Kategorie: Musik

Operette, Schlager und Volksmusik kommt hier nicht als Thema vor

Sonntag, 16. Februar 2003

Im Gästebuch gibt es eine kleine Kontroverse zwischen Eddie und Karsten über den Irak-Streit und seine Begleiterscheinungen.

Zum Premiere-Mail von letzter Woche gibt es bis heute noch keine Anwort. Mal sehen – wenn nichts kommt, wird nachgelegt. Danke an Niko für die Verteidigung! Natürlich geht es bei aller Polemik, um Fakten und da könnte ich noch folgendes aufzählen: Zum Beispiel bekommen wir immer ein langes Programm, was extra alle Sportsendungen anzeigt. Das volle TV-Programm dagegen bekommen wir nicht mehr. Wiederum steht in dem uns zugeschickten Programm nicht drinne, was das 2. Liga-Topspiel am Sonntag ist. Auch auf der unübersichtlichen und langsamen Internet-Seiten von Premiere habe ich das Topspiel der 2. Liga für nächsten Sonntag nicht gefunden. (Vielleicht bin aber auch zu blöd.) Des weiteren ist die Bildqualität nach, wie vor schlecht. Bis vor kurzem war es noch so, daß Handys, welche in der Nähe des Decoders genutzt wurden, den Empfang empfindlich störten. Die diversen Hotlines (Technik, Programm usw.) sind ständig besetzt. Und außer Marcel Reif ist keiner der Sportjournalisten auf hohen Niveau – ganz besonders Monika Nierhaus nicht.

Aber das wichtigste der letzten Woche waren zwei Ereignisse, die es würdig sind, erwähnt zu werden:

Bedingt durch den Vollmond am Wochenende -so könnte man vermuten- passierte etwas, was in der Vowi nur selten vorgekommen ist. In aller Einfachheit oder Betrunkenheit oder Lässig- und Süßigkeit gab es ein (oder sogar) noch eines mehr an moralischen Angeboten. Die Akteure waren aber nicht geschniegelte Prototypen und entsprachen ebenfalls nicht, den normalerweise ihnen zugedachten Rollen. Ein wenig wurde laviert auf der einen Seite – dagegen gehalten wurde auf der anderen Seite, den ein Grund muß kein Hindernis sein. Wie es ausgeht, weiß ich nicht. Grüße an K. und M.!

Maik hat die Vowi fürs erste verlassen und arbeitet nun in Paris daran -hoffentlich bald- ein Baby zu bekommen, was dann schon möglicherweise die Deutsch-Französischen Staatsbürgerschaft besitzt.

Maik mit Armin an der Tresenfront

Von Anfang an war er dabei. Mittlerweile war er der letzte der Helden, die die ersten bis aktuellsten Runden der Vowi-Achterbahn miterlebten: spannende Auflaufe gab es, interessante Frauen stellte er uns vor oder lernte er hier kennen, wohl fast alle Schnäpse der Vowi hat er ausprobiert, Schmalzbrot-Diskussionen fanden statt, über fast alles wurde geredet oder auch geschwiegen. Und unter optischen Aspekt, gehört er nicht in die Linie Frank, Karsten, Armin, sondern konnte locker mit dem attracktivsten und gutriechensten Punk mithalten. Maik ist darin eine souveräne Klasse für sich, was sicher auch unsere weiblichen Gäste bestätigen würden.
Wir feierten seinen Gang nach Paris würdig im Dolby Surround Sound: Es wurde viel getrunken und gelacht und endlich kam das Gespräch auf Musik. Folgenschwere Sätze sind in Erinnerung geblieben, wie Musik ist wichtiger als Sex (nicht von Maik) oder Karsten redete über Qawwali-Musik aus Pakistan, was komischerweise zu Lachsalven führte, aber noch kulminierte als Maik auf einmal von seinem Ohrenarzt im Paris zu reden anfing.
Der musikalische Ausgangspunkt war -nach Nick Hornby- die fünf besten Schallplatten bzw. Aufnahmen zu nennen. Karsten wollte dieses Spiel noch weiterführen auf die Frage nach den zwei wichtigsten Vowi-Gästen und den zwei wichtigsten Männern oder Frauen im Leben eines jeden. Dazu kam es nicht mehr – zu spät und zuviel Alkohol. Dagegen wurde die erste Frage von den Anwesenden, wie folgt beantwortet:

Mischa:
Fussballieder,
Andrea Jürgens -Dabei Liebe Ich Beide-,
Bennie -Skateboard-,
Johanna von Kocijka (?) -Das Bisschen Haushalt-

Che:
AC/DC -Powerage-,
4Skins -The Good The Bad-,
Fehlfarben -Monarchie und Alltag-,
Ton Steine Scherben -Keine Macht Für Niemand-,
Newton Neurotics

Vera:
Jim Morrison,
Sneaf Little Finger,
Chumbawamba,
Mike Oldfield -Tubular Bells-

Maik:
Pink Floyd -The Final Cut-,
Red Hot Chili Peppers -Sex Sugar Blood Magic-,
Motorhead -Live-

Karsten:
Frank Zappa -Over-nite Sensation-,
Peter Hammill -The Margin-,
Yes -Yessongs-,
Vic Chesnutt -Little-,
Peter Gabriel -Deutsches Album-

Armin war schon zu betrunken.

Stephans Liste wurde nicht mehr zusammen bekommen.

IM Vowi (unter Mithilfe von Karsten und Vera)

Sonntag, 15. Dezember 2002

Die Vowi hat in der jetzt beginnenden Fußballfreien Zeit Sa und So zwischen 20.00 und 1.00 Uhr geöffnet.
Am 24.12., 31.12.2002 und am 01.01.2003 hat die Vowi gänzlich geschlossen.

Am Sonntag, den 12. Januar um 17.00 Uhr wird Eva Weisweiler ihr Buch „Tussy Marx. Das Drama der Vatertochter“ vorstellen. Dazu später mehr.
Das 1. Vowi-Dokuturnier soll ebenfalls im Januar stattfinden. Der Termin steht noch nicht fest. An den Regeln wird immer noch gearbeitet.
In Planung ist dann eine Vorstellung des Künstlers, dessen Bilder gerade in der Vowi ausgestellt werden.
Und ein weitgereister Fahrradkurier aus Offenbach, der aber in Bockenheim wohnt, wird uns -wenn es klappt- mittels Dias und spannender Geschichten den 5. Kontinent näher bringen. Dort radelte er allein um diverse Kängeruhs herum.
Nachdem am letzten Samstag die Ausrichtung der Weihnachtsfeier mit Menü von Karstens ehemaliger Fahrradkurierfirma Velomobil gut geklappt hat, wird die Vowi bei entsprechender Nachfrage auf Vorbestellung im Februar ein Wintermenü anbieten.

Am 21. Dezember feiern die Fans, über die der Musikjournalist Gottfried Blumenstein schrieb: „Seine wunderbare Musik wird von wunderbaren Fans gehört“, den 63. Geburtstag von Frank Zappa. Dieser großartige Komponist, Musiker und Gitarrist hatte ein Faible für alle möglichen menschlichen Abnormitäten. Sicher hätte ihm auch der flambierte Penis aus Rotenburg „gefallen“. Ein Beispiel für ein typisches Zappa-Lied ist „The Illinois Enema Bandit“. Besagter Bandit lauert diversen Mitmenschen auf und versetzt ihnen ein Klistier. Er wird verhaftet und abgeurteilt. Aber man ist sich unschlüssig, wie man ihn verurteilen soll. Typisch Zappa, typisch durchgeknallte Amis könnte man denken und dachte u.a. auch ich, bis sich vor kurzem ein Gast spätabends am Tresen als Klistier-Spritzen-Sammler outete, der auch auf einschlägige Praxis verweisen konnte und dies auch erläuterte. Schließlich bot er seine Telefonnummer an bei eventuell auftretenden Fragen.
The Bockenheim Enema Bandit?

IM Vowi

Sonntag, 11. November 2002

Zwei CDs kann ich Euch sehr ans Herz legen -vielleicht schon was zu Weihnachten-:

Von den Einstürzenden Neubauten gibt es eine Doppel-CD „9-15-200, Brussels“, die von der letzten Tour 2000/01 ein Konzert in Brüssel wiedergibt. Man kann fast ausschließlich Lieder aus der jüngsten Zeit hören, alles in einem klasse Sound. Die Texte von Blixa Bargeld sind sehr gut zu verstehen. Die Aufmachung der CD ist schlicht. Die ganze Konzentration des Zuhörers soll der Musik gehören. Die Neubauten sind in den lezten Jahren etwas grooviger und ironischer geworden. Mir fällt als Kategorie ein, daß man von Techno-Punk reden könnte. Dann sind da noch die hervorragenden Texte, die sich mit akutellen Dingen wie Gentechnologie, Stimmungen in der Berliner Republik, aber ebenso altbewährte, den Künstler immer interessierenden Dingen, wie Einsam- und Zweisamkeit, befassen. Auf ihrer Homepage kann man sich die Musik für kleines Geld runterladen oder sie bestellen. Dazu kann man für 35,- sich per Wort an ihrer zur Zeit in der Vorproduktion befindlichen aktuellen CD exclusiv beteiligen.

Johnny Cash ist schon ziemlich alt und hat Parkinson. Dennoch gibt es die mittlerweile vierte CD seines Spätwerkes. Diese vier Alben können auch in der Vowi gespielt werden, ohne daß die Leute am Tresen eine auf’s Maul kriegen. Johnny Cash ist angesagt – obwohl es da in seiner Vergangenheit die eine oder andere politische Entgleisung gab. Die Qualität seiner letzen drei CDs und natürlich auch seines seit letzten Montag erschienen vierten Albums „The Man Comes Around“ liegt unzweifelhaft an seinem Produzenten Rick Rubin, der normalerweise die Peppers, Beastie Boys oder auch Danzig produziert hat. Rick Rubin entkleidet Johnny Cash von allen Bisherigen und beschränkt ihn auf Gitarre und seine Stimme. Dazu spielt Johnny Cash Lieder aller möglichen Genre nach – problemlos. Zu Hören ist diesmal u.a. ein Depeche Mode-Klassiker „Personal Jesus“. Johnny Cash singt zwar nicht gerade den Blues, aber er hat ihn.

Beide CDs gibt (gab > Nachtrag 2022) es im Rockladen auf der Stiftstraße Ecke Zeil.

IM Vowi

Sonntag, 3. November 2002

Was ist es, das
An die alten seeligen Küsten
Mich fesselt, daß ich mehr noch
Sie liebe, als mein Vaterland?

Diese Anfangszeilen des Gedichtes „Der Einzige“ eines erst nach seinem Tod zum Star gewordenen (wer ihn errät, dem sei ein Pitcher voll Bier aufs Haus gereicht) soll die Verfassung zeigen, mit der heute in diesen Zeilen balanciert wird.
Was?

Gott in Rüsselsheim

Denn begeben wir uns bei der Kritik des Grand Prix de la Chanson am 26.10.02 in Rüsselsheim in die ästhetischen Niederungen der Rockmusik? Oder geht es einfach nur um Rock ’n‘ Roll, den wir schließlich gerne haben? Oder geht es um das berühmte Rundum-Sorglos-Paket: Sex and Drugs and Rock ’n‘ Roll? Oder greifen wir zum Rundumschlag der „Bist-Du-On-Jungs“, daß Rock ’n‘ Roll keine Umweltverschmutzung ist, der zwar gewaltig aufhorchen läßt, aber keinem weh tut?
Nun ich weiß es nicht!
Aber fangen wir vorn vorne an. In wenigen Tagen erscheint die neue Johnny Cash CD. Wieder hat sie Rick Rubin in Nashville und Texas produziert, und wieder spielen viele bekannte Stars mit, und wieder sind viele Klassiker zu hören. Ein aus rechtlichen Gründen nicht auf dem Cover stehender Gitarrist, der aber einen wesentlichen Anteil an der neuen CD vom Man In Black hat, war auf seiner „Never Ending Tour“, die nun schon seit Jahren ihn und seine mittlerweile sehr gut eingespielte Band durch alle Kontinente führt, in Rüsselsheim:
Steven O. Naendel und seine Band Pussy Galore.

Gott und seine Tafelrunde in Rüsselsheim

Vor einem Publikum, daß zum einen aus seinen mitgereisten Hardcore-Fanatics bestand, die ja zu jedem Konzert des Meisters eilen, und vor jungen Mitarbeitern der Opel-AG, die dachten, sie seien bei einer Halloween-Gala, da der Mutterkonzern auf der anderen Seite des Teiches sitzt, spielte Pussy Galore.

Mitarbeiter der Opel-AG-Kantine

Freiberufler aus Bockenheim

mehr Realist als Optimist

Vielleicht waren aber auch die Augen des Publikums auf die Background-Sängerinnen gerichtet und dies nicht ausschließlich wegen ihrer sirenenhaften Stimmen, die schon so manchen Fahrensmann um Sinn und Verstand gebracht haben. Auch wenn man taub gewesen wäre, hätte man auf seine Kosten kommen können. Es glitzerte und spannte an den kokettesten Stellen. Viele Mitarbeiter, vor allem der Opel-AG-Kantine, werden von ihnen des Nachts geträumt haben.

Nina Hagen und Joni Mitchell

Ted Herold oder Ted Nugend

Weniger das Gitarrenspiel als die Frisur des Meisters erinnerte an Ted Nugend, den jagdfreudigen Vorsitzenden der Gesellschaft zum Schutze Minderjähriger, der übrigens mit einer neuen CD aufgetaucht ist und in den Staaten den Support für Pussy Galore übernommen hat.

Einer von Vielen – einer der sich traut!

Die Rhythmusgruppe, welche das Schiff sicher auf Kurs hielt – der Kapitän, der die Richtung vorgab und mit waghalsigen Gitarrenübungen seine Meisterschaft immer wieder vorlegte – eine kraftvolle Stimme, dessen Besitzer in vielen Jahren der Einzelhaft genügend Zeit hatte für kunstreiche Tätowierungen und ein ebenbürtiger, aber sich edel zurücknehmender Rhythmusgitarrist (bei dem sich zwar alle fragen, warum er eigentlich mit auf der Bühne steht) waren die perfekte Verkörperung von Inhalt und Form, Vernunft und Gefühl, Meisterschaft und Virtuosität von Rock ’n‘ Roll.

Steven O. Naendel – was für ein Typ

Letztlich ist es mir auch nicht klar geworden, ob man die Kritik nach der reinen Lehre bzw. nach der praktischen Vernunft vollziehen kann, oder ob man einfch seiner Urteilskraft glauben soll.
Nun ich weiß es nicht!
Aber eins ist Fakt: Die Show wird weiter gehen – auch in der nächsten Stadt!
Pussy Galore

IM Laster Bangs vom WDR Rockpalast

PS: Vielleicht findet sich im Text das eine oder andere Zitat, die ein oder andere inhaltliche Verwechslung oder auch hier und da eine kleine Lüge. Der Rest ist aber auf jeden Fall wahr.

Sonntag, 20. Oktober 2002

Die gefühlte Inflation in Deutschland von ungefähr 5% steht fast doppelt so hoch, wie die wirkliche Inflationsrate. Aber bei soviel Gefühl in diesem unserem Land kann man sich nicht irren, denn:
die Steuerlast, was die private Nutzung eines Dienstwagens angeht, wird um 0,5% des Bruttolistenpreises höher, genauso wie die Bemessungsgrenzen der AV- und RV-Beträge für einen Bruttoverdienst von 5100,- Euro pro Monat. Von der letzten Stufe der Ökosteuer und den dabei jetzt ebenfalls anfallenden Steuern für Erdgas ganz zu schweigen. Alles wird immer teurer (außer Kaffee 1,5 kg weit unter 2,50):

Wir befinden uns im Jahre 2002 n. Ch. Ganz Deutschland (und halb Europa) hat den Euro eingeführt und wird von den Rot/Grünen beherrscht…Ganz Deutschland? Nein! Ein Paar Unbeugsame hören nicht auf, dem Eindringling und den Herrschern Widerstand zu leisten und frönen dem Luxus – trotz alledem:

Zuerst Trüffel -natürlich weißer Alba-Trüffel- mit einer Flasche 1999 Chablis Premier Cru. Beides ergänzt sich wunderbar. Der Trüffel duftet nach Erde, nach mineralischem Gestein und gebackenen Nüssen. Der Chablis ergänzt den Trüffel durch einen Kristallton und feinsten Zitronenschalen-Duft. Und als ob das noch nicht genug ist, gibt es am späten abend Whisky -natürlich mit schottischem Bergwasser-. Zuerst ein Balvenie, der aber eher sanft und wenig markant war. Zwar hätte man Substanz erwarten können, denn er lag 21 Jahre in Portwein -Fässern, aber weder vorne im Gaumen noch ganz hinten im Mund fand sich etwas. Ein Whisky ohne Mumm. Besser war da schon der Glenlivet, der 18 Jahre in Eichenholzfässern schmoren mußte. Hier gab es Glanz und Kraft. Ein torfiger Eichenholzgeschmack und nach dem Hinterschlucken wurde ein bizzelnder, die Zunge zusammenziehender Ton vernommen. Schließlich gab es einen 1977 Ardbeg mit 46%. Und wieder, wie wir es schon bei jüngeren Ardbegs kennen, versammelt er verschiedene Nuancen, die in ihrem gemeinsamen Auftreten diesen Whisky so einmalig machen. Manch einer ließ sich zu gerade lyrischen Aussprüchen verleiten: „wie ein Wintersturm, der über eine Frühlingswiese zieht“ oder: „wie ein nackter Titan, der mit oder ohne Iro über Kreta fliegt“. Der Ardbeg riecht ein wenig nach Gras und stellte in den luxusverwöhnten Augen der Übriggebliebenen das non plus ultra eines Whisky dar.

Drei Plattentipps fallen mir noch zu diesem Thema ein: Frank Zappa singt eine Art Inflationslied auf seinem ’75 Album Passend in Allen Größen: Kann mir keine Schue leisten.
Joe Cocker gab gleich wenige Jahre später einem ganzen Album den Titel Luxus, den man sich nicht leisten kann.
Ideal gaben aber zu Zeiten des NWD unumwunden zu, daß sie auf Luxus stehen im so auch betitelten Lied.

Trüffel gibt es auf der Zeil bei Karstadt oder Kaufhof, aber auch in einem klasse geführten italienischen Gemüseladen im Nordend in der Kosel-/Ecke Weberstraße.
Den Chablis gibt es in jedem gut geführten Weinladen oder direkt in Chablis.
Den Whisky kann man für viel Geld ebenfalls auf der Zeil in den beiden oben genannten Supermärkten kaufen, oder aber man kauft ihn in einem Laden in Bayern via Internet, wie es im allgemeinen die Vowi macht, da ist das Angebot größer, und die Preise sind wesentlich günstiger.

IM Vowi

Sonntag, 25. 8. 2002

Punk ’n‘ Roll gab es am letzten Samstag in der Vowi. 3/4 Weich gaben sich die Ehre. Armin, Carsten und Witch traten in sommerlicher Kleidung auf, und auch die Vowi war kaum wiederzuerkennen dank des Riesen-Bambus, der Girlanden, der Schwimmringe und der leckeren Cocktails, die es an diesem Abend exclusiv gegeben hat. Von Anfang an wurde aus voller Kehle mitgesungen und sogar ein wenig getanzt. 3/4 Weich, die ganz ohne Alkohol während ihres Auftrittes auskamen, merkte man die seit vier Monaten dauernde Weltournee in keinster Weise an. Vielmehr wirkten sie absolut eingespielt und bestens abgestimmt. Natürlich durften einige Weich-Klassiker nicht fehlen. Doch in der Mehrzahl bestimmten Evergreens der Popmusik ihr Programm, wie „Im Wagen vor mir fährt ein schönes Mädchen“, „Tiamo“ und „Ring of Fire“ Ein schöner Abend!

IM Vowi

Sonntag, 19.5.2002

Die Mosel und die Eifel sind liebliche Orte und fast ein wenig herb – wie ein deutsches Pils und nicht so weich (wie das Krusovice) schlängelt sich der Fluß zum Rhein. Genauso kräftig erheben sich die Hügel und kleinen Berge in der Eiffel. Von oben herab hat man einen schönen weiten Blick – auch auf den Nürburgring. Ein denkbar unromatischer Ort in einer durchaus romantischen Welt: es gab einen Sichelmond, davor ein langes Abendrot, es gab Nebelschwaden aus den Tälern, kleine Hotels, die wie Jagdjütten aussahen und ganz weit weg flitzten sogar zwei ganz kleine rote Autos.
Aber wie soll man das alles genießen, wenn man zirka 29998 Gleichgesinnte auf wenigen Quadratmetern neben sich hat bei Rock am Ring.
Sven Regener, der Frontmann von Element Of Crime, grölte nach jedem Lied seiner Band das Wort Romantik (so heißt auch die neue Platte) ins Mikro. Je nach Lust konnte man es als „Jetzt erst recht“ oder als Verballhornung werten, so wie man beim Autorennen sich nur anschreien und nicht flüsternd unterhalten kann.
Davor spielte Willow. Diese Band aus den USA wird in den Feutillons sehr gelobt. Und ich kann dies nur bestätigen. Eine melancholische Musik, fast countrylastig, die immer mal durch elektronische Effekte und durch eine verzerrte Gitarre verfremdet wird.
Gleichzeitig spielten auf zwei Bühnen Tocotronic und Neil Young. Erstere sind jetzt auch ein wenig auf dem Elektrotripp, aber ich fand sie enttäuschend. Es fehlte mir die Kraft und Aggresivität, die sich mit dem ninglichen Gesang sonst so gut die Waage gehalten haben.
Neil Young war der Star des zweiten Tages des an drei Tagen stattfindenden Festivals. Und er spielte ein großartiges Konzert. Für mich war es das beste reine Rockkonzert, was ich bisher gesehen habe. Die Zuschauer quittierten Neil Youngs proffessionelles und gänzlich unpretentiöses Auftreten mit wilden Knutschereien, leichtem Pogogetanze, vielen imaginären Luftgitarren, Gehüpfe und Getanze.
Besonders romantisch war es also nicht, dafür war es zu laut, zu viele Leute und darunter diverse Kunstsinnige Harley Davidson-Fans mit Bierbächen, die mir fast Leid taten, weil der Gürtel so eng geschnallt war oder Pfälzer Eigengewächsen, die außer spärlichen Bartwuchses, wilden Gestikulierens und unklaren männlichen Geräuschen nichts weiter zu bieten hatten.

IM Lester Bangs

Sonntag, 28.4.2002

Letzte Woche war ich weit weg – im Gallus: zwischen dem Galluspark und Mainzer Landstraße, Frankenallee und dem DB-Hauptsitz (oder so). Ich mußte auf meinen Mac warten, der dort zur Reparatur- und noch nicht fertig war.
Entlang der Mainzer Ldstr. befindet sich ein Autohändler neben dem anderen. Die ursprünglich als Gärten gedachten Vorplätze an den Häusern sind dementsprechend zugeparkt mit E- und S-Klassen. Ansonsten fand ich Sonnenstudios, Lohnsteuerhilfen-Büros, Lebensmittel-Großhandelsgeschäfte, Kneipen mit südosteuropäischem Charme und komischerweise einen HL-Markt, der ja eigentlich nicht das billigste Flaschenbier in seinem Angebot hat. In Richtung Süden gibt es noch einen richtigen metallverarbeitenden Betrieb, der wohl schon länger exsistiert, wie man unschwer am Namen erkennen konnte (Mitteldeutsche Sowieso GmbH) und den Galluspark, der als Wohn- und Firmenpark geplant wurde. Ein paar Firmen sind wohl auch dort. Ich sah den Kindern zu, die zwischen den Neubauten den Ball hin und her kickten und immer wieder mit voller Wucht auf die Glasscheiben zielten. Die weiß gestrichenen Häuserwände sind ideal, um etwas drauf zu kritzeln. Das Antigraffiti-Programm unserer Stadt ist bis dahin noch nicht gekommen.
Schließlich lief ich zur Frankenallee, um mir an einem Wasserhäuschen etwas zu kaufen. Die Schnapsjungs in der Parkanlage daneben hatten schon zu Mittag viel Spaß. Die älteren Schulkinder, deren Frisuren entweder aus Wet-Gel oder bei den Mädchen aus viel Spülung bestehen, liefen nach Hause. Am Kiosk angelangt, hörte ich ein mir fremd klingendes Insrument mit einem melancholischen, fast weinerlichen Ton. Es war wohl eine türkische Saß(z?). Aber da auf einmal erkannte ich, was der Mann im Wasserhäuschen spielte. Es waren die berühmten Anfangsakkorde von „Rauch auf dem Wasser“, die mit G losgehen, und die von einem brennenden Studio in Montreux erzählen, und die man auf seinem Händy heutzutage als Klingeltöne einstellen kann.
Im tiefsten Gallus spürte ich den multikulturellen Atem der Globalisierung.

IM-Global denken-Lokal handeln

Sonntag, 23.2.2002

Am 25. März erscheint die neue Neil Young-Platte Are You Passionate?. Gleichzeitig wird er mindestens auf zwei Rockfestivals im Mai spielen (Rock im Park am 18.5. und Rock am Ring einen Tag später). Es geht auch um den 11. September, wie es unschwer auf dem Cover zu erkennen ist.

Hier zwei kleine Geschichten (die ich aus zweiter bzw. erster Hand erfahren haben) die Mut und Hoffnung spenden sollen an alle, die es brauchen können:
Ein Pärchen, geborene Frankfurter, jetzt in Berlin lebend, geht spazieren. Da bittet der Mann seine Freundin einen Augenblick zu warten, er müsse kurz zu dem Mann auf der anderen Straßenseite. Er stellt sich dem Mann auf der anderen Straßenseite vor und sagt: „Ich wollte mich nochmal bei Ihnen bedanken Herr Ehrmanntraut – was Sie für die Eintracht geleistet haben ist Klasse, und wir hatten wirklich viel Spaß!“ Horst Ehrmanntraut ist überrascht und fängt sofort im Stile eines sinnierenden Professors folgendes an zu sagen: „Ja, ja die Eintracht. Also dies ist doch wirklich verrückt hier in Berlin ein Dank für meine Arbeit zu bekommen. Die Eintracht -meine Jungs- ein klasse Verein, aber viele Probleme. Also ich muß schon sagen …“

Eine Frau belauscht ein Gespräch zweier Leute an einer Haltestelle im Nordend: „Letztens war ich im Ulan Bator. Unglaublich, da spielte und schrammelte so ’ne Art Band. Eigentlich paßte dies garnicht da rein, aber wo findest Du denn noch so was heutzutage. Da mußt Du echt mal hingehen. Dienstags und Samstag haben die offen!“

Am Dienstag gibt es Gulaschsuppe mit viel Rotwein (Championsleague).
Am Mittwoch gibt es Putenschnitzel mit Pommes (Championsleague).
Am Samstag ist es mir egal, was wir schauen auf Premiere.

IM – Gaby Bauer
(ab 6. März um 23.00 Uhr wieder auf der ARD)

Sonntag, 09/12/2001



Von der letzten Glosse fühlten sich mehr angesprochen, als ich dachte. Vielmehr dachte ich dabei an ganz jemand anderes und zuletzt auch an mich.

Am Samstag war nichts los in der Vowi bis nach dem Ende eines Konzertes im hiesigen Exzess von -so glaube ich- den „Boxhamsters“. Da kamen in größeren Gruppen endlich die Gäste. Und was tranken sie:
„Isch nehm e Gaffee un e Bier!“
„Isch ooch!“
„Hast Du irchendewie noch e was zu mampfen?“
„Ach isch würd‘ ooch ne‘ Schmalzbemme nehm!“
Die jungen Leute waren aus Erfurt extra zu diesem Konzert in den Exzess nach Frankfurt gekommen, um in der selben Nacht wieder nach Hause zu fahren.
Ich freute mich darüber, daß es wohl mittlerweile normal geworden ist, mal aus Erfurt nach Frankfurt zu fahren. Ich weiß noch, wie ich traurig war, als ich mitbekam, daß Zappa 1988 zur Welttournee aufbrach und ich vielleicht nicht näher als 200 km an ihn rangekommen bin, weil es noch die Grenze gab (auch ein Grund, nicht viel von meinem Geburtsland zu halten).


IM Bärbel Hohlei