne dabei selbst in Gefahr zu geraten.
Der Hautdarsteller Armin Müller Stahl durfte 1980 die DDR verlassen. Ich verließ sie, kurz vor ihrem Ende, neun Jahre später.
Um einen Eindruck zu bekommen, reicht es sich das Intro der Serie oder ein Blick auf meinen Pionierausweiss:

Geschichten

James Clavell hat mehrere Romane geschrieben.
Am bekanntesten ist „Shogun“, den es aktuell und schon vor Jahren als Serie zu sehen, gab und gibt.
„Wirbelsturm“ handelt im Februar 1979 im Iran. Britischen Hubschrauberpiloten, die dort in der Ölindustrie arbeiten, erleben die Zeit der Islamischen Revolution.
Viele Seiten sind zu lesen. Viele Charaktere lernt man kennen. Viele Perspektiven werden eingenommen.
Aktuell gibt es das Buch nicht in der Karl-Marx, nur antiquarisch:

(Nebenbei ein Puh! an den Kulturstaatsminister, der drei Buchhandlungen von der Buchandelspreis-Liste genommen hat, weil der Verfassungsschutz über die was Geheimes rausbekommen hat, was er aber nicht sagen darf.)

Stalino ist ein kurzweiliger neuer Podcast, der die Besetzung von heutigen Donezk durch die Wehrmacht im 2. Weltkrieg aus Sicht verschiedener Menschen beschreibt.
Dazu gibt es sehr sehr viele weitere Hintergrundinformationen mit dem Bemühen diese Zeit sichtbar werden zu lassen, aber auch Parallelen zu heute zu ziehen.
https://war.dekoder.org/de/stalino/kontext
https://war.dekoder.org/de/der-krieg-und-seine-opfer/kontext
Mir gefällt einiges an der Machart des Podcast nicht. Dennoch finde ich ihn wegen des Themas hörenswert.
https://war.dekoder.org/de/stalino/podcast

Zu alt für Mangold, zu jung für Rharbarber

Der Mangold ist kein Rhabarber.
Hiermit bestätige ich alle Teams, die sich angemeldet hatten, zum Quiz in der Vowi, heute ab 19.00 Uhr in Bockenheim. Alles ein wenig spät, weil ich doch drüben zur Welttournee war.
Das Immelfahrtskommando ist im Urlaub. Alle anderen sind da.

Im Monat 1525

Im Monat Mai vor Hunderten Jahren 1525

Thomas Müntzer wird nach der Schlacht bei Frankenhausen
am 15. Mai 1525 von einem Landsknecht, der Lesen kann,
an Hand seiner Schriften, die Müntzer bei sich trug, erkannt, festgenommen und am 27. Mai 1525 enthauptet.

> Radio
500 Jahre Bauernkrieg
Die erste deutsche Revolution?
DLF Kultur, Themenseite

> Museen
1525 Der Bauernkrieg – Zu Besuch in den Luthermuseen
Der große Bauernkrieg von 1525 wird zum 500 Jahrestag in vielen Museen thematisiert, aber was war dieser Bauernkrieg eigentlich? Der verzweifelte Aufstand ausgebeuteter Bauern?

Zur Erlebnisausstellung in Eisleben
Die Luthermuseen

> Podcast
Radikale Reformation von Jens Stangenberg
> Buch
Buch zum Podcast
Jens Stangenberg,
Radikale Reformation: Der „Linke Flügel“ und seine Bedeutung für heute
2019

> Roman
Roman über Reformation vom Autorenkollektiv
Luther Blissett, Q, 1999
> Hörspiel
Hörspiel vom WDR nach Roman
Q – Ein rasanter Thriller im Europa der Bauernkriege (Thomas Ebermann, 2018)

> Comic
Mosaik 592, April 2025, 500 Jahre Bauernkrieg,
Unruhige Zeiten
In diesem Heft hat es Abrax, Brabax und Califax ins Schwäbische Allgäu des Jahres 1524 verschlagen. Es waren unruhige Zeiten. Überall im Reich begehrten Bauern gegen die Ungerechtigkeiten auf. Und in Memmingen werden in den 12 Artikeln zum ersten Mal grundlegende Freiheits- und Menschenrechte aufgeschrieben. Welche Rolle die drei Abenteurer dabei spielen, wie man damals eine fröhliche Hochzeit feierte und warum ein außerehelicher Fehltritt ein ganzes Dorf vor dem Ruin rettet, das erfahrt ihr in diesem MOSAIK.

Erwischt beim Relativieren

In flangranti:
Vor einem Jahr hatte ich mich sehr aufgeregt, als mir erzählt wurde,
wie schön es Früher im „Arbeiter- und Bauernstaat“ war.
Endlich könnte ich mir getrauen, wie einst Jürgen Walter, zu singen und zu sagen:
„Schalali schalala – Es tut nicht mehr weh!“
So ein Scheiß, war meine Antwort: Mir tut es aber noch weh:
Die Narben der verbalen Prügel von damals, der Phantomschmerz
nicht als Schlüsselkind rausgeschmissen wurden zu sein.
Und darum geht es DiasporaOst im eigentlichen Sinn…

Hallo, ich wollte Sie,
mit einem nicht abgeschickten Brief an einen schlauen Mann in Berlin,
auf meine Wut und deren „Auslassung“ über eine Veranstaltungsreihe im letzten Jahr in Ffm. aufmerksam machen.

Drei jüngere Wissenschaftler organisierten in Ffm. neun Veranstaltungen mit dem Titel
‚Träumen und Fürchten‘. Narrative der DDR und Ostdeutschlands Veranstaltungsreihe von DiasporaOst, März-August 2024 Frankfurt/M.

Sie wurden von der Stadt Ffm. und von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

Die Stadt Ffm. hatte mir auf Nachfrage nicht genau erklärt, was Gründe und Höhe der Förderung gewesen sind. Ich wurde dagegen nach meinen Gründen der Nachfrage befragt, um dann darauf verwiesen zu werden, das Kulturamt der Stadt nicht weiter zu nerven. Man hätte Wichtigeres zu tun:
„…wir fördern literarische Veranstaltungen, um jungen Autorinnen und Autoren die Möglichkeit zu geben, ihre Texte vorzustellen. Dazu erhalten wir einen Antrag, in dem das Konzept vorgestellt wird. Der Verlauf der Veranstaltung liegt außerhalb unserer Kompetenzen. Zudem läuft gerade unser eigenes Literaturfestival literaturm, so dass ich um Verständnis bitte, aber von jetzt an keine weitere Emails in dieser Angelegenheit beantworten werde…“ (Mail vom 14.05.24).
Hier besteht aber Hoffnung. Bis zum 30.06.25 wird für das Berichtsjahr 2024 die einzelne Auflistung der Kulturförderung ins Netz gestellt. Dort wird sich ein Verweis finden.

Die € 18000,- Fördergelder der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ist nachlesbar auf deren Homepage. Die Förderung wurde mir mit ihren Statuten begründet. Bei Kritik meinerseits solle ich mich bei den Veranstaltungen einbringen:
„vielen Dank… und Ihre darin geäußerte Kritik am Projekt „DiasporaOst“, die wir zur Kenntnis genommen haben! Um mit einem Zitat von unserer Website zu beginnen: Die Bundesstiftung Aufarbeitung betrachtet ihre Projektförderung als einen wichtigen Beitrag zu einer vielfältigen und lebendigen Aufarbeitungslandschaft. Ein kleiner Teil dieses wichtigen Beitrags kann aus Sicht der Bundesstiftung Aufarbeitung die Förderung dieser Veranstaltungsreihe sein, bei welcher Vertreter der „alten“ und der „neuen“ Bundesländer über unterschiedliche Zugänge zur „Kultur der DDR“ ins Gespräch kommen. Dabei können unterschiedliche Sichtweisen und Wahrnehmungen geäußert werden, die zu einem erkenntnisfördernden Austausch über Sichtweisen auf die DDR und Ostdeutschlands führen können. In diesem Sinne laden wir Sie dazu ein, an den Veranstaltungen teilzunehmen, um Ihre Stimme dort geltend zu machen, ihre Erfahrungen einzubringen und z. B. darauf hinzuweisen, dass dort aus Ihrer Sicht ostdeutsche Geschichte umgeschrieben wird. Auf diese Weise wäre ein Förderziel der Bundesstiftung Aufarbeitung bereits erfüllt: den Austausch zwischen Ost und West zu befördern…“ (Mail vom 07.05.24).

Ich war bei drei Veranstaltungen. Ich gab meine Meinung verbal, ich gebe zu, polemisch und scharf im Ton wieder. Ich wurde ermahnt, mich zu mäßigen. Inhaltlich gab es keine Reaktion. Nur der Autor Lukas Rietzschel als Zeuge, weil Lesender der ersten Veranstaltung, gab mir mit seiner Widmung einen Fingerzeig.
Ich habe den Veranstalter noch vor der ersten Veranstaltung eine Mail geschrieben, die Sie im Anhang finden. Es gab und gibt keine Reaktion.
Ich habe besagte Mail an diverse Zeitungen (u.a. FAZ, SZ, FR, taz), Wissenschaftsportale (u.a.Hsozkult) und an die Uni in Ffm. geschickt. Keine Reaktion. Nur der Deutschlandfunk reagierte. Der DLF hatte Verständnis für meiner Kritik und meinte, dass ich mich bei den Veranstaltungen einbringen könnte.

Ich werfe den drei Machern von DiasporaOst Relativierung von DDR-Geschichte vor. Ich mutmaße letztendlich politische Hintergründe. Ein profanes Beispiel ist das Motto einer der Macherin auf ihrem Instagram-Account:
коммунизм феминизм революция

Gleichzeitig entsprechen sie einem politischen und medialen Zeitgeist.
Ihre sprachliche Wendung aus den „Zirkeln schreibender Arbeiter“ der DDR heutzutage eine „Workshop schreibender Arbeiter*innen“ zu machen, übermalt mit Wasserfarbe, die immer vorhandene ideologischen Vorgaben im DDR-Staat.
Dazu wird bei den Veranstaltungen verzweifelt versucht, jenes merkwürdige kulturelle, emotionale und selbstzweifelnde „Unbehagen“, nicht weniger in den Neuen Ländern, zu transportieren. Nach möglichen ideellen Genossen wird nicht geschaut. Vielmehr ist der Feind meines Feindes mein Freund.

Was bleibt?
Ich rege mich über den Tenor der Veranstaltungen ziemlich auf,
haue den Veranstaltungsmachern meine Meinung um die Ohren,
schreibe es brav und sachlich auf,
schicke es zu Hinz und Kunz,
frage da, nerve dort.
Keine oder nur abweisende Reaktion.

Ein kleiner Erfolg, eine gewisse innere Befriedigung ist, dass es hier in Ffm. nur begrenztes Interesse im universitären Rahmen der Veranstalter gibt. Selbst als Katja Hoyer kam und Dirk Oschmann nicht gesehen wurde, weil er krankheitsbedingt absagte, blieb die akademische Entourage sich zuprostend unter sich, Jenny Erpenbecks Roman „Kairo“ preisend, dabei dem Feuilleton Ignoranz vorwerfend.
Eigentlich geht es bei den Veranstaltungen darum, die DDR-Diktatur beiseite zu schieben, um das vermeintlich wirkliche Leben, sprich Träume und Errungenschaften des DDR-Sozialismus, ins Licht zu rücken. Dies sei bisher nicht möglich gewesen, weil es viel zu oft, beispielsweise, um die Stasi ging. DDR-Geschichte würde nur aus der Opferperspektive geschrieben, inszeniert, protegiert und gefördert. Jetzt endlich sei es möglich „Narrative“, wie schön es bis 1989 im Osten war, zu erzählen. Später, nach dem „Transfer“ des Ostens in den Westen 1989/90, kam das Fürchten des Kapitalismus. Und darum geht es DiasporaOst. Ihre Veranstaltungsreihe ist eine Kritik am Kapitalismus der alten Bundesrepublik. Und weil der Westen so schlecht ist, wird der Osten immer schöner. Er war viel besser und wehrt sich bis heute gegen seine Übernahme oder „Transfair“. Der Osten zeigt Zähne und DiasporaOst putzt die zigarettenvergilbte und mehr Goldkrone als Grusinische Mischung trinkende Patina weg. Warum habe ich und viele andere, dies nicht schon Ende der 80er erkannt und im nach hinein eine so dumme Entscheidung getroffen, das Land zu verlassen. Irren ist kapitalistisch. Ein Sozialist irrt nicht: „Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist.“ (Lenin)
Imprägniert vom universitären Zeitgeist, den diese allerdings mit dem „Weltgeist“ verwechseln,
„Genau!“
erinnert mich die ganze Reihe und speziell einer der drei Macher auch äußerlich an den DDR-Schlagersänger Jürgen Walter. Sein „Schalali schalala – Es tut nicht mehr weh“, hatte ich sofort im Ohr und Bild, als ich ihn sah.

Vielleicht können Sie mir weiterhelfen, wobei ich auf Verständnis hoffe,
dass aus meinen kalten Tränen der Erinnerung, dieses verbale Wut-Stakkato floss.
Ich freue mich auf weitere wertvolle Bücher und Beiträge zur DDR-Geschichte Ihrerseits,
frei von Phanthom-Schmerzen, wie sie das Lied „Schalali schalala – Es tut nicht mehr weh“ in mir projiziert.

Es grüßt Sie…

Veranstalter:
DiasporaOst
https://www.instagram.com/p/C4a_KYrIVZN/?img_index=1

Franziska Haug
https://www.instagram.com/aggression_f_fatale/

avldigital.de
Fachinformationsdienst Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Vortragsreihen
‚Träumen und Fürchten‘. Narrative der DDR und Ostdeutschlands Veranstaltungsreihe von DiasporaOst, März-August 2024 Frankfurt/M.

Forum kritischer Wissenschaften

Fördergelder:
Stadt Frankfurt
https://kultur-frankfurt.de/portal/de/Kulturdezernat/DasKulturamt/1291/1616/0/0/11.aspx
Kulturförderung der Stadt Frankfurt nach Jahren

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Projektförderung 2024, S. 6
https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/sites/default/files/uploads/files/2024-01/Bundesstiftung_Aufarbeitung_Projektfoerderung_2024.pdf

meine Mail an DiasporaOst, 26.03.2024

Mail an DiasporaOst 26.03.2024

Heeme

Wie schön es zu Hause („Heeme“ im Nachbardialekt sächsisch) ist, hier gemeint zwischen Werra, Saale und Unstrut, thematisieren meine Thüringer Freunde von der Band „Heaven Shall Burn“ auf ihrem neuen Alben „Heimat“, was Ende Juni erscheinen wird.
In einem Lied mit Video und einem Musiker-Kollegen aus dem Westen, zeigen sie den Liebreiz Thüringens und ihre Ausnahmestellung dort auf.
Der Text steckt zum einen voller Anspielungen über Geschichte und jetzige politische Situation der Region. Bis zum Bauernkrieg, dessen 500. Jahrestag man selbstverständlich gerade in Thüringen besonders begeht, wird der inhaltliche Zirkel geschwungen. Zum anderen erzählt der Text, die nicht kleinzukriegenden Gefühle, wenn man, wie fast alle in der Band, in Rudolstadt und Weimar geboren wurde und heute mit Mitte vierzig, immer noch dort, „… das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ eben „Heeme“ ist.

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https://genius.com/Heaven-shall-burn-keinen-schritt-zuruck-lyrics

http://www.ernst-bloch.net/owb/fobei/fobei31.htm