Kategorie: Musik

Operette, Schlager und Volksmusik kommt hier nicht als Thema vor

Im Wald mit Bonnie Prince Billy

Vor zehn Jahren wurden in der Uno-Schutzzone Srebrenica vor den verschlossenen Augen niederländischen Truppen etwa 8000 Bosnier umgebracht. Keiner hat´s gesehen, Keiner hat´s gehört, Keiner hat´s gewusst!

Jedes Lied ein Tropfen,
der im Auge tränt
Jeder Ton eine Träne,
die auf den Boden fällt.

Im KOZ, dem ehemals selbstverwalteten Kommunikationszentrum am alten Uni-Campus, gibt es viel Glas, was schon vor Jahren den Sound diverser Bands beeinträchtigte. Die großen Fenster sind geblieben. Aber alles macht einen gepflegten -man könnte auch sagen langweiligeren- Eindruck als noch vor zehn Jahren. Es gibt handliche 0,3 Becks in der Flasche: Das schmeckt und man hat immer was zu tun, indem man sein Bier festhält, denn geraucht oder gekifft wird weniger.
Alle kamen am Sonntagabend nach Bockenheim nicht unbedingt in die Volkswirtschaft oder zum Kickern in den Tannenbaum. Vielleicht hundert Wissende wollten Will Oldham (zurzeitiger Künstlername: Bonnie -Prince- Billy) und Matt Sweeney mit ihrer Band sehen, und sie wurden nicht enttäuscht. Für 25,- Euro (das Konzert wurde wohl auf Grund der geringeren Nachfrage von der neuen in die alte Uni verlegt) gab es einen guten, nicht zu lauten Sound, wo die Stimme von Will Oldham über allen stand. Nur ein lästiges Brummen der Gitarre von Matt Sweeney störte gerade bei den leisen Stellen. Fast zwei Stunden bekam man vieles aus der neuen CD der beiden „Superwolf“ sowie einige Stücke der Solo-CDs von Will Oldham zu hören. Zwei Stunden Musik, die so voller emotionaler Spannung bei fast jedem Lied war, habe ich bisher noch nicht erlebt. Dabei waren die einzelnen Lieder im Gegensatz zu den CD-Versionen kürzer. Dennoch schaffte es die Band mühelos, immer wieder aufs Neue herrliche Bögen zu weben, die entweder kraftvoll ausschlugen, ins Frei aufbrachen oder nach dem Höhepunkt einfach beendet wurden. Der Schlagzeuger schaffte dafür den jeweils passenden Untergrund, Matt Sweeney zog mit seiner Gitarre die langen Töne, die Keyboarderin spielte verhalten, aber voller Inbrunst, und über allen lag die Stimme des wie eine Mischung aus Waldschrat und Neues Forum-Mitglied aussehenden Will Oldham. Er hält mit der traurigsten Stimme der Welt diese Musik zusammen. Tod, Dunkelheit, Liebe und das Meer sind ständige Themen seiner Lieder, die an Country Music erinnern, aber in erster Linie in einer Singer/Songwriter-Tradition steht. Will Oldhams Musik wurde geadelt, als Johnny Cash (wohl vielleicht eher Rick Rubin, sein Produzent) für einer seiner letzten CDs ein Lied von ihm gemeinsam mit ihm aufnahm.
Will Oldham schafft es mühelos, diese furchtbare Tiefen der menchlichen Seele, all das was man so gerne verdrängt, in seinen Liedern ohne Kitsch, fast nackt zu verkleiden.
Nach dem Konzert stand der Waldschrat und seine Band im Freien und ein Fan meinte in aller Kürze, und man konnte ihm nur beipflichten: „It was great!“ und der Waldschrat verdehte als Antwort ein wenig verschämt die Augen.
Will Oldham und Band spielen am 15.08 in Mannheim.

IM Vowi

1-Euro-Job, Samstag, Pedant

1-Euro-Job:
Dieser Ton, wenn ein Mensch umfällt und sein Kopf, ohne dass seine Instinkte noch reagieren können, direkt auf das Kopfsteinpflaster -vor der Vowi- knallt, ist brutal, da muss ich doch helfen.
(Ein Gast, der einem anderen Gast beim Wiederaufstieg half. Der geholfene Gast war gegen 19.00 Uhr so breit, dass sein Gleichgewichtsorgan nicht mehr funktionierte. Zuerst verlor er beim Hinausgehen seinen linken Adiletten in der Pfütze vor der Vowi. Dann lehnte er an einem geparkten Auto ,und der Versuch sich nach Hause zu bewegen, endete auf dem harten Pflaster der Jordanstraße. Letztendlich schulterte der Wirt den Gast und bot an, ihn nach Hause zu bringen unweit der Vowi. Aber die Selbstachtung -und welcher Besoff’ne verliert schon gerne die Selbstachtung, wenn er drei bis fünfmal fragt, ob er schon bezahlt hat, siegte. Bis zur nächsten Straße ging es Arm in Arm, und dann nach einem kurzen Stopp verschwand er ohne Hilfe.)

Samstag:
Als einfacher Arbeiter am Tresen des Herren hatte ich zwiespältige Gefühle, denn ich mag Samstage nicht:
Dieser Und es grüßt das Murmeltier-Effekt bei der Tour. Wieso ist Lance Amstrong immer auf den Punkt genau vorbereitet und Jan Ulrich irgendwie nicht.
Später dann sah ich dann bei live8live zahlreiche Langweiler aus dem In- und Ausland. Ich hatte Muße zu überlegen, wer dies alles bezahlt. Dennoch die klare und logische Forderung, dass die Schulden den ärmsten Staaten erlassen werden, ist richtig. Über Details (Schulden von Diktaturen, Entwicklungshilfe als Hilfe zur Selbsthilfe) kann ja wirklich später diskutiert werden oder… Naja, und als ich dann den einen oder anderen abgehalfterten Musiker sah, freute ich mich über Stevie Wonder, wo eigentlich jedes Lied gleich klingt, über Moetley Crue, wo Gesundheitszustand und Tatoos nicht Wunschdenken, sondern ihre eigene Realität widerspiegelt. Und schließlich Pink Floyd. Alle vier waren wieder zusammen, und nichts hatte sich, wenn man die Augen schloss, geändert: Der musikalische Spagat zwischen altersloser Schöhnheit und intellektuellem Wahnsinn funktioniert.

Pedant:
Ist das da oben auf dem Regal wirklich Vita-Cola? Das ist doch diese DDR-Cola oder?
Ja. Mittlerweile ist es aber keine DDR-Cola, sondern eine Cola aus den Neuen Ländern, die sicher einem großen Konzern aus den Alten Ländern gehört.
Nun hab dich mal nicht so. Sei nicht so pedantisch! Vita-Cola ist halt für mich eine DDR-Cola, deshalb sage ich es so.
Na ich weiß nicht. Ich sage ja auch nicht in der Drogerie, ob die dieses Deutsches Reich-Waschmittel Persil haben…

Unser Vowi-Bundesliga-Tippspiel für die kommende Saison steht für Euch im Netz bereit. The_Over, dem Macher, sei gedankt!

IM Vowi

Kartoffeldrücker

Raimund Harmsdorf, der 1998 verstorbene Kartoffeldrücker und Schauspieler, welcher u.a. in Der Seewolf und in Wolfsblut spielte, war Ende 1997 in der Vowi. Es war ein sehr ruhiger Samstagabend. Zwei oder drei Pärchen tummelten sich an den Tischen, und ganz hinten saßen Jan Olaf und der alte Binnenschiffer Captain Lars. Sie waren allerdings nur mit sich selbst beschäftigt. Raimund Harmsdorf und ich tranken Wodka. Er aß eine Gref-Völsings und kippte sich in aller Ruhe zwei Bier rein. Das leichte Zittern in seiner Hand, die ersten Anzeichen von Parkinson, fiel mir auf, aber ich schenkte diesem keine Aufmerksamkeit. Selbstverständlich fragte ich ihn, ob in dem legendären Vierteiler Der Seewolf die Kartoffel gekocht war, die er zerdrückte. Ein schallendes Gelächter war seine Antwort. Dabei erhob er sich mit dramatischer Geste und echauffierte sich über solche Leute, die so etwas über ihn behaupten würden. Schließlich sagte er, dass ich in die Küche gehen sollte, um eine rohe Kartoffel zu holen. Doch vorher wollte er an den jeweils ovalen Enden ein Ei, eine Zitrone und eine Olive mit Kern zerdrücken und als Meisterstück dann die Kartoffel. Leider besaß ich damals noch keine so gute Digitalkamera. Ihr müßt mir die Geschichte einfach glauben. Denn es existiert nur ein Foto von einem zerdrückten oder soll ich sagen zerfetzten Fußball, den Raimund zum Warmmachen geschlachtet hatte.

Ich sah, wie Raimund (oder Sven, vielleicht auch Lars oder Peter) Ei, Zitrone, Olive und Kartoffel mit der rechten Hand zerdrückte und dabei in ein Lachen ausbrach, das ein Symptom des Vowi-Wahnsinns ist und als gefährliche und unheilbare Krankeit gilt.

Ich lobe deshalb einen Kasten Bier aus, wer in der Vowi noch einmal eine rohe Kartoffel in der Hand zerdrücken kann.

In Erinnerung an Raimund Harmsdorf!

Konzerte:
M.I.A. der zurzeit angesagteste World Music-Club Act u.a. 08.07. auf dem Campus Fest in Bockenheim für lau
Bonnie „Prince“ Billy & Matt Sweeney: die traurigste Stimme Amerika singt nur alle Jubeljahre in Europa u.a. am 15.08. in Mannheim, Alte Feuerwache

Konzertereignis des Jahres 2005:
Zappa Plays Zappa: die beiden Söhne des Meisters spielen mit alten Bandkollegen ihres Vaters Musik u.a in am 18.11. in Düsseldorf, Phillipshalle

IM Vowi

Sperrig

Hier ist noch ein Bild von Karstbretts Urlaub auf Ibiza am Kulkwitzer See -da wo Leipzig Grünau aufhört-
Karstbrett und zwei Unbekannte

Es gibt sonst nichts weiter zu berichten -außer,
daß Leander Geburtsag feierte: Alles Gute noch mal!,
daß erst Vera und jetzt Stefan Essig mit Fussballsachverstand bei unserem Tippspiel glänzen,
daß Olympia doch auf Dauer langweilig werden könnte,
daß aber ein schlanker gut aussehender junger Mann uns empfahl Olympia mit betandwin zu versüßen,
daß man zur neuen Bjork-CD Medúlla keinen Sex haben könne, weil die CD zu sperrig (sehr stimmlastig, wenig Instrumente) sei oder so???,
daß nie jemand außer Zweien das selbstgemachte Tiramisu der Vowi kostet.

IM Vowi

Zappas Geburtstag

Am 21.12. sollte eigentlich eine kleine Zappa-Geburtstagsfeier in der Vowi stattfinden. Leider musste diese durch Karstens Krankenhaus-Aufenthalt ausfallen. Dennnoch ist es mir ein Bedürfnis, am 21.12. an Frank Zappa und seine Musik zu denken. Dazu kommt noch. dass mein Freund Joe und seine Frau Eva am 23.12. ihren Sohn Jakob ans Tageslicht brachten. Meinen herzlichen Glückwunsch noch einmal an dieser Stelle.
Mit Tränen der Trauer gedenke ich also dem Meister und mit Tränen der Freude jubeliere ich, dass ein würdiger Verehrer des Meisters und seine verständnisvolle Frau an unsere Rente gedacht haben.

Zappa für immer!
Das Foto stammt aus dem Jahre 1982 und zeigt einen Freund von Karsten -Tibor-, der bei einer kleinen Fete ein Zappa-Poster aus der Bravo hochhält. Keine Ahnung, woher wir dies damals in Leipzig hatten. Mit sechzehn waren wir schon Zappa-Hardcore-Fanatics und Karsten ist es auch heute noch.


IM Vowi

G – D = X

Veit, Annabelle, Nadja, Michi, Michi, Kai, Andi, Julia, Pia und Liza waren die Teilnehmer des 3. Vowi-Doko-Turniers. Gestärkt durch Kinderüberraschungseier und ein bis zwei Liter Jägermeister wurde bis gegen 2.00 Uhr unter Leitung des Schiris Prof. Packi-Doko gejubelt, gejammert und gespielt.

Es kam die Frage auf (im übrigen von einem Paar in Ägypten), ob Gespächslautstärke und Dummheit in einer Kneipe in einem Verhältnis
(G – D = X)
zueinander liegen und wenn ja, in welchem. Ihre Hypothese ist, dass mit steigender Lautstärke auch die Dummheit der verfassten Meinung steigt. Sie liegen damit keineswegs falsch. Nach einigen Betrachtungen im Archiv wurden folgende, streng wissenschaftliche Beobachtungen gemacht:
gemeinschaftliches Gebrüll von Männergruppen: beide Größen steigen harmonisch,
gemeinschaftliches Gepruste und Gekichere von Frauengruppen: nicht ortbar, da Gespräche leise geführt werden – nur das Gepruste wird lauter,
Menschen mit lauten Stimmen: immer wieder beeindruckend, wie Menschen beim Gespräch mit lauter Stimme die ganze Vowi mitlauschen lassen – außer Wertung (ein liebenswürdiger Champonleague-Teilnehmer ist hierbei A.),
Mennschen mit lautem Lachen: in der Vowi erstaunlicherweise mit starker Frauenpräsenz, was von klassisch klarem Ha-Ha-Ha bis zum hexenartigen Gekreisch geht,
Menschen mit lauten Ausrufen der Freude, Verwunderung oder um Präsenz zu signalisieren: Frauen wie Männer, inhaltlich für den einzelnen wichtig, für den Rest eher zu vernachlässigen.
Als Fazit bleibt, dass es leise wie laute dumme Menschen gibt. Allerdings können beide Faktoren steigen, wenn der Faktor Alkohol ins Blut kommt. Hierbei fallen vor allem brüllende Männer- und kichernde Frauengruppen auf:
G – D + A² = …

Die Wucht von Worten ist bekannt – von Musik ebenso. Angeblich soll die US-Army mit Metallica ihre Gegner im zweiten Irak-Krieg beschallt haben, um sie mürbe zu machen. Viel Lobendes bekommen die Vowis über ihre gespielte Musik zu hören. Manche wundern sich dagegen, was der Kaffeesachse manchmal spielt, dulden es aber mit Gelassenheit. Nun gab es letzte Woche ein Konzert einer Gruppe aus Seattle:
Nevermore.
Ihre Musik firmierte unter der Frage:
Wie laut kann glückselige Zärtlichkeit sein?
Eine Musik, die es an Intensität und Durchschlagkraft mit jeder Schlagbohrmaschine aufnehmen kann, die nicht nur phasenweise an Krach erinnert, wurde von einem charismatischen Sänger zusammengehalten. Er sang im Gegensatz zu der hyperschnellen und verwickelten Musik langsam mit einer starken Stimme. Der Knackpunkt aber war, dass die Fans von Nevermore in eine Art glückseligen Zustand fielen, der sich in Haare schütteln und inbrünstigem Stagediving äußerte. Beiderlei Geschlechter waren nicht unbedingt ausgelassen, sondern schwebten zu dieser Musik in einem Taumel glückseliger gemeinsamer Zärtlichkeit. Die Brutaliät der Musik äußerte sich nicht in Muckerposen oder geballten Fäusten. Hier schwebte Liebe und allumfassendes Urvertrauen im Raum. Allerdings wurde ein Mensch rausgetragen, weil er sich weh getan hatte oder kollabierte. Das Konzert ging weiter. Die Band, die es wohl nicht nichtbekam, noch der Rest (einschließlich meiner) ließen sich nicht stören. Ein dennoch beeindruckendes Ereignis!

IM Vowi

Wie man sich täuchen kann und trozdem der Größte bleibt

Jan Ullrich der Gigant der Tour!
1996 2. Platz
1997 1. Platz
1998 2. Platz
2000 2. Platz
2001 2. Platz
2003 2. Platz
2004 Wir werden sehen!

Die Vowis (hinterm Tresen, Zulieferer und Zukünftige und eingekaufte Superstars aus Südhessen) rufen die Vowi-Gäste zu einem Fußballspiel auf. Am Sonntag, dem 17. August 15.00 Uhr im Grüneburgpark. Es soll zweimal eine halbe Stunde gespielt werden (Sieben gegen Sieben oder Acht gegen Acht), ein- und ausgewechselt werden kann immer. Bei Unentschieden gibt es Siebenmeterschießen. Michi Reeg wird der Schiedsricher sein. Die Regeln können ein wenig abweichen vom Üblichen. Mit Ketchup und Jägermeister muß gerechnet werden. Wer Mut hat, soll kommen! Wir sind da!

Das Vowi-Tippspiel Saison 2003/04
fängt am 1. August an. Die Formalien sind im wentlichen gleich. Die Änderungen sind per Mail bekanntgegeben und stehen auf den Tippseiten.

David Sylvian, der Exsänger der britischen Band „Japan“, kommt nach über fünfzehn Jahren wieder nach Deutschland. Und ich möchte Euch dieses Konzert wirklich ans Herz legen. Ein wirkliches Ereignis, auf das seine Fans seit Jahren gieren. Obwohl der Ausdruck gieren zur Musik und zum Auftreten eines David Sylvian überhaupt nicht paßt. Ruhe, Klarheit, lange Spannungsbögen, ein Schlagzeug auf Wesentliches beschränkt, eine Basslinie, die im Raum verdampft und dazu die vibrierende Bariton-Stimme von David Sylvian geben seiner Musik eine außerordentliche Schöhnheit und dabei eine Tiefenschärfe, die in einer spirituellen Ebene endet. Manche würden hierbei auch esoterische Langeweile spüren oder sich an Endlos-Loops, die man auf einem Bahnhof hören kann, erinnern. Ich halte dagegen. In seinen Liedern wird weggelassen. Hier ist weniger mehr als alles. Hier entstehen musikalische Kathedralen. Am 1. Oktober spielt er im Mozart-Saal in der Alten Oper. Auf seiner „Fire In The Forest Tour 03“ wird er mit Steve Jansen (drums, perc) and Masakatsu Takagi (visuals) auftreten. Sein aktuelles Album „Blemish“ gibt es nur als Import-CD oder bei ebay. Ende September wird David Sylvians Label Virgin einige seiner ersten Solo-CDs und diverse „Japan“-Veröffentlichen neu auflegen (mit Bonustracks, neuer Verpackung usw.). Bei Amazon kann man sie bereits vorbestellen.
offizielle Homepage

In der Vowi verkehren viele Wagnerjaner. Sie alle kennen die Lieder zum Mitsingen, Mitsummen, Mitweinen, wie den Hochzeitsmarsch aus Lohengrin, das Vorspiel aus Rienzi oder Parsival, den Walkürenritt aus der Walküre, den Trauermarsch aus der Götterdämmerung usw. Und wenn Angela Merkel (O-Ton-Fischer: Das Merkelchen) zu Robbie Williams geht, warum können dann nicht ein paar Vowianer nach Bayreuth gehen, um bei ihren Lieblingsmomenten sich verschähmt eine Träne wegzuwischen. Der alternde Regent in Bayreuth führt zum Rundumschlag aus. 2004 wird Christoph Schlingensief den Parsival inzenieren, und 2006 gibt es endlich einen neuen Ring unter der Regie von Lars von Trier. Da kommt keine Langweile auf. In diesen Endlos-Stücken, die schon im ersten Akt zum Einschlafen animieren. Hat jemand Lust mitzukommen?
die offizielle Seite der Bayreuther Festspiele
Richard-Wagner-Museum

IM Vowi

Das Yes-Raumschiff landete

Das Yes-Raumschiff landete am Samstag, den 21.06.2003 in der 2. Bundesliga-Stadt Mainz. Die stockhäßliche Rheingoldhalle, deren Akustik zwar gut war, die aber architektonisch den Charme eines Eisbrechers hat, liegt gleich neben dem Rhein. Dort wiederum tobte ein Volksfest, daß zum frühen Zeitpunkt junge Familien und nach dem Konzert Herden sehr junger Menschen anzog, die definitiv nicht bei Yes waren. Denn hier trafen sich die älteren Semester. An deren Kleidung und Tatoos man unschwer erkennen konnte, wo sie ansonsten ihre Freizeit verbringen. Da las man was von Neil Young, der Roger Waters-Tour und natürlich den diversen Yes-Touren der vergangen Jahre. Einer hatte sich sogar Auszüge aus dem Foxtrott-Album von Genesis auf seinen Rücken tätowieren lassen, was andere voller Staunen würdigten.
Viertel nach 20.00 Uhr ging es los. Auszüge aus Stravinskys Feuervogel, ganz wie auf dem Yessongs-Album ließen das Raumschiff nur noch Sekunden vor der Landung sein. Zuerst erschienen der Maschinist (Bassist, und Zweitstimmen-Sänger) Chris Squire und der Steuermann -und der fünfte Teil des Zirkels der Full Circle Tour- (der Eddie van Halen aller Arten von Tasteninstrumente) Rick Wakemann. Beide waren in Rock-Klamotten auf der Bühne mit Umhängen, der eine im Glitzer-Hemd, der andere in Schwarz und mit Sonnenbrille. Rick Wakemann übrigens trug die Haare wieder lang. Dann kam der Kartograph und Zirkelschwinger (der Gitarrist und die tiefe Stimme singende) Steve Howe. Dazwischen huschte der körperlich kleine, aber enorme starke Heizer (der Schlagzeuger) Alan White hervor. Und schließlich erschien der Kapitän, aber eigentliche Priester (der Sänger und Harfist) Jon Anderson. Während Steve Howe vollkommen normal aussieht uns sich bestenfalls spitzbübisch freut über einen rasenden Gitarrenlauf, während Alan White sich ebenfalls freut und immer noch nicht glauben will -selbst nach über 30 Jahren-, daß nicht ein anderer dort sitzt, während Chris Squire sich posend verausgabt, während Rick Wakemann ein wenig gelangweilt wirkt, (sich dennoch mit Chris Squire regelmäßig abklatscht) um zu zeigen, daß er eigentlich noch viel mehr kann – bewegt sich Jon Anderson im türkisen, möglicherweise Jogging-Anzug huld- und weihevoll. Er könnte auch blind sein, im Rollstuhl sitzen, nackt sein oder auf einer Kanzel stehen. Er würde dennoch genauso wirken. Peace, Spirit, Butterflies usw. sind wichtige Worte von ihm. Daß er aber auch knallhart sein kann, zeigte sich bei den internen Auseinandersetztungen der Band in den 80 und 90er Jahren.
Die Höhepunkte des Abends waren die beiden Lieder aus dem Magnification-Album (Magnification und In The Presence Of), dem 78‘ Hit Don‘t Kill The Whale, sowie And You And I und Awaken. Hier balancierte die Virtuosität der Fünf in den eher an der klassischen Moderne als am Rockidiom geschulten Aufbau der Lieder und ihr höchst individuelles Spiel -vor allem die Stimme Jon Andersons und die Gitarren Steve Howes- eine einzigartge Spannung aus. Anders könnte man es machen, aber keinesfalls besser. Hier bewiesen sie ihre einzigartige Stärke, die sie meines Erachtens vor über 30 Jahren zum ersten Male richtig auf der 3er-LP-Yessongs unter Beweis stellten. In den 70er dannach bauten sie auf insgesamt vier Studio- und einem Live-Album dies meisterlich aus. In den 80er und 90er setzten sie auf Popstrukturen und eine Art Btreitwand-Rock. Hier reichte es für gute Riffs. Ihre Virtuosität ging unter. Der Werkcharakter verlor sich in den Niederungen des Pop. Und die einzigartige Spannung wurde weder auf- noch abgebaut. Zwar war dies sicher die kommerziell erfolgreichste Zeit, aber was soll davon bleiben. Erst 2001 mit dem Magnification-Album konnten sie meiner Meinung nach wieder an ihre alte Größe anknüpfen. Rick Wakemann war nicht dabei. Er wurde durch ein ganzes Sinfonieorchester ersetzt.
Jeder der Musiker konnte glänzen mittels eines Solos. Am langweiligsten war Chris Squire, der zwar schön auf den Putz haute, aber sich in den selben Posen wie 1998 in der Jahrhunderthalle in Frankfurt verlor. An das Live-Original von The Fish auf dem Yessongs-Album kam er nicht heran, aber vielleicht wollte er es auch nicht. Steve Howe zeigte meisterlich, wie sich Könnerschaft mit Musikalität verbinden kann. Jon Anderson spielte ein einfaches kleines Lied nach der Pause und bereitete den Weg für Rick Wakemann vor. Dieser spielte auf dem Cembalo, dem Western-Klavier, der Orgel und dem Mini-Moog (?) Noten fangen, wie einst Paganini.
Über 2 1/2 Stunden ging das Konzert. Eine Zugabe mit zwei Liedern gab es, und dann flogen sie weiter gen Belgien. Ein großartiges Konzert konnten man erleben von professionellen Musikern. Wenn man sich allerdings die Setlits durchschaut und feststellt, daß sie wohl seit Wochen oder eigentlich seit Jahren, oder besser noch seit Jahrzehnten auf ihren Touren die selben Lieder spielen, dann wär es schön, auch mal kaum oder selten Gespieltes zu hören, zum Beispiel vom Relayer oder Tormato-Album oder auch mal Maschine Messiah von der Drama.

PS: Die Band bzw. Tour-T-Shirts, welche es zu kaufen gab, fand ich nicht ganz so toll. Natürlich habe ich mir aber trotzdem eines gekauft.

Yes World

IM Vowi

Evolutionsbiologie und dünne Haare

Am Freitag war das Tresen-Thema, wie denn dass alles so zwischen Mann und Frau funktioniert. Und der Zufall will es, daß Jeffrey Eugenidis in seinem Bestseller „Middlesex“ genau dieses Thema in aller Kürze abhandelt. Es dreht sich um die Frage, ob Mann und Frau so sind, weil sie immer schon so waren (Evolutionsbiologie-Theorie) oder ob es durch die Gesellschaft ein verordnetes Mann-Frau-Bild gibt (Unisex-Theorie) oder ob es die Erbanlagen sind, die uns in unserer geschlechtlichen Identitäöt (Intersex-Theorie) -so sagen wir es als Gender-Experten- bestimmen.
In dem Buch von Eugenidis wird eine Familiengeschichte in Amerika des 20 Jh. erzählt u.a. aus der Sicht eines Zwitters (Hermaphroditos). An sich selbst erfährt er/sie, wie mit dem Begriff Geschlecht umgegangen wird. Über die Meinung, dass Mann und Frau schon immer so waren in den letzen Jahrtausenden schreibt er:

Es nannte sich Evolutionsbiologie…Männer wurden zu Jägern, Frauen zu Sammlerinnen. Nicht mehr das Erworbene, sondern das Angeborene prägte uns. Es hieß, die Impulse von Hominiden aus der Zeit um 20000 v. Chr. wirkten in uns noch immer nach. Und so liefrn uns heute Fernsehen und Zeitschriften die gängigen Vereinfachungen. Warum können Männer nicht kommunizieren? (Weil sie auf der Jagd leise sein mussten.) Warum kommunizieren Frauen so gut? (Weil sie einander zurufen mussten, wo die Früchte und Beeren waren.) Warum finden Männer nie etwas im Haus? (Weil sie ein schmales Blickfeld haben, was ihnen bei der Pirsch auf Wild zugute kommt.) Warum finden Frauen alles so schnell? (Weil sie beim Bewachen des Nestes ein weites Feld zu überblicken pflegten.) Warum können Frauen nicht rückwärts einparken? (Weil ein niedriger Testosteronspiegel das räumliche Denken behindert.) Warum fragen Männer nicht nach dem Weg? (Weil die Frage nach dem Weg ein Zeichen von Schwäche ist und Jäger nie Schwäche zeigen.)… Ihr könnt raten, wer ein Anhänger dieser Urmensch-Theorie ist und diese in einer einfachen bildlichen Sprache am Freitagabend am Tresen entwickelte.

Zwei Konzerte nächste Woche möchte ich noch empfehlen. Am Donnerstag spielt „Tricky“ in der Centralstadion in Darmstadt.
Ich aber werde am Samstag nach Mainz zu „Yes“ gehen. Natürlich bewegt sich Jon Anderson, wie ein junger Leonid Breshnev als indischer Guru verkleidet, Steve Howes Haare werden immer dünner und grauer, Chris Squire trägt noch im hohen Alter seine schon in den 70ern peinlichen Klamotten, Alan White macht immer noch Schlagzeug-Solos und Rick Wakemann wird immer noch kein Veganer geworden sein. Und trotzdem! Ihre letzte CD „Magnificiation“ ist wirklich seit langem wieder große Klasse. Es gibt schöne Popstrukturen, herrlichen Satzgesang, verworrene kammermusikalische Ausflüge, heilige Stimmungen, melancholische Freude: Feinarbeit im Großflächenformat. Hier wird nicht olympisch Holz gehackt, wie auf der aktuellen Metallica-CD „St. Anger“, hier zeigen die Alten Meister, dass Musik auch ohne Hinternwackeln funktioniert. Dabei gewinnen sie die Bergetappe nicht mit hochroten Kopf als Schwerstarbeiter, sondern mit der Leichtigkeit des Könners.

Natürlich könnt Ihr, wie jeden anderen Tag auch, am Samstag in die Vowi kommen. Dort wird dann 20.00 Uhr die BBC-Dokumentation „Hooligans“ über die englische ind italienische Szene zu sehen sein.

IM Vowi

04. Mai 2003

„Wenn mir das Laktat in die Oberschenkel schießt, beiße ich mir kräftig auf die Unterlippe. Der Schmerz soll von dem Beinen ablenken. Droht mir am Berg, daß der Kontakt zu einer Gruppe abreißt, werde ich panisch.“ – so Udo -Quäl dich, du Sau- Bölts in einem aktuellen Spiegel-Interview auf die Frage, wie er die Strapazen seines Sportes durchhält. Weder strapaziös, noch masochistisch waren die Fußballer der Erika beim diesjährigen 1. Mai-Fußball-Turnier – sie waren einfach nur schlecht- zwahr immer bemüht, aber zuviele einzelne Fehler, konditionelle Schwächen und zu wenig balltechnische Fähigkeiten machten jede abgesprochene Taktik obsolet.

Karsten bewunderte in Leipzig Peter Gabriel, der in einer neu gebauten Arena neben dem für die Weltmeisterschaft vorgesehenen Zentralstadion, eines seiner Deutschland-Konzerte gab. Professionel, sanft und voller Kraft -wie ein alter tiefer Wein- sang und moderierte Peter Gabriel über 2,5 Stunden. Er kommentierte seine Lieder und sang „Here Comes The Flood“ auf Deutsch. Die Show bestand aus akrobatischen Kunststücken, Fahrrad fahre, cooler Showposen und bloßer Präsens. Seine Band bestand, wie immer, aus hervorragenden Musikern, wie dem King Crimson Bassisten Tony Levin. Peter Gabriel spielte einige neue Lieder von seiner aktuellen CD „Up“ und die bekannten Hits seiner Karrierre. Ich hätte mir noch mehr Lieder auf Deutsch gewünscht – vor allem Lieder aus seinen beiden deutschen Alben. Alle Peter Gabriel CDs gibt es bei Amazon Digitally Remastered zum Preis für unter 7,- Euro -außer der Neuen-.

Eggo feierte am Samstag seinen 26.Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Bei einer spontan organisierten ganz kleinen Fete mit Andi, Niko, Joe, Christian und Ed hatte Andi -Dank seiner Flieger-Brille und seiner attraktiven Licher-Radler-Hose- mit weiten Abstand den besten Über- und Einblick.

IM Vowi