Kategorie: Musik

Operette, Schlager und Volksmusik kommt hier nicht als Thema vor

Schrecklicher Lieder – 03 – Geschrieben in der DDR

Die Willkür und zum Schluss das ohnmächtige Treten der „DDR-Organe“ nach allem, was sich nicht in ihren Augen loyal verhielt, machte aus dem Beobachten eines Mauerseglers einen staatsfeindlichen Akt. Ein Mauersegler fliegt über Mauern. Für jeden DDR-Bürger war die Mauer in Berlin und an der Grenze zur BRD unüberwindbar. Selbst eine Reise in die sozialistischen Bruderländer nach Osteuropa war ein bürokratische Akt und nicht per se möglich.
Wörter, wie „Fliegen“, „Mauer“ oder „Flucht“, Bezüge zu wirtschaftlichen Engpässen, Stichwort „Banane“ oder „Badezimmer-Fliesen“ wurden von der Zensur gestrichen oder mussten geändert werden. Oder, im Lauf der Zeit, funktionierte die Selbstzensur der Autoren. Man wusste, was geht und was nicht. Abhängig vom politischen Kurs der DDR und abhängig von den jeweiligen Funktionären.
So entstand eine eigene Sprache in Texten und im Reden miteinander. Texte, beispielsweise in der DDR-Popmusik, formulierten, um den heißen Brei herum und waberten in Plattitüden. Ironie, als Tendenz den Texten eine Mehrdeutigkeit zu geben, war schwer und gefährlich.
Hier ein typisches Beispiel der Band „Karussell“ aus dem Jahre 1987. Die Autorin heißt Gisela Steineckert, die sich bis heute zu DDR bekennt.
Nach meiner Lesart ist der Text frei von jeder Ironie, vielmehr verkörpert er eine Art „DDR-Kuschligkeit“.

Als ich fortging“,

Als ich fortging war die Straße steil, 
kehr wieder um.
 Nimm an ihrem Kummer teil,
 mach sie heil.
Als ich fortging war der Asphalt heiß, 
kehr wieder um.
 Red ihr aus um jeden Preis, 
was sie weiß.
Nichts ist unendlich, so sieh das doch ein. 
Ich weiß du willst unendlich sein,
 schwach und klein.
Feuer brennt nieder, wenn keiner es nährt. 
Kenn ja selber, was dir heut widerfährt.
….

Das schreckliche Lied vom „Blauen Planet“ reiht sich brav in diesen Kontext ein. Es ist voller Bezüge und Muster, wie man sich bei den Kulturfunktionären zu Beginn der 80er ein Leben in der DDR vorstellte. Die allgemeine ideologische Linie wird ins Private gespiegelt, verpackt mit populären Begriffen (Blauer Planet) und Themen (Angst vor 3. Weltkrieg). Die Musik massentauglich, eingängig, nicht wirklich neu, aber keinesfalls alt, war schließlich der Überbringer der guten Nachricht vom Kampf für Frieden und Sozialismus.

Blauer Planet
= erster Kosmonaut Juri Gagarin beschreibt seinen Blick vom Raumschiff auf Erde
„Ich sehe die Erde! Ich sehe die Wolken, es ist bewundernswert, was für eine Schönheit!“
Aussage war in der DDR gegenwärtig und gewürzt mit Technikbegeisterung (Fortschritt) ohne zu hinterfragen
= Blauer Planet ist positiv besetzt, wie Farbe Blau (FDJ-Hemd, Meer, Himmel)

Tanzt unsere Welt
= unsere Welt, geteilt in zwei Gesellschaftssysteme, Westen, der böse ist und alles tut, um unser Gesellschaftssystem, den Sozialismus, der gut, richtig und wissenschaftlich begründet ist, zu zerstören
mit sich selbst schon im Fieber?
= unsere gesamte Welt, könnte, wenn sie, eigentlich der Westen, so weitermacht, so krank werden, dass sie nicht bemerkt, dass sie sich selbst vernichtet
Liegt unser Glück nur im Spiel der Neutronen?
(ursprünglich anstatt Neutronen Dämonen, von der DDR Zensur geändert, nach 1989 alte Version)
= Dämonen lässt Mehrdeutigkeit zu, wobei das gesamte Lied Zustand der Bedrohung und Angst beschreibt (irrational), welcher nicht durch Irrationalität verhindert werden kann.
= Neutronenbombe, eine Erfindung des Westens, des so lächerlichen Schauspielers als Präsident Ronald Reagens
Wird dieser Kuss und das Wort, das ich dir gestern gab
= Rückgriff auf erste Strophe: erst der Tanz, dann der Kuss und schließlich das jJa-Wort
Schon das Letzte sein?
= Schmusi-Ansprache für junge Leute, hochtrabend getextet, wiederum sind Endzeitszenarios (Angst vor Drittem Weltkrieg) damals in DDR gegenwärtig, gepaart mit der geteilten DDR-Welt in privat und öffentlich
Wird nur noch Staub und Gestein ausgebrannt alle Zeit
Auf der Erde sein?

= Beschreibung, wieder etwas hochtrabend, eines Szenario nach einem Atomkrieg
= populärer Verweis auf DDR-Science-Fiktion-Film „Staub der Sterne“, 1976“
Uns hilft kein Gott, unsere Welt zu erhalten
= Verweis auf „sinnlose“ Aktionen der oppositionellen, zumeist kirchlichen Friedensbewegung in der DDR („Schwerter zu Pflugscharen“)
Fliegt morgen früh um halb drei nur ein Fluch und ein Schrei
Durch die Finsternis?
Muss dieser Kuss und das Wort, was ich dir gestern gab,
Schon das Letzte sein?
Soll unser Kind, das die Welt noch nicht kennt,
Alle Zeit ungeboren sein?

= in der DDR wurde im Vergleich zum Westen in wesentlich jüngeren Jahren Kinder bekommen, was Staat unterstütze, ist also reale Beschreibung eines jungen Paares mit gerade 19 oder 20 Jahren, die ein Kind bekommen und stellt zusammenfassend das vermeintliche sozialistische Glück einer jungen Beziehung, ausgedrückt durch Tanz-Kuss-Wort als scheinbar dar, weil die Bedrohung nachts, wenn alles schläft, unaufhaltsam kommen könnte, wenn man nichts dagegen tut
Uns hilft kein Gott unsere Welt zu erhalten
= und weil es dem Texter, der brav dem DDR-Tenor folgt, wichtig erscheint, wird zum zweiten Mal betont, dass es zu dieser Bedrohung keine Alternative gibt, viel mehr gilt es, das junge Glück auf der DDR-Erde zu beschützen, indem man gegen die Aufrüstung (des Westens) auftritt

 

Wie vermengt man das sogenannte Private im Sozialismus zum Kampf für den Frieden?
Welt/Blauer Planet/ Praxis gewordene Theorie der Welterklärung tanzt im Fortschritt zum Kommunismus
Fieber (Dämonen/Neutronen=Kapitalismus) unterbricht Tanz
Glück Ist erfahrbar/erkämpfbar/unaufhaltsam als Sozialismus und kein Spiel
(Falsch)-Spiel mit vollen Einsatz verbrennt Tanz, Kuss und Wort zu Staub und Gestein
Was tun?
Gott als Alternative hilft nicht verursacht Gegenteil
Nachts in der Finsternis anstatt zu zweit kommt die Gefahr/Dämonen/Neutronen
Gefahr als Fluch des Kapitalismus als alles  verschlingende Moloch der vor nichts zurückschreckt
Was also hilft Dem Ungeborenen nach dem Ja-Wort zu schützen
Gott als Alternative hilft nicht verursacht Gegenteil
Ausweg ist Kampf für DEN FRIEDEN gegen die VERURSACHER
ist Kampf damit für DEN SOZIALISMUS gegen den KAPITALISMUS

Schrecklicher Lieder – 02 – Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte
(Geflügeltes Wort von Max Liebermann)

Anfang der 80er war ich, sehr jung, bei einer „Fete“ in Weimar. Ich kann mich nur an eine Szene von damals erinnern. Ich musste mal, ging’s auf’s Klo und über dem Pissoir stand mit gespreizten Beinen jemand, um zu pinkeln. Ich brauchte etwas bis ich verstand, warum da jemand so pinkelte. Es war eine, in meiner damaligen Sprache ausgedrückt, „Punkerin“.
Ganz sicher haben wir in Weimar Musik gehört. Vielleicht spielten Bands. Ganz sicher hörten wir nicht die Musik der etablierten, von Staats wegen protegierten DDR-Bands. Und über eine dieser Bands gleich mehr.
Wir waren in unterschiedlichen Art und Weisen nicht konform mit den Vorstellungen der DDR-Oberen. Wir sahen anders aus. Wir hörten andere Musik. Wir lasen die alten Bücher anders und verbotene dazu. Wir benahmen uns anders. Und schließlich hatten wir andere Meinungen von Geschichte, Gegenwart und Zukunft der DDR. Und letztendlich, weil wir, in einer Nische lebend, dennoch immer mit dem Staat uns auseinander setzten mussten, weil er uns, wenn schon nicht „raus“, nicht wenigstens „in Ruhe“ ließ, dachten und redeten wir unablässig, wir wir es und ob wir es hier aushalten könnten, ohne uns aufzugeben. Unsere eigene Sprache, die sich aus der Zeit, unserem Alter und der besonderen Situation des Lebens in der DDR gebildet hatte, klingt heute sehr fern. Wohl für viele jüngere ähnlich fern, wie für mich, als ich meine Großmutter fragte, weil sie mir als Kind so alt erschien, ob sie ganz früher mal Urmensch gewesen sei. Dennoch Begriffe, wie „Zone“ für DDR, „Abhauen“ für Ausreise ohne Wiederkehr aus der DDR, „für oder gegen den Staat“ rauchen, je nachdem, wo das Wappen auf der Zigarette war, geben lakonisch, schnoddrig, dennoch klar unseren Alltag wieder.
Sie oder wir. Nicht wir stellten diese Aussage in den Raum. Vielmehr drängte man uns so lange, am liebsten in jungen Jahren, bis uns nichts mehr übrig blieb als zu sagen, alles andere muss besser sein als dieser Staat, dem faktisch jedes Mittel recht war, uns zu brechen. 1987 wurde in der DDR die Todesstrafe abgeschafft. 1981 wurde nicht weit von meiner Wohnung in Leipzig in der Justizvollzugsanstalt Leipzig in der Bernhard-Göring-Straße der letzte Mensch per Unerwartetem Nahschuss hingerichtet.

Es gab also jene und es gab uns.
Eine derjenigen war die Band „Karat“. Eigentlich ist eine Erwähnung dieser Band banal. Keiner von uns nahm ihre Lieder ernst. Weder ihre deutschen Texte noch ihre, dem populären Zeitgeist des Westens hinterherrennenden, meistens ein paar Jahre zu späten, musikalischen Versuche, sollten Bestand haben, dachten wir, denn leider war dem nicht so. Die Band existiert immer noch. Ihre Akteure sind teilweise über siebzig und da der Sänger verstarb, singt dessen Sohn.
Ein Liedchen, bis heute gerne gespielt, heißt „Blauer Planet“:

Blauer Planet
Autoren: Ulrich Swillms, Norbert Kaiser

Tanzt unsere Welt mit sich selbst schon im Fieber?
Liegt unser Glück nur im Spiel der Neutronen?
(ursprünglich anstatt Neutronen Dämonen, von der DDR Zensur geändert, nach 1989 alte Version)
Wird dieser Kuss und das Wort, das ich dir gestern gab
Schon das Letzte sein?
Wird nur noch Staub und Gestein ausgebrannt alle Zeit
Auf der Erde sein?
Uns hilft kein Gott, unsere Welt zu erhalten
Fliegt morgen früh um halb drei nur ein Fluch und ein Schrei
Durch die Finsternis?
Muss dieser Kuss und das Wort, was ich dir gestern gab
Schon das Letzte sein?
Soll unser Kind, das die Welt noch nicht kennt
Alle Zeit ungeboren sein?
Uns hilft kein Gott unsere Welt zu erhalten

Eingängig. Passend zu dem musikalischen Geist der Zeit. Ein sehr trockener, etwas dünner Grundbeat wird umspielt von einem Basssyntheziser. Hat Disco-Qualität, die zum Mitklatschen gut geeignet ist. Die Gitarre schafft einen Gegenpol, weil sie spielerisch und im Klang fremd wirkt. Der Schlagzeug-Break in der Mitte erinnert an Phil Collins „In the Air Tonight!“, Anfang 1981 erschienen.
Das Lied war ein Auftragswerk zu einem Konzert für den Weltfriedenstag am 1. September 1981 in der Hauptstadt der DDR Berlin.
Anfang der 80er herrschte zwischen Ost und West der Kalte Krieg. Der Westen, insbesondere die USA, versuchte unter ihrem konservativen Präsidenten Ronald Reagan den Osten tot zu rüsten. Mittels der gegenseitigen nuklearen Bedrohung drohte bei Ausbruch eine Katastrophe. Verunsicherung, Angst, Endzeitstimmung, Ausweglosigkeit, Perspektivlosigkeit waren keine Möglichkeiten einer Jugend, vielmehr waren sie ein weit verbreiterte Zustand. Wer wollte in dieser Welt leben oder gar Kinder in sie hineinsetzen. Durchaus vergleichbar mit heute. Auch heute schwebt die nukleare Bedrohung Russlands im Krieg gegen die Ukraine an alle, die mit Waffen der Ukraine helfen. Und heute schwebt die allgemeine Angst vor den Gefahren der Klimaveränderung über allen. Vor vierzig Jahren gab es die Warnungen ebenso, nur waren sie nicht allgemeiner Konsens wie heute.
Damals ging es um die SS-20-Raketen der Sowjetunion, welche die Hauptstädte des Westens innerhalb von Minuten zerstören würde.
Die Antwort des Westens war der Nato-Doppelbeschluss, und eine Art Superwaffe, die Neutronenbombe.
Der Osten versuchte mit allen Mitteln dagegenzuhalten und stellte sich als Friedensengel dar, u.a. mit dem Lied zu Picassos „kleiner weißen Friedenstaube“.
Kulturell wurde mit dem musikalischen Popzeitgeist des Westens an der Kulturfront in Ost und West Betrieb gemacht. Das Lied von Karat „Der blaue Planet“ ist ein Beispiel für verschiedenste, textlich ähnlich gelagerten Lieder der etablierten Popmusik in der DDR. Inhaltlich ist es immer das Gleiche. Schuld ist der Westen und alles könnte doch ganz einfach sein, wenn man den gesunden, allerdings nach DDR-Lesart Menschen-Verstand, anwenden würde. Ein bisschen DDR-Frieden kann doch nicht so schwer sein, denn für Frieden und gegen Krieg sind wir doch alle.
In besagten Lied soll die DDR-Kultur-Zensur in dem ursprünglichen Text eingegriffen haben. Der Vorwurf war, die Sprache sei zu unspezifisch. Das Böse, sprich der US-Imperialismus, musste noch erwähnt werden. Deshalb änderte man in der zweiten Zeile das Wort Dämonen in Neutronen um. Passte gut, den jeder fand die Versuche einer Neutronenbombe schlecht.
Dann gab es noch einen Bezug, was bei der Beschreibung der Erde vom Weltall aus, jeder DDR-Bürger verstand. Juri Gagarin, der erste Kosmonat beschrieb bei seinem ersten Versuch:
„Ich sehe die Erde! Ich sehe die Wolken, es ist bewundernswert, was für eine Schönheit!“
Der erste Verweis ist also die Schönheit des Planeten Erde, wie sie ein Sowjetmensch, der nicht an Gott glaubt, wirklich als erster Mensch gesehen hat. Und jetzt wird es gemein. Jeweils als eine Art Abschluss gib es einen verbalen Faustschlag gegen die Opposition im eigenen Land.
Und da hatte sich emotional nicht viel geändert zu Wilhelm Zwei, als er 1914 zum 1. Weltkrieg ausrief, nur noch Deutsche zu kennen, die natürlich für den Krieg sind. Wer dagegen ist, kann nur ein Verräter, ein Vaterlandsverräter sein. Und im Text bei Karat ist es nicht viel anders. Wer mit irgendwelchen der Bibel entnommenen Zitaten für den Frieden und für die Abrüstung in Ost und West wirbt, muss ein Irrer oder ein DDR (Vaterlands)-Verräter sein.
Zusammengefasst klaubt man ein paar Allgemeinplätze in einer Art lyrischen Sprache zusammen, die niemandem weh tut. Waffen sind immer blöde, vor allem, wenn sie auf einen selbst gerichtet sind. Man nimmt noch einen Querverweis, der in der DDR als bekannt vorausgesetzt werden kann, hinzu und grenzt sich klar vom Nichtstun (Beten oder Pazifismus) ab. Fertig ist die Friedenshymne. Tut nicht weh. Musikalisch einigermaßen auf Westniveau. Ist nicht zu dämlich und kann dazu noch Extrapunkte einfahren, indem man der Friedens-Konkurrenz im eigenen Land ans Bein pinkelt. Denn die DDR und ihre sozialistischen Bruderländer treten doch offensichtlich für den Weltfrieden ein. Sie wollen gar nicht sich am Rüstungswettlauf beteiligen. Werden vom Westen dazu gedrängt. Wer das Gegenteil behauptet, lügt, denn der Marxismus (gleichgesetzt mit DDR) ist allmächtig, weil er wahr ist.

Und nun nach all den Jahren, sehe ich Plakate dieser Band. Sie spielen tatsächlich im April in Offenbach.
Und ich sehe Leute ernsthaft mit der alten, so falschen, so hinterrotzigen DDR-Symbolik, der „kleinen weißen Friedenstaube“, ernsthaft für eine Ende des Krieges in der Ukraine demonstrieren.
Ich verstehe es nicht. Drehe mich angewidert weg und denke, ihr könnt mich mal. Ein Glück, dass ich nicht so geworden bin wie ihr.
Vielleicht sollte ich mich auf eines der Instrumente der Band im April festkleben, um zu erinnern, zu warnen und nicht zu vergessen. Mach ich brav nicht. Vielmehr erzähle ich es hier und ertrag es.
Und zum Pinkeln auf Männerpissoirs in der klassischen „Pullermann pullert im Stehen“ kann ich nur sagen, dass dort mehr übrig bleibt, als bei der klassischen „Pulli pullert im Sitzen/Hocken“ auf dem Klo.
Putze mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Schrecklicher Lieder – 01 – Ich klebeualisiere

Habe vor meiner Haustüre Plakat einer uralten DDR-Gruppe entdeckt.
Die gibt es noch und sie spielen wirklich die Tage in Offenbach.
Schlaffei fand Gruppe gut und schlagerte „Über Sieben Brücken…“ nach.
Mein Problem ist, dass sie gleiche Lieder, wie vor 40 Jahren singt.
Staatsloyale Sentimentalitäten verpackt in Allerweltsfloskeln.
Ist heute vergessen oder wird verklärt, wie etwa:
war doch alles gar nicht schlimm, mussten doch auch leben,
und haben, wie die drüben, ebenso was geleistet.
Ich „klebualisiere“ mich deshalb an,
um zu erinnern, zu protestieren und aufzurütteln,
dass es so nicht war.
Ich weiß es. War ja da.
Von diesem Scheiß-Land mit seinen Scheiß-Funktionären und deren Scheiß-Ausreden bleiben mir Muckefuck und schreckliche Lieder in Erinnerung, von einem werde ich hier erzählen, in mehr Worten als gedacht.

01 Schrecklicher Lieder – 01 – Ich klebeualisiere
02 Schrecklicher Lieder – 02 – Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte
03 Schreckliche Lieder – 03 – Geschrieben in der DDR
04 Schreckliche Lieder – 04 – Geboren in der DDR
05 Schreckliche Lieder – 05 – Fussnoten

Wundern und innehaltend, Teil 2

Popmusikalisch, wie auf der Weltenbühne, endete viel schon um 1977. Das Neue brauchte etwas Zeit, ehe es von allen Spatzen getschilpt wurde:
Die Scorpions hatten mit „Wind of Change“ dem Kleingartensozialismus in Osteuropa die Leichtigkeit der kapitalistischen Freiheit vorgepfiffen. Die Lieder im Kleingarten waren öde, uncool und offensichtlich falsch. Es wurde gelogen, geschönt und die Wirklichkeit verbogen. Es wurde so schlimm, dass keiner singen mochte. Der Rest ist Geschichte. Popmusikalisch ballerte der neoliberale Kapitalismus mit der Vereinnahmung von Punk und Techno zurück und zwar so sehr, dass sich alle Metallarbeiter die Haare abschnitten (Wer kann zwei Bands nennen?) und darüberhinaus Jethro Tull (Was ist das?) den Grammy Award for Best Hard Rock/Metal Performance Vocal or Instrumental gewann.
Heute, Jahrzehnte später, gibt es sie noch alle. Digitaler, verfügbarer, austauschbarer, verwertbarer, altersloser. Ein, zwei von denen leben auf einer musikalischen Insel, zur Festung ausgebaut, uneinnehmbar. Sie spielten damals den Soundtrack der Entfremdung, der sich in Bellen und Heulen von Hunden, keine menschlichen Laute weit und breit, verdichtete. (Welche Band vertonte 1977 indirekt den Roman „1984“ von George Orwell?)
Ich muss, nach wie vor, so persönlich es mir leid tut, weil mir die Worte fehlen, vor dem Kapitalismus salutieren. Dort kann ich wenigstens in der Zentralbibliothek die Bücher ausleihen, die in der Kleingartensozialismus-Bücherei mit dem Vermerk „Geheim“ der Allgemeinheit vorgehalten wurden, beispielsweise George Orwell „1984“.
Auch deshalb bin ich häufiger auf der Töngesgasse in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei Frankfurts, wo unweit das Foto aufgenommen wurde, was so nahtlos für den Kapitalismus steht, weil er es sich leisten kann,
in St. Bartholemus über seine Seelenlosigkeit zu klagen,
im MMK ihn künstlerich bloẞzustellen,
in der Stadtbibliothek über seine Verwerfungen zu lesen,
um schlieẞlich den teuersten Döner Frankfurts bei Ton Bull gegenüber zu kaufen.
Ein schöner Tag im Kapitalismus!

Letzte Kleine Küche 2022

Wenn Zeit bleibt, könnte es auf den Wissenschaftsseiten der Vowi zum Jahresabschluss einen Text über diesen ästhetischen Rausch am Beispiel der sieben Todsünden
Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit geben.
Ausgangspunkt sind die Foto-Ausstellung „Wirte im Lockdown“, die Tour-Ankündigung einer Sängerin, eine Serie in der ARD „Eldorado-KaDeWe“, das Vierphasen-Model eines Fußballspieles von Louis van Gaal, natürlich mit zunehmenden Alter die eigene Vergangenheit, ein Foto, sowie dem Wunsch mit einer Tätowierung das neue Jahr zu beginnen.
Aber erstmal schnipple ich mit Kolo Fabuani Rotkraut.

Im nächsten Jahr am 03.01.23 geht’s weiter.
Die Vowi hat am 24., 25., 26.12.22 und am 01.01.23 zu.
Am 28. und 31.12. gibt es -aus gutem Grund- geschlossene Gesellschaften.

Petite Cuisine, 17.11.22

Wenn ich mich für Themen interessieren möchte, worüber ich keine Ahnung habe, kann ich öffentlich-rechtliche oder private Anbieter als Quelle nutzen.
Am Beispiel Bob Marley und Cannabis, wo es durchaus Schnittmengen gibt, ist mir der qualitative Unterschied aufgefallen.
Im Deutschlandfunk gibt es in den letzten Wochen u.a. die aufgelisteten Sendungen über Cannabis im weiteren Sinn. Das Thema wird unaufgeregt, sachlich und aufklärend angegangen und diskutiert. Ich wäre in der Lage mir daraus einen eigene Meinung zu bilden.

DLF
Sport am Sonntag:
Legalisierung von Cannabis. Was die Freigabe von Haschisch für den Sport bedeuten würde
https://www.deutschlandfunk.de/cannabis-legalisierung-doping-sport-100.html

DLF
Sprechstunde:
Kiffen und Co – Die gesundheitlichen Folgen von Cannabis-Konsum
https://www.deutschlandfunk.de/kiffen-und-co-die-gesundheitlichen-folgen-von-cannabiskonsum-dlf-f5ec865c-100.html

DLF
Wissenschaft im Brennpunkt
Das Down danach. Was Cannabis mit Jugendlichen macht
https://www.deutschlandfunk.de/das-down-danach-was-cannabis-mit-jugendlichen-macht-100.html

DLF
Wirtschaft am Mittag, Firmenporträt:
Cannopy Growth – Kanadischer Cannabis Pionier mit Problemen
https://www.deutschlandfunk.de/firmenportraet-cannopy-growth-kanadischer-cannabis-pionier-mit-problemen-dlf-6f119e19-100.html

DLF
Feature
Geschichten über den Hanf. Pflanzenkönig mit Spaltpotential
https://www.hoerspielundfeature.de/freistil-pflanzkoenig-mit-spaltpotential-100.html

DLF
Wissenschaft im Brennpunkt
Drogen in der Psychotherapie. Markt der Magischen Pilze
https://www.deutschlandfunk.de/psychedelika-psilocybin-ketamin-depression-psychotherapie-100.html

Im frei verfügbaren Podcast „Musikgespräch“ wird von zwei jüngeren Wissenschaftlern sehr breit Themen um Musik dargestellt. Bob Marley war letztes Jahr Schwerpunkt. Leider aber wirkt alles aufgeregt, zwischen flippigen Unireferat und sehr selbstbewußten Darstellen des eigenen Wissens pendelnd. Die Podcaster können sich nicht entscheiden, ob sie erzählen, analysieren, deuten, werten oder gar nur über sich selbst sprechen wollen. Von allem ein wenig, zu stark gewürzt, zu heiß gekocht – im übertragenen Sinn. Der Eindruck, der mir bleibt, sowie die Art und Weise des Vortrages, lassen mich ratlos und müde zurück. Ich bin nur schlecht in der Lage mir eine eigenen Meinung zu bilden.
Wiederum wird sehr ordentlich im Begleittext genutzte Sekundärliteratur angegeben. Eine Liste der genannten Lieder auf Spotify ist ebenso vorhanden, wenn man einen Account hat.

Home Musikgespräch


https://musikgespraech.de/2021/09/15/bob-marley-und-die-erfindung-des-reggae/

Petite Cuisine, 16.06.22

Möbliertes Lied
Einstürzende Neubauten, Alles in Allem, 2020

Ich hab unser Lied frisch renoviert
Die Wände verputzt
Einen neuen Ton ausprobiert
Ich hab die Strophen abgezogen
Einen Wandschrank als letzte Zuflucht präpariert
Einen Durchbruch nach draußen geschlagen
Eine Öffnung ins Freie initiiert

Die verbrauchten Metaphern hab ich im Giftmüll entsorgt
Mit neuen unbenutzten ausreichend vorgesorgt
In der Makulatur hab ich die richtigen Zeilen gesucht
Dazwischen alle Lügen vor- und rückwärts abgekratzt und verflucht
Den Hergottswinkel leer geträumt
Offene Reite, nichts von eilig
Um Himmelswillen keinen Gott

Ich hab unser Lied neue möbliert
Ein paar Sitzgelegenheiten aus den 60ern aufgepolstert restauriert
Ein großes Bett ist neue bezogen
Frei schwebend installiert

Wir werden auf der Dachterasse warten
Abholung garantiert
Unsere Tochter wird hier wohnen
Gut mit, gut ohne uns
Was immer sie an Neuem findet
Was sie herbringt
Um Himmelswillen keinen Gott

Ostern ist offen.

Ostern ist offen.
Karfreitag ab 17.00, Karsamstag ab 15.00, Ostersonntag ab 15.00, Ostermontag ab 17.00

Im Gegensatz zur Downing Street kann hier immer, auch karfreitags, getrunken werden.
Mary Elizabeth „Liz“ Truss, die fast zehn Jahre jünger als ich ist, hat nicht u.a. den Geburtstag ihres Chefs mitgefeiert, weil sie nie da war. Unterwegs für ihn.
Patricia Lee „Patti“ Smith, die zwanzig Jahre älter als ich ist, hat sich vor 44 Jahren mit einer Osterbotschaft geäußert.
Weder ihr Schirm noch all das, was Mary Elizabeth „Liz“ Truss in ihrer Tasche mitführen kann, würde helfen, Patricia Lee „Patti“ Smiths österliches Gedankengut abzuhalten, wegzuwischen, aufzufangen.
Ein Ring am Ringfinger der linken Hand bei beiden Frauen scheint mir die einzige Gemeinsamkeit rein äußerlich zu sein. All das, was beim Foto der Schallplattenhülle von Patricia Lee „Patti“ Smith mehrdeutig ihre Sexualität anspricht, wirkt bei Mary Elizabeth „Liz“ Truss, strengstens geschützt, überdimensional in Szene gesetzt als besonders wichtig, gemeint staatsmännisch, dennoch sehr weiblich. Die englische Schriftstellerin Hillary Mantel, die drei dicke Romane über Aufstieg und Fall des Staatsmannes Oliver Cromwell (Mittelalter in England, Heinrich der 8., der mit den vielen Frauen) geschrieben hat, bezeichnete diese zur Schau getragenen Taschen als rotierenden weiblichen Außenbordmotor eines bestimmten Körperteils.
Platz lassend für den PS-starken Motor der Mary Elizabeth „Liz“ Truss schaute ich voller Passion auf Patricia Lee „Patti“ Smith und verschwand in die Küche, um was zu kochen. Kein Fisch. Grüne Soße, wenigstens aus Deutschland, französische Kartoffeln, Schweineschnitzel aus dem Vogelsberg und Eier hatte ich unterwegs vom Osterhasen. Er war himmlische Erscheinungen schauend in einer Stadt mit drei z. Und von heute an reden wir über das Gründonnerstags-Wunder. Ab 17.00.