Kategorie: Vowi

Alles, was mit der Vowi zu tun hat und manchmal gibt es auch keinen Zusammenhang

An Tagen wie diesen

Da kommt einer, wie an diesem Tag, nach Mitternacht in die Vowi. Er will in Ruhe trinken, aber es ist ihm zu laut. Trotzdem, da kein Fußball am Tage lief, ist die Luft fußballgeschwängert. Die vollkommen unerwartete Niederlage liegt nur zwei Tage zurück und schlägt immer noch auf den Magen und das Gemüt. Unser Gast ist schlecht gelaunt. Er ist genervt, und jetzt noch der Krach in seiner Stammkneipe. Zuerst regt er sich über den auf dem Tresen liegenden Fahrradhelm auf. Ein Tresen sei keine Hutablage, wenn das alle so machen würden. Der Wirt geht nicht weiter darauf ein. Nachdem ein zweiter Versuch, den Tresen als falsche Hutablage zu diskreditieren, scheitert, konzentriert sich unser Gast auf die anwesenden lautstarken und schon tüchtig angetrunkenen Gäste und poltert los. Diese hätten immer nur Fußball im Kopf, auch wenn kein Fußball läuft, und überhaupt würde dies auf eine Beschränkung hinweisen, denn diese hätte ja nichts anderes -in ihrem Kopf- und schließlich würden sie sich noch eigenes Bier in die Kneipe mitbringen, was er sich nie erlauben würde. Der Wirt antwortet, dass dies eine Fußballkneipe sei, dass er auch in eine andere Kneipe gehen könne, wo es ruhiger sei, dass der Gast die Gäste nicht kennen würde und ihnen deshalb auch nichts vorschreiben solle, und dass diese Gäste ihr mitgebrachtes Bier nur vor und nicht in der Kneipe getrunken hätten und gegen gutes Geld reichlich trinken würden. Und so geht es noch ein paar Mal hin und her. Nun ist auch der Wirt genervt, weil unser Gast sich nicht selten genauso benimmt wie die anwesenden lautstarken und schon tüchtig angetrunkenen Gäste, was in einer Kneipe alltäglich ist. Weiter kann ich ich hier nicht berichten, da es bald die Dimension eines zeitgenössischen Dostojewski-Romans annehmen würde.

Gestellte Emotionen zementieren

Das Verhalten einiger im Fußballstadion und ebenso viele Äußerungen zum Fußball in der Vowi lassen mich manchmal verzweifeln. Wobei inhaltlich gesehen Quatsch, Blödsinn, Unkenntnis, Beleidigung, Rassismus, Homophobie auf der einen Seite und Quatsch, Verballhornung, Sachkenntnis, Emotion, Loyalität, Tradition auf der anderen Seite nicht selten fließend sind.
Und dennoch muss es Grenzen geben. Verunglimpfungen über die Hautfarbe von Jerome Boateng gehen nicht. Fan der deutschen Nationalmannschaft zu sein, heißt nicht, gleichzeitig für den Krieg in Afghanistan verantwortlich zu sein. Genauso ist man nicht verantwortlich als Fan von Irland für die Hungersnöte 1845-49 dort. Für Frankreich zu jubeln heißt nicht, die Machenschaften des französischen Ölkonzerns Total in Südwestafrika zu unterstützen.
Und so könnte die Reihe noch lang weitergezählt werden. Letztendlich bleibt hier in der Konsequenz nur übrig, jeglichen Nationalismus (eben auch beim Fußball) abzulehnen und sich nur kleinsten Identitäten anzuschließen.
Dennoch soll man sich interessieren für den Krieg in Afghanistan, für die Geschichte Irlands und beispielsweise, unter welchen Bedingungen Öl in Afrika gefördert wird.
Und schließlich, wie viel Adidas an einem Deutschlandtrikot verdient und wie viel die Näherin in Pakistan. Für den offiziellen EM-Ball -Tango blablabla- gilt das Gleiche.
Emotionen? Na klar!
Gestellte Emotionen? Nein!
Zementierte Rituale? Braucht keiner!

Beim Fotografieren haben wir ein wenig geübt für die EM und uns dabei an manches Spiel unseres geliebten Heimatvereines erinnert und natürlich die Fußballzeitschrift 11 Freunde als Anschauungsmaterial verwendet. Heraus gekommen sind dabei ein paar gestellte Emotionen.

Die Vowi ist geöffnet: die EM kann beginnen und tippen könnt ihr auch!
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Zone

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Die Optik des CDU-Kandidaten im Wahlkampf für das Bürgermeisteramt in Frankfurt vermittelte Kraft, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit in Sanftmut gerührt. Was auf mich bieder und langweilig wirkte, ließ die Herzen seiner Wähler höher schlagen.
Er verlor die Wahl, blieb aber hessischer Innenminister und konnte dann, unter schweigender Duldsamkeit der in Frankfurt mitregierenden Bündnis 90/Grünen, zeigen, wie tausende Polizisten im Mai aus der Frankfurter Innenstadt eine „Zone“ machten. In dieser „Zone“ musste jeder damit rechnen, einen Platzverweis von 1-5 Tagen zu bekommen. Auch wenn er in der „Zone“ wohnte oder arbeitete, konnte er einen Platzverweis erhalten. Wie Ninjakämpfer aussehende Polizisten sicherten die „Zone“ und die „Zonen“-Grenze, in der übrigens die Vowi lag, die auch von einem Polizeiwagen ein paar Stunden gesichert wurde. Das rechtlich erwirkte Demonstrationsverbot gegen das Occupied-Bündnis wurde durchgesetzt.
Auch bei allem Bemühen, das Demonstrationsverbot zu verstehen, welches anlässlich einer wenige Wochen vorher stattfindenden Demonstration erlassen wurde, bei der viele Schaufenster am Rande der Demonstration kaputtgingen, die Polizei Demonstranten einkesselte und schließlich aus dem Block der Demonstranten Brennbares auf Polizisten geworfen und ein Polizist angegriffen wurde, war die einhellige Meinung am Tresen in der Vowi, die auch mich überzeugte, dass das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit mit zu den höchsten Gütern unserer Verfassung gehört und es nicht mit Verboten geahndet werden sollte.
Das Ziel der Demonstranten, die Stadt bzw. ihre Banken lahmzulegen, schaffte die Polizei, indem die Banken ihren Mitarbeitern frei gab, sie von zu Hause arbeiten sollten oder sich entsprechend unauffällig gekleidet durch das Bankenviertel bewegen sollten. Die städtischen und/oder die hessischen Behörden suggerierten eine Art Bürgerkrieg (man erwägte die Schließung der Schulen), dem nur mit ganz viel durchgreifender Polizeigewalt und dem in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkten Frankfurter entgegen getreten werden konnte.

Gefährliche Vulven

Komischerweise wird über die Zuschreibungen von Männer- und Frauenrollen bzw. -klischees in der Vowi selten gesprochen. Nur sehr wenige Vertreter/innen beider Geschlechter thematisieren dies, und wenn es doch in größeren allgemeineren Zusammenhängen besprochen wird, ist es für meine Ohren klassisch geprägt: Männer machen das und Frauen tun dies, weil sie es durch ihre Biologie nicht anders können.
Nur die regelmäßige Lektüre der Aufklärungsseiten der „Bravo“, welche die Vowi abonniert hat und die späte Stunde nach Mitternacht, welche die Zunge lockert, ließ universale Monsterthesen gebären:
Die Vulva verschlingt bzw. die Vulven verschlingen uns (gemeint sind Männer) oder auch: Wir (wieder sind die Männer gemeint) leben in einem weiblichen Pornofilm, allerdings ohne wirklich mitzuspielen.

„…einen monatlichen Umsatz von nicht viel mehr als vier Tonnen Bier.“

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Uwe Johnson der große deutsch-(deutsche) Schriftsteller, der leider viel zu früh, wohl auch am Suff, 1984 verstarb, hatte zu Beginn der 60er Jahre vor, einen Roman über Fluchthelfer aus Westberlin zu schreiben. Diese hier organisierten die Flucht aus der DDR ohne kommerzielle Ziele. Sie hatten ausschließlich politische Gründe. Uwe Johnson interviewte für sein Projekt einige der Fluchthelfer, verfolgte aber den Roman nicht weiter. Glücklicherweise sind zwei Interviews und ein Stück Prosa erhalten geblieben und jetzt als Buch
Uwe Johnson, Ich wollte keine Frage ausgelassen haben. Gespräche mit Fluchthelfern.
Berlin 2010
– erschienen.
In diesem Prosafragment, daß in einer Westberliner Kneipe spielt, fand ich folgende Passagen, die mich schon ein wenig an die Vowi erinnerten:

„Zu der zimmerbreiten, hallenhohen Höhle, die schon in der Dämmerung wie ein bürgerlicher Wohnraum ausgeleuchtet war, hielt eine Skatclique und anderer Stamm, der seit dem Krieg an die Wirtsleute gewöhnt war, da wurde über die Straße verkauft an Ehefrauen, die den Mann zu Hause halten wollten, mochte er dabei trinken, da kamen nach Ende der Kinovorstellungen, der Fernsehprogramme Paare ohne Durst und andere Laufkundschaft von der Bushaltestelle, dem diesseitigen Aufgang der Untergrundbahn, und schafften alle einen monatlichen Umsatz von nicht viel mehr als vier Tonnen Bier.

Bis in den späten Nachmittag war die Wirtin, eine junge Person, meist allein mit dem näselnden Ton des Wasserüberlaufs, den acht viersitzigen Tischen, der Stammecke, der altertümlich verzinkten Theke, den Flaschen in dem fichtenen, auf altdeutsch zugesprochenen Regal…

Gegen die Wasserflecke, die graugelbe Schmutzfärbung im Stuckfries unter der zweimannshohen Decke, im Lampenmedallion konnte sie kein Geld aufwenden, die Stühle mußten so schäbig bleiben, und überdies war der Stamm der Gäste empfindlich gegen allzu zeitgemäße Neuerungen, so daß die Buntdrucke mit gebirgigen und Birkenwaldansichten unter den rosa beschirmten Lämpchen an den Wänden weiterhin den versonnensten Blicken ausgesetzt bleiben…“

1965
Uwe Johnson, Eine Kneipe geht verloren., S. 203-234
in Uwe Johnson, Ich wollte keine Frage ausgelassen haben. Gespräche mit Fluchthelfern.
Berlin 2010
Original-Interviews von Uwe Johnson
 

Herr Regierungsdirektor

Was macht der Referent für Haushalts-, Verwaltungs- und Organisationsangelegenheiten im Verteidigungsministerium, Referat Akademische Bildung? Als studierter Kriminologe mit dem Rang des Regierungsdirektors wollte er eigentlich einmal Gefängnisdirektor werden.
Er muss die Haushalte der beiden Universitäten des Verteidigungsministeriums administrieren. Er muss auf das zeitgerechte Erstellen der Haushaltsvorschläge achten. Er muss den Haushaltsvollzug überwachen und ist zuständig für die Stellenwirtschaft. Schließlich muss noch der Mittelabfluss koordiniert werden.

Am Abend und in den Morgenstunden hat er Zeit, die Piratenpartei zu leiten, denn er ist ihr Vorsitzender: Bernd Schlömer.

FAZ, 30.05.12, S. 3

Neues Vowi-Tippspiel zur Fußball EM 2012

Es gibt ein neues Online-Tippspiel zur EM 2012 (und auch für alle folgenden Bundesligasaisons, EMs und WMs). Die Punkte-Vergabe und der Einsatz bleiben. Darüber hinaus wird es Bonusfragen geben. Es ist freigeschaltet. Ihr müßt Euch neu registrieren. Der Rest ist selbsterklärend.
Wie gehabt ist der Link auf der Vowi-Blog-Seite rechts oben in der sidebar unter extern zu finden
oder hier:
Vowi-Tipp-EM 2012

Das Foto ist übrigens nicht gestellt und wurde in der Heimat des -noch- 4. Liga-Vereins festgehalten.
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