Wenn ganz früher am Tresen zu später Stunde ein Gast nach langen Diskussionen über Weltfrieden, Eintracht, Biergeschmack und Popmusik feststellte, dass (nochmal) früher vieles besser gewesen sei, hätte mindestens einer gesagt,
Opa jetzt ist mal gut, Trink aus und geh nach Haus.
Heutzutage ist es so, erklärte mir dagegen neulich ein Gast, dass er sich beispielsweise ausgesprochene Empfehlungen von früheren, heutzutage aus gestreamten, Künsten nicht mehr merken würde. Früher hätte er sich die nächste Kippe angezündet. Heute würde er den Wirt nach Strom für seinen Vapor fragen und sich unauffällig einen Snooze in den Mund schieben. Die Erklärungsversuche seien doch genauso hohle Kunst- oder Ersatzprodukte, die im Zweifel viel Dampfen oder weit mehr nikotinisieren, wie klassische Kippen. Warum man etwas als gut und schön empfindet, würden aus Allgemeinplätzen, Superlativen und ständigen Bedanken bestehen, so der Snoozer. Darauf gab ich zu bedenken, ob er da nicht die Höflichkeit der Mitmenschen mit seinem Ekel vor der Welt verwechselt, galoppierte er wie folgt:
Die scheinbare Angst beim Knall der Peitsche, die Pferde mit ihren Scheuklappen antreiben, schafft Aufmerksamkeit. Leider tröpfelt sie, nach der ersten Erregung, aus, weil kein Leben in der Bude ist. Denn wer würde sich schon eine Serie anschauen, die erklärt, warum industriell gefertigte Massenbiere (Binding, Bitburger, Oettinger, Krombacher) unterschiedlich schmecken.
Deshalb merke er sich in letzter Zeit Serien zum Sehen, wie
Euphoria (noch als DVD bis zu 2. Staffel, über das Altern im Jungsein)
Hundert Jahre Einsamkeit (Netflix, nach dem Roman von Gabriel Garcia Marquez)
The Get Down (Netflix, 70er, New York, Anfänge des Hip-Hop)
The Deuce (70er, New York, Anfänge der Pornoindustrie)
oder,
so der nächtliche Gast weiter,
er schaue die neuen Ramadan-Serien an, die es oft auf YouTube mit englischen Untertiteln gibt.
Er würde aus Syrien „Mawlana“ empfehlen.
Einer am Tresen meinte promt zu meinem Gast, dass er doch gar nicht so aussehe.
Ich drängelte mit einer letzten Runde „Mexikaner“ dazwischen, um schlussendlich, ich verwies auf die Uhrzeit, für heute zuzumachen. Morgen wieder. Alle akzeptierten.
Bei Hinaus-Komplementieren erwähnte der snoozende Gast, auch Fan japanischer Samurai-Serien aus den 60er und 70er Jahren zu sein.
Ich nickte und stellte mir die rhetorische Frage, ob ich dass irgendwann vermissen würde, wenn dies alles hier in meiner Erinnerung unter „Früher“ zu finden ist.
Morgen wieder! Ich schloss ab und bog gedanklich ab zur Brigadefeier der schunkelnden Mitarbeiter der Serie „Die Frau hinter dem Ladentisch“. Biederkeit gepaart mit witzigen Stürmen im sozialistischen Wasserglas, und jetzt aber alle ins Bett – Kinder! Ich band mir die Schürze ab.
Kategorie: Filme der Kneipe
Versuch Filme zu zeigen
Walkman
Dieser Kurzfilm wurde im Rahmen des 99FIRE-FILMS AWARD 2026 eingereicht.
Thema: 2035 – The Human Story | Beyond Tomorrow
Filmtitel: Walkman
Team: Wir haben noch keinen Namen.
Kurzbeschreibung:
Wie fühlt sich eine Welt an, in der alles Menschliche durch künstliche Intelligenz ersetzt wurde? Wie weit können wir als Spezies von unserer eigenen Natur abdriften? Wie tief ist wahre Menschlichkeit in unserem Inneren verankert – und was geschieht, wenn wir sie eines Tages vergessen? Diese Fragen bildeten den Kern unserer Idee und bestimmten das Gefühl, das wir mit dieser Geschichte einfangen wollten. Die einzige Antwort, zu der wir für uns selbst gelangt sind, lautet: Es liegt allein in unserer Hand, wie viel unserer Menschlichkeit wir in Zukunft bereit sind aufzugeben.
zwischendenjahren
auf YouTube:
zwischendenjahren
Komme ja wieder!
Vergängliches

Altes und Neues:
Farben, Symbole, Straßenpflaster und Platten, Kellerfenster, Stromkasten, Haus
und jetzt versucht mal sächsisch zu reden:
Mund fast zu, Unterkiefer etwas vor, g anstatt k, b anstatt p
Dieses Filmchen schnurrt Geschichte und deren Geschichten letztendlich als Vergängliches runter.
Gedreht im Burgund mit Tönen von dort, dem Nachhall meiner Radschuhe auf dem Glauberg in der Wetterau, dem lautstarken Singen der Chemie-Ultras, untermalt von Rufen der mehr klassischen Fans und einer Klospühlung in der Champagne als Schlusspunkt:
Pilgerweg
Noch mehr Altes mit durch aus gegenwärtigen Erscheinungen:
Feuerland,1987
DEFA-Doku-Film über ein Viertel in Ostberlin-Mitte mit viel damaliger Kneipenperspektive und treffenden Zeit-und Zustandsbeschreibungen
… und freitags in die „Grüne Hölle“, 1989
DEFA-Doku-Film über Fans von Union Berlin, sehr nah dran und kaum DDR-Folklore oder Propaganda, was sehr ungewöhnlich war
dazu auch:
Petite Cuisine, 13.04.23
Vergangenes festzuhalten, ist im Jahrzehnte langen Binding Römer Spezial-Fluss, nur unterbrochen mit „der Einleitung des Bezahlvorganges“ (Zitat) oder dem „ungefilterten Galopp des Gehirns zum Sprachzentrum“ (Zitat) oder dem „Hast Du ein Kondom? Dann wäre ich gleich wieder da!“ (Zitat), schwer.
Das Bier läuft, wie seit neusten ebenso Helles vom Fass. Dennoch die Zeit vergeht.
An Hand des Videos von 2020 erkenne ich die Ereignisse, welche seitdem durch den Sand gerinnt sind. Mittlerweile war ich beim zweimal abgesagten Konzert von Judas Priest. Mittlerweile tragen in der Warteschlange bei der Bäckerei „Kronberger“ im Frankfurter Nordend viele, die gleiche Turnschuh-Marke, wie ich beim Auf- und Abgang in den Quarantäne-Keller. Die Mütze ist ein Werbegeschenk einer Reservierung eines Niederländischen Sportvereins, der vor Jahren nach Neujahr mit einem Bus vor und dann in der Kneipe stand. Und das Wandbild auf dem Rollo über der Bierlucke hat sich im Vergleich zum aktuellen Bild ebenfalls geändert.
Nur die Sterne leuchten hoffentlich bis zum Ende egal, wie unsere Geschichte in der Geschichte ausgeht:
Und es leuchten die Sterne. Carola_10
Alle Filmchen von damals und heute
https://www.youtube.com/channel/UCxZ06FmK1r0qHUORgzNcnaw
Herausgefordert!
Bum!
Das ästhetische Rauschen_glücklich geglaubt
– [x] glücklich geglaubt
Zum Glück gibt’s Pepsi:
Schöne Weihnachten und ein erfolgreiches neues Jahr, liebe Vowi, Eure Binding!
Danke, Ihr Schluckautomaten, treuen Seelen, ruhelosen Geister, Ihr Nimmertrunkenen!
An der Treppe zum Jordan-Boulevard traf ich den Küster der Gemeinde. Seinen Werkzeugkoffer in der Hand rief er beständig ein umherwuselndes Wollknäuel, was sich mir als Miniaturausgabe eines Bernhayas in den Weg stellte, an. Der Küster nickte mir mit ernster Miene zu, als ich fragte,
„Wenn Du die Tage,
das Trikot anbringst,
die Sicherung der Fritteuse suchst,
den Silikon am Spülbecken erneuerst,
den Salamander fixierst,
die Fußbodenleiste klebst,
die Fensterdichtungen prüfst und
nach den Heizungen schaust, dann könntest Du bitte noch WD-40 mitbringen!“
- Weihnachtsgeschenk 2022
- Silvestergeschenk 2022
- zeitlose Geschenkidee
Räuche:
Das ästhetische Rauschen_mitteilsam
– [x] mitteilsam
Das dritte ist die beste Interpretation.
Licht, Zeitachse, Augenblick, Subjekt, Gegenstände, Anordnung, Geometrie und Farben passen. All jenes, was ich weiter oben bei den Fotos der Wirte im Lockdown vermisse, beinhaltet das Foto.
Vielen Dank Sven Bratulic für diesen Augenblick, welche er, solange es diese Kneipe gibt, immer wieder aufs Neue meisterlich festhält. Die Zeit hält an und hilft der Erinnerung.
- Foto Sven Bratulic
- Foto Sven Bratulic
- Foto Sven Bratulic
Räuche:

















