Kuschelig nach Marxismus-Leninismus

Es gibt dieses schaurig schöne kuschelige Gefühl, das Sich-Einpacken in wonnige Wehmut.
Lenkt man die Wehmut in Sehnsucht und gibt ihr einen machbaren Sinn und packt sie schließlich in poppige gefällige Formen, kommt ein kuscheliges, aber ideologisch korrektes Lied heraus.

Das Kleine und Poplige an der DDR wurde dann auf einmal ganz groß als die Umsetzung einer Idee. Zünde dir nicht die Zigarette an einer Kerze an, dann stirbt eine Seele, hörte ich oft auf den abendlichen Treffs und Feten vor etwa dreißig Jahren, als dieses Lied von Holger Biege, dessen Text von Fred Gertz ist,  im Radio lief.  Aber es galt, nicht zu vergessen, wo man lebt. Denn hier wurden die Vorgaben der großen Dichter und Denker umgesetzt. Das kleine Paradies war schon fast fertig, und wer selber Ideen hatte, musste sie nur den Gegebenheiten seiner kleinen Kammer anpassen.

Sagte mal ein großer Dichter,
daß ein Mann im Leben die drei Dinge schaffen sollte, daß es lohnt.
Er sollt einen Baum einpflanzen und ein Buch im Leben schreiben
und dann sollt er zeugen einen Sohn.
Ja, so einfach sprach er aus das Wort, und nun lebt es in den Menschen fort,
aber wie nur, wie nur, wie nur macht man es wahr?

Denn ich kannte viele Bäume, die vor ihrer Zeit schon starben,
irgendetwas standen sie im Weg.
Darum scheint es mir viel klüger,
einen Baum mir auszusuchen,
den ich in der großen Stadt dann pfleg‘.
Ja so einfach sprach er aus das Wort, und nun lebt es in den Menschen fort,
Aber so nur, so nur, so nur hat es noch Sinn!

Wieviel Bücher hat die Menschheit,
und wie kurz ist so ein Leben,
nur ein Bruchteil davon liest man dann.
Warum denn ein Buch noch schreiben,
viele ungelesen bleiben,
nicht zu reden davon, ob man’s kann.
Ja so einfach sprach er aus das Wort, und nun lebt es in den Menschen fort,
Aber wo nur, wo nur, wo nur ist noch der Sinn?

Wieviel Kinder hat die Erde,
wieviel Eltern haben Sorgen,
nicht alltäglich ist das täglich Brot.
Kinder bleiben ungeboren,
Frauen haben sich geschworen,
selber zu entscheiden ohne Not.
Ja so einfach sprach er aus das Wort, und nun lebt es in den Menschen fort,
Aber wo nur, wo nur, wo nur ist noch der Sinn?

(Leider habe ich keine alten DDR-Rundfunkaufnahmen gefunden, sondern nur unten stehendes Video. „Sagte mal ein großer Dichter“ fängt bei 3.37 an)
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=hIdcG8qQa3E]

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