Küssen

Manche Dinge kann man scheinbar nicht historisieren. In Sachsen wurde vor knapp vierhundert Jahren zumindestens -rhetorisch- nicht anders geküßt als heute.

Paul Flemming

Wie er wolle geküsset seyn

Wie er wolle geküsset seyn

Nirgends hin / als auff den Mund /
da sinckts in dess Hertzens Grund.
Nicht zu frey / nicht zu gezwungen /
nicht mit gar zu fauler Zungen.

Nicht zu wenig / nicht zu viel!
Beydes wird sonst Kinder-spiel.
Nicht zu laut / und nicht zu leise /
Beyder Mass‘ ist rechte Weise.

Nicht zu nahe / nicht zu weit.
Diss macht Kummer / jenes Leid.
Nicht zu trucken / nicht zu feuchte /
wie Adonis Venus reichte.

Nicht zu harte / nicht zu weich.
Bald zugleich / bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam / nicht zu schnelle.
Nicht ohn Unterscheid der Stelle.

Halb gebissen / halb gehaucht.
Halb die Lippen eingetaucht.
Nicht ohn Unterscheid der Zeiten.
Mehr alleine denn bei Leuten.

Küsse nun ein Jedermann /
wie er weiss / will / soll und kan.
Ich nur und die Liebste wissen /
wie wir uns recht sollen küssen.

Zum Thema Küssen gibt es noch -ich erwähnte es bereits-, von
Bonnie Prince Billy
und
Scout Niblett,
die beide mit neuen CDs glänzen bzw. bald glänzen ein Lied, welches Kuß heißt:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=0uDlvl7jNn8&hl=de_DE&fs=1&]

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