Kategorie: Vowi

Alles, was mit der Vowi zu tun hat und manchmal gibt es auch keinen Zusammenhang

Psychosenjahr

Wenn ich mächtig und voller Geist mit Sprache umgehen könnte, wie Schiller oder Goethe im Balladenjahr 1797, würde ich nicht das tägliche vorbeischlurfende Leid vor der Vowi in Versform bringen. Das Leid versteckt sich hinter irgendwelchen Psychosen, die einen sprach- und ratlos oder vollgespuckt zurücklassen. Schlürfend oder guttural vorgetragene Litaneien, Anschuldigungen, (für uns) Verwirrtes und immer aggressiveres Verhalten mit der ewigen Frage nach Geld und Zigaretten.

Nordend-Psychose nach der Arbeit: Ich sehe mich, wobei ich zeitgleich in einem Restaurant auf einen gedeckten Tisch schaue, vor meinem Roller mit einem fliegenden, zusammengerollten Teppich?

Daneben gibt es die regulierten Abläufe der Dämmerungspatienten, welche zwischen Kiosken und den in der Nachbarschaft befindlichen Miniparks auf und ab tauchen aus ihren Randexistenzen. Auch sie trägt ein Verlangen nach Leben, anders als die Norm. Hier gibt die Öffnungszeiten der Kioske den Takt vor. Das erste Bier gegen acht, das letzte nach Mitternacht.
Dazwischen existiert die Kneipe mit ihren Gästen oder die Gäste dieser Kneipe.
Das Abgrenzen von den Psychosen und den Randexistenzen klappt mal mehr mal weniger. Im Sommer, wenn die Tische brav mit einem Meter Abstand von den Radbügeln stehen, bleibt genügend Platz für all das, was man auch mit viel Bier sich nicht schön trinken kann.

Die Theorie eines genehmigten Sommergartens 2022

Bei allem Verständnis für die Probleme der anderen, dem Eingeständnis eigener Probleme, Sorgen über soziale Probleme besonders der Gentrifizierung des Stadtteils und im angelesenen Wissen, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, gebe ich kein Geld mehr. Mein Geld hilft hier nicht. Ich kaufe mich damit für den Abend frei. Und am nächsten Tag erfolgt gleiche Frage nach einem Zwickel.
Wenn ich mächtig und voller Geist mit Sprache umgehen könnte, wie Schiller oder Goethe im Balladenjahr 1797, würde ich vielleicht von anderen erzählen, beispielsweise der Band „Shortparis“. Diese versuchen aus dem fernen Sankt Petersburg, da wo in der Nähe die Turbine hin soll, der Realität vor ihrer Haustüre zu entkommen, der Realität vor ihrer Haustüre etwas zu entgegnen. Vorsicht bei „Falschnachrichten“ über die Russische Armee. Mit bis zu 15 Jahren Haft können diese bestraft werden.

Shortparis – Гетто в озере «Зов озера» pt. I

Shortparis – О, как хотела мама «Зов озера» pt. II

Sonntags

Heute am Sonntag (24.07.), am letzten Tag der Tour de France, ist zwischen 15.00-21.00 geöffnet.

Ausnahmsweise ist diese Woche montags die Petite Cuisine, weil wir am Dienstag einer Londoner Band im Stadtwald lauschen und ein gebürtiger Frankfurter hinterm Tresen genug zu tun haben wird.

Die nächste Cuisine du Dimanche
(Fab bereitet ein einfaches sonntägliches Menü zu)
findet heute in einer Woche am letzten Sonntag (31.07.) im Juli zwischen 11.30-15.00 statt.

Petite Cuisine, 19.07.22

WER ALLEIN IST
(Gottfried Benn)

Wer allein ist, ist auch im Geheimnis,
immer steht er in der Bilder Flut,
ihrer Zeugung, ihrer Keimnis,
selbst die Schatten tragen ihre Glut.

Trächtig ist er jeder Schichtung
denkerisch erfüllt und aufgespart,
mächtig ist er der Vernichtung
allem Menschlichen, das nährt und paart.

Ohne Rührung sieht er, wie die Erde
eine andere ward, als ihm begann,
nicht mehr Stirb und nicht mehr Werde:
formstill sieht ihn die Vollendung an.

Voll

Heute bleibt die Vowi zu.
Der Vollmond war zu laut.
Wir schauen deshalb, auf Apple TV die Serie „For All Mankind“. Kleine Lüge!
Der Holzboden wird geölt und muss trocknen.
Auf Nachfrage kann vor der Tür ein Bier getrunken werden.

Rumwurschteln als Handlungsmaxime

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Am 09.03. fragte ich mich als braver Bürger nach der oben stehenden Formel des wichtigsten deutschen Philosophen, der in einer Stadt wohnte und aus dieser nie herausgekommen ist und die heute zu Russland gehört, wie ich mich verhalten sollte.
Was kann ich tun? – im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.
Kann ich angewandt als Wirt einer Fußballkneipe weiterhin den Streamingdienst DAZN nutzen, wenn ich denke, dass mein und das Handeln besagten Streamingdienstes bzw. seines Eigentümers sich nicht an die oben geschriebene Formel hält.

Dazn, Oligarchen und Sanktionen

Ich hatte wenige Tage nach Beginn des Krieges die Berichte über Oligarchen
(Catherine Belton, Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste und
Karen Daisha, Putin’s Kleptocracy: Who Owns Russia?)
und ihre Reaktion zum Krieg in der Ukraine und in Russland mitbekommen. Mir fiel ein, dass der Streaming-Anbieter DAZN, dem ich monatlich nach London knapp € 250,- überweise, um die Bundesliga und nächste Saison die Eintracht in der Championsleague zu übertragen, einem in Odessa geborenen sehr, sehr reichen Besitzer mit Namen Leonard Blavatnik gehört. Im Netz bei Wikipedia fand ich schnell Information.

Er kontrolliert seine verschiedenen Einkommensquellen
u.a.
Lyondellbasell (Chemie)
UC RUSCAL (Aluminiumkonzern)
Deezer (Musikstream)
DAZN Group (Sportstream)
Warner Music Group (Major-Label)
(Quelle Wikipedia)
über die Firma Access Industries:
Vor allem die Aluminiumhütte in Russland und seine daraus resultierenden sehr guten Kontakte zu sanktionierten russischen Oligarchen machten mich aufmerksam.
Ich suchte weiter im Netz und fand vieles für mich nicht eindeutig. Deshalb schrieb ich, mit der Bitte um Hilfe, u.a. folgende Kompetenzzentren an:
Bundesregierung (Wirtschaftsministerium)
Bundeskartellamt (Staatliche Behörde)
DAZN (Streaming-Dienst)
Kicker (Zeitschrift)
11Freunde (Zeitschrift)
Decoder (Portal über Russland)
Deutschlandfunk (Öffentlicher Sender)
Frankfurter Allgemeine Zeitung (Zeitung)
Correctiv (Recherche)
Investigativ NDR (Recherche)
Frankfurter Rundschau (Zeitung)
Jüdische Allgemeine (Zeitung)
Süddeutsche Zeitung (Zeitung)
taz (Zeitung)
ARD (Öffentlicher Sender)
Spiegel (Zeitschrift)
Philipp Ther (Historiker)
Hajo Seppelt (Journalist)

Innerhalb weniger Minuten antwortete Philipp Ther, ein Historiker aus Wien. Er fände mein Ansinnen interessant und sinnvoll, nur könne er mir nicht direkt weiterhelfen. Er riet mir, den Journalisten und Russland-Experten Hajo Seppelt zu befragen. Tat ich. Dieser reagierte nicht.
Geantwortet haben mir recht schnell die Bundesbehörden. Sie seien dafür nicht zuständig.
Der Spiegel fand es interessant, aber wenn überhaupt zu einem späteren Zeitpunkt für gut.
Darüberhinaus gab es nichts.
Aber der Deutschlandfunk antwortete mir nach einiger Zeit, dass er dran sei und veröffentlichte einen Monat später diesen Beitrag:
https://www.deutschlandfunk.de/dazn-leonard-blavatnik-100.html

Und DAZN?
Auch hier gab es eine schnelle Antwort. Sehr schnell. Nicht konkret auf meine Frage zu Verbindungen ihres Besitzers zu sanktionierten russischen Oligarchen, sondern allgemein:
„Hello Karsten,
I would be glad to help you with your concern.
DAZN condemns Russian despot Putin for launching a war of aggression. DAZN and Leonard Blavatnik (born in Odessa, Ukraine) stand behind the Ukrainian people.
I would be more than happy to take your request and pass it on.
You may follow us on Twitter and Facebook in order to stay up to date!“

So zahle ich weiterhin an DAZN, zeige Fußball mit aufgemalten Peace-Zeichen auf dem Rasen, denke über die Aluminiumhütten (in Russland und die aktuell nicht arbeitenden in der südlichen Ukraine) und was man so alles aus Aluminium machen kann, des Leonard Blavatnik nach.
Und bei der Metro hole ich weiterhin Pommes im Wissen, dass ein großer Teil des Umsatzes der Metrogruppe in Russland gemacht wird.
Mein Halbwissen hilft nicht weiter, um mein Handeln auszurichten.
Ich wurschtle, also zapf’ ich.
Die Fussball-WM in Katar ist das nächste moralische Problem, was sich auf den wirtschaftlichen Erfolg der Eckkneipe niederschlagen würde, wenn ich sie nicht zeige.
Mindestens nachzudenken ist erste Eck-Kneipen-Pflicht im täglichen rumwurschteln.

Erfolgsmeldung

Eine Erfolgsmeldung

Ausgangsmitteilung, nachdem ich den jährlich neu zu beantragenden Sommergarten bei der Stadt beantragt habe, so wie er seit 1997 mit Veränderungen in 2016 existiert.

Sehr geehrter…,
wir haben eine Mitteilung „einer städtischen Behörde“ bekommen, dass sich zwischenzeitlich in den beiden Außenflächen der Außengastronomie Fahrradbügel befinden.
Demzufolge kann Ihnen diese Fläche für Außengastronomie nicht mehr zur Verfügung gestellt werden.
Gerne geben wir Ihnen hiermit bis zum 06.07.2022 die Möglichkeit sich zu diesem Sachverhalt zu äußern.
Eine Sondernutzungserlaubnis für die restlichen Flächen werden weiterhin bewilligt.
Für Fragen sind wir gerne zu den unten genannten telefonischen Sprechzeiten zu erreichen.
….

Hallo…,
zwar hatte… auf Nachfrage mir die Nichtvereinbarkeit meiner Tische mit den Radbügeln am Telefon erklärt, dennoch würde ich Ihnen gerne meinen Standpunkt noch einmal darlegen.

Seit mehreren Jahren haben Radbügel samt Räder und angrenzende Tische meines Sommergartens gut nebeneinander existiert. Dort standen sehr oft die Räder meiner Gäste, die sich dann genau an die Tische, welche sich daneben befanden, setzten.
Möglicherweise sind die Radbügel sogar auf mein Ansinnen aufgestellt worden. Vor Jahren hatte ich auf einer Seite der Stadt Ffm im Netz, wo man entsprechende Vorschläge machen konnte, diese aufgelistet.
Der Stadtpolizei ist das Nebeneinander in den letzen Jahren nie aufgefallen. Gerade in Corona-Zeiten bin ich darauf angewiesen, meinen Gästen außerhalb meines Gastraumes Platz zu bieten, und leider sind diese Zeiten noch nicht vorüber. Und leider scheint Corona und das daraus resultierende Miteinander für einen Angestellten des Ordnungsamtes kein Thema zu sein. Wie auch, ich erwähnte es und auf dem Foto des Angestellten des Ordnungsamtes ist es gut sichtbar, dass vor einem Bügel wohl aus Versehen stehen gelassene Verkehrsschild mit seinem Ständer schlicht und einfach im Weg steht, wenn ich es nicht zu Seite geschoben hätte.
Und schließlich ist es für mich kaum zu kommunizieren, wenn ich meinen im Rollstuhl sitzenden oder mit Kinderwägen verweilenden Gästen, verwehre, draußen Platz zu nehmen, mit dem Argument, dass für sie Teile meines Sommergartens nicht vorgesehen sind. Sie also nicht ihre Kinderwägen neben die Radbügel stellen dürfen, da sonst sie selbst an ihre E-Lastenrad nicht rankommen. Nur ist so ein Rad so breit und so groß, dass es den vom Hessischen Wirtschaftsministerium vorgesehenen Platz für einen einzelnen stehenden Radbügel, ganz zu schweigen von nebeneinander stehenden Bügeln von 1,60 Quadratmetern klar übersteigt (Broschüre, S. 25). Auf dem Foto der Stadtpolizei ist dies im Hintergrund oben rechts gut sichtbar.
Für wen setzt sich der Angestellte des Ordnungsamtes mit seinem Hinweis an Sie, mir die jahrelang neben den Radbügeln stehenden Tische zu verwehren, ein? In erster Linie hat dieser Hinweis ein rein formales Ansinnen, der sich nicht für ein Nebeneinander von Radfahrern, wie mich, den jungen Familien mit Kinderwagen und Rollifahrerinnen aus der Nachbarschaft und meinen zu Fuß kommenden Gästen, die sehr gerne draußen anstatt drinnen verweilen, interessiert. Die durch Corona bedingten mehrere Monaten dauernden Schließzeiten meiner Kneipe, die strengen Auflagen, um wieder öffnen zu können, die aktuellen Warnungen beispielsweise unseres Gesundheitsministers sind der Stadtpolizistin keine Rede wert.
Sie hätte dieses ihr so wichtige formale und alles überstrahlendes Ansinnen auf einen Hinweis beschränken können. Die Aufforderung, etwas Abstand zu lassen, vielleicht 80, 90 cm, hätte die Stadtpolizistin an Sie weiterleiten können oder mir als Wirt bzw. meiner Kollegin einfach bei Ihrer Begehung sagen können. Ihr Amt hat die Sonderreglung als Unterstützung für die Außengastronomie, die aktuell bis zum 31. Oktober gelten, herausgegeben.
Ist es so schwer, frage ich mich, diese Sonderregel zu meiner Unterstützung anzuwenden? Vielmehr als mich sehr über den städtischen Angestellten des Ordnungsamtes zu ärgern und Ihnen dies diplomatisch darzustellen, anstatt mich bedingt durch den Krieg, Corona und Klimaveränderung resultierenden wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen, die mich durchaus betreffen, auseinander zu setzen, bleibt mir nicht. Wenn ich dies radebrechend versuchen würde, den Frauen aus einem Land im Krieg, die zurzeit in meiner Wirte-Wohnung verweilen, zu erklären, würde dies wohl ungläubiges Staunen hinterlassen, was in Deutschland möglich bzw. nicht möglich ist. Im Vergleich zu den Problemen der Frauen sind meine Probleme so klein, wie der von der Stadtpolizistin monierte Abstand zwischen Radbügel und meinen Tischen.
Ich würde Sie bitten, Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und stehe Ihnen dafür auch gerne persönlich im Amt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
….

Das angemailte Amt der Stadt antworte mit der Genehmigung des Sommergartens, nun doch mit den beiden Tischen neben den Radbügeln im Abstand von einem Meter.