Kategorie: Musik

Operette, Schlager und Volksmusik kommt hier nicht als Thema vor

Petite Cuisine, 16.06.22

Möbliertes Lied
Einstürzende Neubauten, Alles in Allem, 2020

Ich hab unser Lied frisch renoviert
Die Wände verputzt
Einen neuen Ton ausprobiert
Ich hab die Strophen abgezogen
Einen Wandschrank als letzte Zuflucht präpariert
Einen Durchbruch nach draußen geschlagen
Eine Öffnung ins Freie initiiert

Die verbrauchten Metaphern hab ich im Giftmüll entsorgt
Mit neuen unbenutzten ausreichend vorgesorgt
In der Makulatur hab ich die richtigen Zeilen gesucht
Dazwischen alle Lügen vor- und rückwärts abgekratzt und verflucht
Den Hergottswinkel leer geträumt
Offene Reite, nichts von eilig
Um Himmelswillen keinen Gott

Ich hab unser Lied neue möbliert
Ein paar Sitzgelegenheiten aus den 60ern aufgepolstert restauriert
Ein großes Bett ist neue bezogen
Frei schwebend installiert

Wir werden auf der Dachterasse warten
Abholung garantiert
Unsere Tochter wird hier wohnen
Gut mit, gut ohne uns
Was immer sie an Neuem findet
Was sie herbringt
Um Himmelswillen keinen Gott

Ostern ist offen.

Ostern ist offen.
Karfreitag ab 17.00, Karsamstag ab 15.00, Ostersonntag ab 15.00, Ostermontag ab 17.00

Im Gegensatz zur Downing Street kann hier immer, auch karfreitags, getrunken werden.
Mary Elizabeth „Liz“ Truss, die fast zehn Jahre jünger als ich ist, hat nicht u.a. den Geburtstag ihres Chefs mitgefeiert, weil sie nie da war. Unterwegs für ihn.
Patricia Lee „Patti“ Smith, die zwanzig Jahre älter als ich ist, hat sich vor 44 Jahren mit einer Osterbotschaft geäußert.
Weder ihr Schirm noch all das, was Mary Elizabeth „Liz“ Truss in ihrer Tasche mitführen kann, würde helfen, Patricia Lee „Patti“ Smiths österliches Gedankengut abzuhalten, wegzuwischen, aufzufangen.
Ein Ring am Ringfinger der linken Hand bei beiden Frauen scheint mir die einzige Gemeinsamkeit rein äußerlich zu sein. All das, was beim Foto der Schallplattenhülle von Patricia Lee „Patti“ Smith mehrdeutig ihre Sexualität anspricht, wirkt bei Mary Elizabeth „Liz“ Truss, strengstens geschützt, überdimensional in Szene gesetzt als besonders wichtig, gemeint staatsmännisch, dennoch sehr weiblich. Die englische Schriftstellerin Hillary Mantel, die drei dicke Romane über Aufstieg und Fall des Staatsmannes Oliver Cromwell (Mittelalter in England, Heinrich der 8., der mit den vielen Frauen) geschrieben hat, bezeichnete diese zur Schau getragenen Taschen als rotierenden weiblichen Außenbordmotor eines bestimmten Körperteils.
Platz lassend für den PS-starken Motor der Mary Elizabeth „Liz“ Truss schaute ich voller Passion auf Patricia Lee „Patti“ Smith und verschwand in die Küche, um was zu kochen. Kein Fisch. Grüne Soße, wenigstens aus Deutschland, französische Kartoffeln, Schweineschnitzel aus dem Vogelsberg und Eier hatte ich unterwegs vom Osterhasen. Er war himmlische Erscheinungen schauend in einer Stadt mit drei z. Und von heute an reden wir über das Gründonnerstags-Wunder. Ab 17.00.

Petite Cuisine, 22.04.21

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Samstag, 08. Mai, 38. Vowi-Cuisine
Das Menü verschicke ich an die mir bekannten interessierten Feinschmecker bis zum Sonntag.
Bei Interesse bitte bei mir melden.
Samstag, 22. Mai, 2. Vowi-e-Quiz mit vorhergehender extra Petite Cuisine
Bei Interesse als Team mitzumachen, meldet Euch bitte bei mir. Der erste virtuelle Quiz mit Tonio und Markus hat technisch und inhaltlich sehr gut geklappt.

Noch was anderes.
Im Zusammenhang mit den letzten ganz aktuellen Demonstrationen in Russland und Algerien für Menschen-und Grundrechte habe ich noch drei Lieder mit inhaltlich sehr starken Videos aufzuzeigen.
Die beiden russischen Band (Shortparis und Kasta) hatte ich bereits erwähnt.

Shortparis lassen sich schwer verorten. Sie spielen mit Identitäten und Zuschreibungen.
KoKoKo / Cтруктуры не выходят на улицы
Frei übersetzt „Kikeriki / Strukturen gehen nicht demonstrieren

Kasta gibt allen Demonstranten, die aktuell in Russland oder in Belarus demonstrieren, um dafür geprügelt und zu Straflager verurteilt werden, einen zärtlichen Gruß.
Kasta:
Каста — Выходи гулять
übersetzt „ Komm spazieren!“

Die algerische Rapperin hat die Motive für die jetzt wieder freitags stattfindende Demos in Algerien mittels eines simplen Telefonates zusammengefasst. Ihr Video hat mehr als 66 Millionen Klicks.
Raja Meziane – Allo le Système!
رجاء مزيان مرحبًا بالنظام!

Der hat’s erfunden.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=0lPQb7aVdvw?start=4]

Der hat’s erfunden.
Der macht keinen falsche Ton. Sound, Spielweise, Technik, Stilistik, Coolness, Darstellung, Stilistik. Ganz viel Blues. Und dazu konnte er noch ganz nebenbei singen.
Der spielt Gitarre, als ob er eine Schatztruhe ausschüttet, alle glitzernden Steine ordnet, sie ins Licht hält, um sie einzeln einem jeden Umherstehenden zuzuwerfen, um letztendlich die Truhe zu schließen.

Der spiegelt die Gefühlslage, vor allem der damals 15-35jährigen,
in Politik
(soziale Ungleichheit, Napalmbomben im Vietnamkrieg, Kalter Krieg, Eimarsch der Roten Armee in die CSSR),
in Körperlichkeit
(Benennung der eigenen Sexualität und deren Darstellung)
und
in Eigensinn
(Suche nach sozialen Nischen, Individualisierung, esoterische Einbahnstraßen, Waffengewalt, Marsch durch die Institutionen)
wider.

Gestern am 18.09.1970 ist er in London gestorben.

Hippe News

Eigentlich hatte ich etwas anderes geplant. Das kommt später.
Am Samstag machen wir erst gegen 23.00 Uhr auf. Bis dahin ist Vowi-Cuisine.
Das nächste Quiz in der Kneipe soll im Juli stattfinden.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=8Etu7ajixNE]

Anachronismus

Anachronismus

Als ich letztens (eigentlich vor fünf Jahren, aber dies spielt überhaupt keine Rolle) einen Gast fragte, was da gerade für Musik läuft, zuckte er die Schultern: „Keine Ahnung!“. Ich wollte helfen, indem ich herumhüpfte und dabei wilde Armbewegungen machte. Schließlich versuchte ich, auf einem Bein zu stehen und hielt eine imaginäre Querflöte an den Mund. Er blieb dabei: „Keine Ahnung!“

Ich gab auf, nannte den Namen der Band und erwartete spätestens jetzt eine positive Resonanz oder wenigstens eine musikpolitisch begründete Ablehnung. Leider kam wieder nichts. Mein Gegenüber kannte Jethro Tull nicht und hatte darüber hinaus noch nie etwas gehört. Und hier wurde mir klar, dass ich älter bin als mein Gesprächspartner und dass vor zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren dies nicht passiert wäre.
Und wie Recht ich hatte, bestätigte mir indirekt Nina Hagen, die 1979 noch mit ihrer Band, die später Spliff wurde, im Lied „Auf’m Rummel“ folgendes sang „…die band brachte grad nen jethro tull hit…“. Was 1979 eine Beschreibung eines langweiligen Tages war mit Musik, die alle kannten und alle hörten und worauf die Ich-Erzählerin keine Lust mehr hat, ist 33 Jahre später nur noch Geschichte, bei der man froh sein kann, wenn sie überhaupt noch jemand kennt,
Der Anachronismus von Jethro Tull, mit dem sie seit über vierzig Jahren kokettieren, hatte mich eingeholt. Der Kontext bzw. die Optik der Band war ein Konstrukt, fast immer im Blick zurück, und jetzt war ich plötzlich selber Teil eines Zusammenhangs, den man früher wohl kannte, welcher aber heute keine Rolle mehr spielt – noch schlimmer, der langsam zu vergessen droht:
Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.

 

 

Der 75. Geburtstag von Frank Zappa

Heute wäre Frank Zappa 75 Jahre geworden. Ein Beispiel für seine extreme musikalische Vielfältigkeit, die handwerklich perfekt und virtuos auf der Bühne umgesetzt wurde, ist ein Konzertfilm von 1973, der jetzt veröffentlicht wurde.
Roxy The Movie
Die Musiker montieren und demontieren die eigenwilligen Kompositionen Zappas. Dabei sind sie und ganz besonders er so lässig bei der Arbeit, dass die höchsten Ansprüche ihrer Könnerschaft ganz unprätentiös rüberkommen. Nebenbei glänzt Zappa als Gitarrist: Als ob er einen Haufen Sand siebt, um ihn dann neu auf einen Haufen zu schippen. Nicht zu vergessen sind die Texte der Lieder. Sie sind naturalistisch im wahrsten Sinn des Wortes.