Kategorie: Schönheit

L’art pour l’art – die Kunst um der Kunst willen

Kleine Küche, kleines Feld am 26.05.22

Maus bleibt Maus

Ein Mäuschen vom Felde
wollte werden ein Mann
Daheim vor dem Spiegel übte es fleißig
Wie klein es sich fühlte, je größer sein Wahn

Was tun in dieser löchrigen Welt?

Zu klein, zu grau, dann bleibt nur schlau
Hätte es Freunde oben beim Amt
Das Mäuschen wäre ganz sicher bekannt

Versuchte sich beim Verwalten von Wohlfahrt
Lang ist der Weg von Flur zu Flur
Dann an einem Morgen kam es schlußssendlich zur entscheidenden Frage:
Bist Du bereit für den großen Sprung, wie einst Mao Tse-dung?

Der die das wieso weshalb warum?
Ganz einfach
Ab heute wird der Kaffee anders serviert
Wir lassen das a und ändern den Rest
Ich fahr als Jaguar zum Seniorentreff
Und du bis als Maus eine Katze mit einer Grinsefratze

Hier endet abrupt mein Bericht
Ich muss weg
Dem Himmel entgegen, erteilt mir den Segen
Muss in die Küche und später zum Seniorentreff
Was gibt’s denn heute außer dem a?
2x Bleche Moussaka

Ham Cuisine, 28.04.22

Zwei bis drei Verweise seines Lieblingsvereins finden sich laut:
https://www.loudersound.com/features/iron-maiden-somewhere-in-time-artwork-details
und
https://en.wikipedia.org/wiki/Somewhere_in_Time_(Iron_Maiden_album)
auf der Album-Hülle.

In seinem mäaßigen Deutsch dichtete Steve mir folgenden Stolperreim:
Ob Sauerampfer, ob Schnittlauch, die Eintracht haben nur wir drauf!
Ob Borretsch, ob Pimpinelle, ich muß mal auf die schnelle!
Ob Freiburg, ob Mainz, die Eintracht läuft jetzt heiß!
Ob Kerbel, ob Kresse, nun iss und halt die Fresse!
Mit Olli und dem Didi, die Eintracht singt bald in Mancity!

Petite Cuisine, 21.04.22

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters und wie, mittlerweile mehr für welche Wiedergabequelle, es abgemixt ist.
Einmal wonnig unentrinnbar brutal. Inszeniert.
Und beim zweiten gestern im Nachtleben. Nackt. Nur mit anderer Gitarristin, weil die eigentliche ein Baby bekommt.
Die dänische Band „Konvent“ mit dem Titel „Puritan Masochism“.

Anstatt der Videos kann man sich auch das Bild ansehen.
American Gothic, Grant Wood, 1930
https://de.wikipedia.org/wiki/American_Gothic

Ostern ist offen.

Ostern ist offen.
Karfreitag ab 17.00, Karsamstag ab 15.00, Ostersonntag ab 15.00, Ostermontag ab 17.00

Im Gegensatz zur Downing Street kann hier immer, auch karfreitags, getrunken werden.
Mary Elizabeth „Liz“ Truss, die fast zehn Jahre jünger als ich ist, hat nicht u.a. den Geburtstag ihres Chefs mitgefeiert, weil sie nie da war. Unterwegs für ihn.
Patricia Lee „Patti“ Smith, die zwanzig Jahre älter als ich ist, hat sich vor 44 Jahren mit einer Osterbotschaft geäußert.
Weder ihr Schirm noch all das, was Mary Elizabeth „Liz“ Truss in ihrer Tasche mitführen kann, würde helfen, Patricia Lee „Patti“ Smiths österliches Gedankengut abzuhalten, wegzuwischen, aufzufangen.
Ein Ring am Ringfinger der linken Hand bei beiden Frauen scheint mir die einzige Gemeinsamkeit rein äußerlich zu sein. All das, was beim Foto der Schallplattenhülle von Patricia Lee „Patti“ Smith mehrdeutig ihre Sexualität anspricht, wirkt bei Mary Elizabeth „Liz“ Truss, strengstens geschützt, überdimensional in Szene gesetzt als besonders wichtig, gemeint staatsmännisch, dennoch sehr weiblich. Die englische Schriftstellerin Hillary Mantel, die drei dicke Romane über Aufstieg und Fall des Staatsmannes Oliver Cromwell (Mittelalter in England, Heinrich der 8., der mit den vielen Frauen) geschrieben hat, bezeichnete diese zur Schau getragenen Taschen als rotierenden weiblichen Außenbordmotor eines bestimmten Körperteils.
Platz lassend für den PS-starken Motor der Mary Elizabeth „Liz“ Truss schaute ich voller Passion auf Patricia Lee „Patti“ Smith und verschwand in die Küche, um was zu kochen. Kein Fisch. Grüne Soße, wenigstens aus Deutschland, französische Kartoffeln, Schweineschnitzel aus dem Vogelsberg und Eier hatte ich unterwegs vom Osterhasen. Er war himmlische Erscheinungen schauend in einer Stadt mit drei z. Und von heute an reden wir über das Gründonnerstags-Wunder. Ab 17.00.

Petite Cuisine, 17.03.22

Ob es vor vierzig Jahren anders gewesen ist, könnt ihr in einer Geschichte auf der Vowi-Seite nachlesen.

Vor vierzig Jahren


Damals würde wohl eher im Tannenbaum als im Jordaneck Popmusik aus der Sowjetunion im Kassettendeck abgespielt werden. Beispielsweise Musik von Alla Pugatschowa, eine Mischung aus Schlager, Chanson, Folklore und einer Brise Rock, die im Westen bekannter als die Kurzzeit-Generalsekretäre Andropow und Tschernjenko gewesen ist.

1981. Auszug eines Briefes vom Schriftsteller Peter Kurzeck

1981. Auszug eines Briefes vom Schriftsteller Peter Kurzeck

Heute wird in der Volkswirtschaft russische Popmusik gestreamt. Inwieweit diese politisch korrekt für alle passend und für alle, besonders in Russland, erreichbar ist, bleibt eine Gratwanderung, ähnlich sich nicht mit einem bekannten Virus anzustecken.
Meine Lieblinge, die Band „Shortparis“, kommen (auch) aus Sankt Petersburg. Mit ihrem aktuellen Video schaffen sie es sich wohl in Russland nicht angreifbar zu machen und dennoch kommentieren sie die extrem verschärfte Situation im historischen Kontext und zeigen ihre eigene Zukunft auf. Das muss man erstmal schaffen. In meinen Augen herausragend. Ihre angesagte Tour auch nach Deutschland findet hoffentlich statt. Der Sänger Nikolai Komyagin wurde, wie es heißt, auf einer Antikriegsdemo verhaftet:

Ganz neu:
Яблонный Сад – Apfelgarten:

Mein Lieblingstitel und Video:
КоКоКо / Cтруктуры не выходят на улицы – Kikeriki/Strukturen demonstrieren nicht

Vor vierzig Jahren

1. Teil
Vor vierzig Jahren war die Welt nicht so viel anders.
Ein gewichtiger, eigentlich der wichtigste Präsident damals hatte vor seinem Amt eine Karriere als mittelmäßiger Schauspieler. Politisch, in seinem Auftreten und in seiner pausbäckigen Beschränktheit die Welt erklärend, stand er für all das, was man, wenn man doch mal erwachsen wird, nie sein wollte.
Der sich weiter im Osten befindliche, also der andere wichtigste, nicht Präsident, sondern Generalsekretär benannt, hatte ein nicht zu überhörendes Alkoholproblem und sollte bald sterben. Bei ihm wurden eigentlich alle, die sich gegen ihn äußerten, irgendwie bestraft. Im Bestrafen gab es dort eine lange ausgeklügelte Tradition, aber manche der jungen aufmüpfigen Leute, von denen gleich noch die Rede sein wird, taten so, als ob das ein zwei schwerwiegende Ausnahmefehler gewesen wären, die eben mal passieren, aber eigentlich sei doch vieles richtig und damit gut.
Es wurde damals extrem viel Geld für Rüstung ausgegeben. Man schreckte vor nichts zurück, um sich gegenseitig zu gruseln, dass einem der andere nichts tat. Schlussendlich, weil man manchmal keine kleineren Länder fand, wo man sich stellvertretend bekämpfen konnte, verlagerte man dieses Gleichgewicht des Schreckens in das Weltall.
Ein paar Jahre später, aber noch lange vor unserer Zeit, gab es den letzten Generalsekretär, der sah ein, dass man kein Geld mehr hatte, um all die Waffen zu bezahlen und dass es längst sinnentleert geworden war, wie sein Staat sich erklärte und existierte. Er zerfiel. Löste sich aber nicht auf. Vielmehr wurde er zunehmend beleidigter in seinen Resten. Vielleicht weil er so klein war und sich von den anderen nicht akzeptiert fühlte. Diese Reste knüpfen an die ausgeklügelte Tradition des Bestrafens an und sorgen sich jetzt weniger um den Aufbau des Kommunismus in ihren Aufsätzen, als um das 3. Rom. Ihren Nachbarn versuchten sie das gleiche einzutrommeln.

2. Teil
Vor vierzig Jahren gab es noch keine Volkswirtschaft. Aber eine Kneipe an gleichen Stelle fand sich durchaus. Das junge Volk, eher aufmüpfig, ging lieber ein paar Meter weiter in den Tannenbaum und ins Flotte. Hier war sicher die Eintracht ein Thema. Sie spielte in der Saisons 81/82 gut, wobei mehr solide im Mittelfeld. International flog sie im März gegen Tottenham aus dem Viertelfinale des Europapokals raus. Die jungen aufmüpfigen Leute von damals beschäftigten weit mehr die Ereignisse um die Startbahn West oder eine Vorbereitung einer Demo gegen die Politik der USA in Mittelamerika.
In Frankfurt erhielt die Hochkultur mit der endlich wiederhergestellten Alten Oper ein zentrales Symbol. Die aufmüpfigen jungen Leute hatten natürlich damit ein Problem. Was dort, hochsubventioniert vom Staat, aufspielte, wo weniger die Eltern der aufmüpfigen jungen Leute, weil zu teuer, als vielmehr deren Vermieter in Abendgarderobe sich Mahlers 8., schrecklich schön traurig und dabei so bedeutsam, zur Wiederöffnung anhörten, brauchten sie ganz sicher nicht. Ihre Gefühle fanden sie viel besser wiedergegeben in einem Orchester, welches mit zerstörendem Lärm so stark pulsierte, dass es diese alten und neuen Bauten schier zum einstürzen brachte.
Im Schaufenster der Buchhandlung, wo im Antiquariat ein junger, leicht cholerischer Taxifahrer, der Jahre später in Amt und Würde mit zerknautschten Gesicht neuen jungen aufmüpfigen Leuten die Weltpolitik erklärte, starrten unsere jungen aufmüpfigen Leute auf den lang erwartenden vierten Band eines deutsch-deutschen Schriftstellers. Er, der mittlerweile in Vergessenheit geriet, soff sich langsam in seinem Exil auf einer Insel Pfeife rauchend zu Tode. Erst als dem Wirt seiner Stammkneipe auffiel, dass er tagelang nicht mehr kam, wurde bei dem einsiedlerischen Schriftsteller an die Tür geklopft. Als keiner antwortete, wurde die Tür aufgebrochen. Man fand ihn tot. Aber seine Bücher gab es in der Stadtteilbibliothek und sie waren voller Phantom-Schmerz nach der verkaterten Heimat, die doch irgendwo existieren muss. Entweder also, man soff sich die Erinnerung schön oder umschlich sie, scheu wie eine Katze.

3. Teil
Als dann vor vierzig Jahren die jungen aufmüpfigen Leute die Plakate sahen, dass jener Musiker am 11.06. in die Stadt kommt und ausgerecht dort spielt, wurde hin und her diskutiert. Wenn er kommt, sagten die einen, dann gehe ich auf jeden Fall hin. Wenn es einen gibt, der unbeugsam, schonungslos und politisch auf den Punkt, ohne sich anzubiedern, ist und schrecklich schöne Musik macht, die unentschieden zwischen Trauer, Zynismus und Lachanfällen schwebt, dann er. Auch an einem Ort der Hochkultur. Andere hatten vor, nach Westberlin zu gehen, um nicht zum Bund gezogen zu werden und freuten sich endlich, eine neuartige Welle von Musik zu erleben, die sie für viel klarer, direkter und somit moderner hielten als ihn. Und wieder andere drehten sich einen großen Joint, legten Musik aus Jamaica, die scheinbar vergeistigt durch Heilserwartungen, sich einfach nur Zeit ließ, weil sie später als eigentlich gedacht anfing, auf.
Beim Konzert dann, anstatt zu zuhören, verunstaltete während der Zugabe einer der jungen aufmüpfigen Leute eine amerikanische Fahne. Für ihn das Symbol des Imperialismus. Als er, wegen dem sie alle da waren, dies von der Bühne aus sah, fragte er rhetorisch gemeint, was man da mit seiner Fahne tut. Die anderen Zuhörer schrieen und pfiffen, was mehr als Zustimmung weniger als Ablehnung zur Verunstaltung gewertet werden konnte. Er, auf der Bühne, fluchte den Zuhörer an, das er sich sinngemäß zum Teufel scheren solle. Die Sache schien vergessen. Doch ihn, wegen dem sie alle da waren, sagte nach der nächsten Zugabe, man sollte doch im Zusammenhang mit der Fahne nicht vergessen, dass nicht alle Amerikaner wie ihr damaliger Präsident, der besagte ehemalige mittelmäßige Schauspieler, wären.
Lange diskutierten sie, auf dem Weg nach Hause im Tannenbaum noch vier fünf Henninger trinkend, das Konzert. Ein gerade neu eingestellter Hallenser brachte ihnen das Bier. Aber nicht, dass jener Musiker eine alte angebrannte Jimi Hendrix Gitarre spielte, dass er eine blutjunge hochintensive Band um sich hatte, er wieder einen Haufen unbekannter Lieder aufführte, er es geschafft hatte, alle neuen Stile und Moden einzubinden, zu kommentieren und all dies in einen Raum zu geben, der erfahrbar war, sondern seine Ansage zum Umgang mit der Flagge beschäftigte sie. Es ist und bleibt das Symbol des Imperialismus, meinte einer der jungen aufmüpfigen Leute. Der junge Hallenser, gerade aus dem Osten abgehauen, hörte mit einem Ohr zu. Eine Philosophiestudentin im Kolleg machte ihm schöne Augen, was er durchaus bemerkte. Wieder bei den jungen Leuten am Tisch meinte er, dass die Fahne für ihn und für viele weiter im Osten für die Idee der USA, aufgeschrieben in ihrer Verfassung, stehen würde, und die sei doch eine Grundlage. Nicht der Ex-Schauspieler als Präsident, sondern die Freiheiten, die das Gesetz garantiere, ergebe den Sinn. Die „Marseillaise“ seit doch beispielsweise vom reinen Text ausgehend sehr blutig. Aber für ihn stehe sie für… Abgelehnt! Das Sein bestimmt doch das Bewusstsein, wurde er von hinten aus dem Kolleg unterbrochen. Hör auf mit diesem sentimentalen bürgerlichen Schwachsinn. Wie soll sich ein Unterdrückter entscheiden können, wurde nachgesetzt. Der junge Hallenser, nicht auf dem Mund gefallen, antworte indem er aus seiner Schulzeit zitierte, wenn du nur deine Ketten, die dich binden, verlieren kannst, dann entscheidest du dich doch für die Freiheit. Sie ist das Wichtigste. Den Geschmack der Freiheit, ihre Süße, dabei sah er die Philosophiestudentin an, deswegen bin ich hier. Ein alter Genosse am Tresen sitzend, drehte sich um, schüttelte den Kopf und sprach, im Tannenbaum die Süße der Freiheit zu kosten, ist genauso dämlich, wie zu denken, dass die Mauer eines Tages verschwindet. Eher gibt es einen Weltkrieg, du Idiot.

Eintrittskarte Zappa Konzert 1982 in der Alten Oper

Manches ändert sich und manches ändert sich nie.
Manches ist wahr, manches erfunden.

Quellen:

Vorzeit

Zeit

Zappa und Umgang USA-Fahne während Konzert in Brüssel 14.05.82
Kommentar unter Konzert-Mitschnitt, Brüssel 14.05.82

Fotos Jordanstraße 1982

Foto Eintrittskarte Zappa, Alte Oper, late show, 11.06.82

Fotos Jordanstraße 2022
Luca mit Annas Hilfe

Romane:
Peter Kurzeck
Oktober und wer wir selbst sind, 2007
Uwe Johnson
Jahrestage, Band 4, 1983

Musik:
Frank Zappa
Ship Arriving Too Late To Save A Drowning Witch, 1982

Nachtrag zum Verfall

Post von der Hausverwaltung: von „Kontantin der einen Opel fuhr“ A. D. 1453. Weitergeleitet von Mehmed II mit späteren Grüßen von Süleyman I. und Hürrem, wie man mit alten Dingen umgeht, sie umwandelt, neues baut, diese bewahrt oder nichts macht:
… Bzgl. der abgebrochenen Teile der Hausfassade (Jordanstr. 13) bitten wir Herrn M… diese nicht zu entsorgen, sondern aufzubewahren. Hier wird sich jemand mit Herrn M… in Verbindung setzen …
Und so lese ich aus der Zukunft heute meine Vergangenheit später, und des Nachts träume ich vom Tageswerk und beim Aufwachen denke ich, das kann doch nicht alles wahr sein, sei es erfunden, etwas freier nacherzählt, erlebt, geträumt oder längst vergessen:

Noch im Wasser, noch im Sand
klebt der Zucker was zusamm’n (sorry auch im Traum passt ja nicht immer alles auf den ersten Reim)

Verwelkte Blume, Gebrochener Stein
Das Haus der Heimat ist nicht fein

Ist die Stadt dann autofrei,
park ich den Tesla gebührenfrei

Das Butzenglas trübt doch die Sicht
Wo ist der Jordan in dieser Gischt

Wackel nur Caya, los der Leine
und bell dem Bürgermeister deine Reime

Am Sonntag bleibt die Kneipe zu.

Verfall und Untergang der Vowi

Wenn eines Tages vom Verfall und Untergang der Vowi gesprochen wird, könnten, ähnlich wie bei anderen großen Imperien, vier Gründe genannt werden, die alle berechtigt, aber nie umfassend dieses schreckliche Schauspiel einrahmen können.
(Vor dem nächsten Satz Luft anhalten und alles mit nach und nach spannungsgeladener Intonation, mit kurzen, in der Stimmhöhe nach oben gehendem Staccato, wiederum zum Schluss langsam und betont lesen oder sprechen.)
So wie der steuerlich absetzbare Ausschankverlust einem Rinnsal gleich aus einem kaputten Zapfhahn tröpfelt und das Fundament untergräbt, damit Einstürze verursacht, die Kosten ergeben, die eines Tages nicht mehr beglichen werden können, weil alles, aber auch alles, vertröpfelt, verschüttet und vergossen ist.

Hast’n gefunden?
Bei den Männern landen die Tropfen, da ja kein Papier neben den Pissoirs liegt, in der Unterhose und auf dem Boden. Vor lauter evolutionärer Gebietsmarkierungen verklärt sich der Geruch zu der bekannten spätnächtlichen Dekadenz, von der ein mittlerweile vergessener Politiker vor langer Zeit sprach. Dies ist der erste Ansatz. Es stinkt zum Himmel. Alle rümpfen die Nase. Nur keiner wischt’s weg. Vielleicht hätte auch hier ein Putzroboter geholfen. Ein Kamerad für den Wirt.

Überbringer der Nachricht
Als die Katastrophe, die zum Verfall und Untergang führte, in der Vowi ausbrach, so der zweite Ansatz, floh der eine Teil panikartig in alle Richtungen, ohne zu wissen, dass überall längst die Seuche grassierte. Der andere Teil ergab sich in stiller Frömmelei dem bierseligen Suff, schunkelte zu abgeschmackten Liedern, in denen das Europa der Vowis und deren Herzenswärme ausgerechnet vom Prätorianer-Chor des feldmausgesichtigen Kommandanten besungen wurde. Ganz verrückt wurde es, als unser Latein mit griechischen Ausdrücken unterwandert wurde, wie Δ, Ο, αυγά, vibe, Diggah, αδερφός, γαμώτο, καταλαβαίνετε τι εννοώ, σπασμένο, ραπ για ράπερ, ανταγωνισμός, κλικ, Instagram, αναδημοσίευση, περιεχόμενο, ωραία, ηλικία, beats, παιδιά, 31 ετών, κύριος, οικογένεια , προσωπικότητα, ροή, ρέει.
Bald war keiner mehr da, der es buchstabieren konnte und einen Carola-Gutschein besaß, um diesen in der Vowi einlösen. Der Wirt, wenn er die Seuche überlebt hätte, wäre allein in der Welt. Schön allein.

Verlustangst transformiert
Wann es anfing, lässt ist nicht genau sagen. Wie das Alter nach und nach Besitz ergreift, man die Haare verliert und Falten sich manifestieren, so schlich sich etwas ein. Eine Transformation. Gleichzeitig verschoben sich die empfundene, erlebte und erzählte Zeit. Sie verdrängten das Bisherige das zum Mythos deklariert wird. „Good old music“ steht unter dem Namen einer Kneipe im Frankfurter Nordend. Damit werden keine Walzer, Operettenmelodien oder Obertonmusik aus Tuva gemeint sein, obwohl diese viel älter, als die hier verheissene und anhand des Kneipennamens benennbar ist. Eine achtzehnjährige Frau tat mir ernsthaft kund, dass sie kein besseres Lied kenne als „Sing mein Sachse sing“ und es, davon sei sie überzeugt, nie ein besseres geben werde. Vielleicht waren es die neuen Farben an den Wänden der Kneipe, die „Dächer von Paris“ und „Stille Eleganz“ hießen. Als auf einmal eine junge Frau am Tresen nicht laut, dennoch klar genug, dass wir es alle hörten, rülpste und ihre Freundin von der Toilette kommend, sich nicht im Spiegel ihres schönen Scheins vergewisserte, sondern den Reißverschluss ihres Hosenstalls ohne Diskretion schloss, verwischte, veränderte, verlor sich die Vowi in der Zeit. Schließlich bestellte einer, der nie etwas anderes als Binding getrunken hatte eine Coca-Cola. Der Wirt stellte ihm ein Pepsi hin und sprach das Koan: „Die einsame Cola macht den Wirt trunkener als den Gast“.

Drunter und drüber
Weil er den Hals nicht voll genug kriegen konnte von Sandwichmakern, Espressomaschinen mit Blockchain-Technologien und südkoreanischen Filmen mit philippinischen Untertiteln luchste er wie der feldmausgesichtige Kommandant der Prätorianer nach einem neuen Auto. Die Ladesäule dafür sollte direkt vor der Vowi stehen. Dazu benötige er Geld, viel Geld. In einem geheimen Bieterwettbewerb kaufte er das Tannenzapfl, den Prof. Helgoland und im Nordend ein nach einer unansehnlichen Stadt benanntes Kellerlokal unweit des Backstage. Schließlich griff er nach dem Cathering im Waldstadion und wollte aus der Vowi einen Sandwich-Laden machen. Nach zwei Tagen eines Sturmes der Entrüstung im Netz entlud sich die Wut in Wandschmierereien, Verwünschungen. Die Drohungen ließen nicht lange auf sich warten. Ein wütender Mob, digital ausgebrannt, zerschlug symbolisch eine 0 und eine 1, demolierte einen Sandwichmaker und sang auf Philippinisch „Auf die Fresse“. Es kam, wie es kommen musste. Der Wirt befehligte seine hochgezüchtete Armee aus dem Keller, verband sich mit dem Euch bekannten, dauergrinsenden Kommandanten und ein Bürgerkrieg entbrannte. Mit selbstgebauten Erbsenpistolen aus Tic-Tac-Schachteln und Radlerpisttis wurden Anschläge und kaputte Gläser gezählt. Der Kneipenkultur und dem Wirt bekam dies gar nicht. Allein ohne eine Cola blieb ihm Arbeit als Kloputzer in einem neuen Laden. Im Omikron.

Eigentlich wollte ich nur schreiben, dass heute am Sonntag zu ist.

Heute ist zu.

Heute am Sonntag ist die Kneipe zu.
Anstatt Euch zu überlegen, ob Ihr deswegen ins Kino geht,
um Euer popkulturelles Wissen zu erweitern, indem ihr Matrix 4 schaut, empfehle ich Euch drei Filme auf Arte.
Jetzt klicken natürlich schon die ersten weg, weil sie meinen, die Eintracht hat ja schon gespielt und Sky Arte noch nicht aufgekauft. Die Nächsten können sich ein Gähnen nicht unterdrücken, weil sie denken, Arte ist so langweilig wie eine leere Kneipe mit einem Wirt, der in der Küche verschwindet und man am Tresen ohne sein vergessenes Handy sitzt, um alkoholfreien Apfelwein von Rapps zu trinken. Die jetzt noch Übriggeblieben, die vielleicht bereit wären zu schauen, schlafen schon längst, weil sie morgen früh ihr Homeoffice zeitiger anfangen müssen.
Versuchen will ich es dennoch:

Szenen einer Ehe in der Langfassung:
quälend lange,
Selbstzerfleischung mit einhergehender Selbstdiagnose seiner selbst in Form der geführten Beziehung,
Meisterwerk von Ingmar Bergmann mit Liv Ullmann in der Hauptrolle, die ihre schauspielerischen Abgründe wie Pauspapier durchscheinen lässt
In der TV-Illustrierten würde ich schreiben: Beziehungsdrama oder was in den Fußnoten der Sternzeichen steht
https://www.arte.tv/de/videos/RC-021876/szenen-einer-ehe/

Vigil:
Krimi-Miniserie,
spannend, nicht aus der Luft gegriffen,
zeigt, was hinter und vor den Kulissen passiert,
im Original mit schönem schottischen Dialekt
In der TV-Illustrierten würde ich schreiben: Erfolgsserie aus GB, die vor der eindrucksvollen Küstenlandschaft Schottlands einen Mord auf einem Atom-U-Boot mit den traumatischen Erlebnissen der ermittelnden Kommissarin verknüpft
https://www.arte.tv/de/videos/096217-001-A/vigil-1-6/

Magical Mystery Tour:
Film nach Roman von Sven Regner der bekannt als Sänger von „Element of Crime“ ist und auch witzigen Podcast „Narzissen und Kakteen“ darüber gemacht hat,
eine Gruppe leicht bist sehr durchgeknallter Techno-DJs machen eine Tour durch Deutschland,
den Bandbus fährt ein liebevolles Monster namens Charlie, der mal einer von ihnen war, in der Klapse landete und seitdem kettenrauchend in einer Entziehungs-WG in Hamburg wohnt,
verrückt zu sein liegt im Auge des Betrachters oder – für Arte-Konsumenten liegt das auf der Hand – man meint es wie Foucault, der sagt, u.a. auch der „Wahnsinn“ ist ein gesellschaftliches Konstrukt, welches man kennen, einordnen und dechiffrieren kann.
In der TV-Illustrierten würde ich schreiben: unterhaltsamer Roadmovie mit vielen verschrobenen, aber liebenswerten Charakteren, führt uns in die Nuller Jahre nach Hamburg, Berlin und den Rest der Republik
Nicht mehr in der Arte-Mediathek vorhanden. Müsst Ihr Euch in der Stadtbibliothek ausleihen oder streamen bei Amazon oder Sky
Trailer: https://youtu.be/jrLpKfV7dag