Kategorie: Vowi

Alles, was mit der Vowi zu tun hat und manchmal gibt es auch keinen Zusammenhang

Petite Cuisine, 08.03.22

Geplant im März, aber nicht ganz fest!
08.03. Lasagne, Bolognaise und Pesto mit Nudeln
10.03. Cordon bleu mit Bratkartoffeln und Gemüse

15.03. Burrito, Linsensuppe
17.03. Vowi-Sandwich, Eintopf

22.03. doch schon mal Grüne Soße, weil dieses Jahr Ostern so spät ist?
24.03. Rinder (?)-Geschnetzeltes mit Pilzen, Sahnesoße, Nudeln

29.03. Chili con Carne, Chili sin Carne, Feijoada ?
31.03. Cordon bleu mit Getzen und Tomaten-Zwiebelsalat

Sehr bald!
Vor vierzig Jahren.
Fortsetzungsromanchen

Angedachter Versuch bei wärmeren Wetter!
Cuisine du dimanche:
einmal im Monat sonntags einfacher Mittagstisch mit Fab

Und schliesslich
wird da noch was, zum x-mal, von einem Straßenfest im Sommer gemunkelt

Und weil der Krieg sich nur kurzzeitig verdrängen lässt, muss man sich damit auseinandersetzen.
Ein Politologe erklärt Zusammenhänge.
Rückkehr zum Imperialismus? Herfried Münkler über Putins Großmacht-Träume
27.02.22, DLF

Petite Cuisine, 03.03.22

Was tun?
Helfen. Nachfragen. Hoffen.

Dekoder ist ein Online-Portal über Russland und Belarus. Finanziert via Stiftungen und Deutschen Staat. Für mich wichtige Quelle.
KRIEG IN DER UKRAINE – AKTUELLE LESEEMPFEHLUNGEN
Dekoder

Virtuelle Seiten eines politisch weit auf einer Seite stehenden jungen und unbekümmerten Journalisten. Mit besten Kontakten überall dahin, wo man vielleicht nicht gerade sein würde. Immer sehr interessant, wenn ich auch manches anders sehe. Die letzten beiden Podcasts.
Popular Front

Kurzurlaub auf O.

Da ich unfreiwillig zu einem Kurzurlaub bis mindestens Freitag auf einer der griechischen Inseln verweile, gibt es diese Woche keine Kleine Küche in der Vowi.

Als ich auf der Insel angekommen bin, erhielt ich einen ausgemacht freundlichen Anruf des Fremdenverkehrsamtes. Man fragte nach meiner Gesundheit, ob ich die drei Anis-Varianten der Insel probiert hätte, ob meine Familie auch im Urlaub wären
oder es sich überlegten nachzukommen. Auf meine Frage hin, warum man gerade mich anrief, wurde ohne Scham von meinem Alter gesprochen. Ich sei ja nun auch nicht mehr der Jüngste. Da seien 7-10 Tage Auszeit besser als diese ewigen Pastis-Orgien in einem mir bekannten Lokal. Den Anis als Pastis in Erinnerung, den Anis als Ouzo vor mir auf dem Tisch, den Anis als Raki gleich gegenüber auf dem Festland nicht unerreicht fern, fremdelte ich immer weniger. Die anderen schleimlösenden Varianten des Anis als Schnaps, wie Absinth oder Sambuca, interessierten mich ausnahmsweise nicht.
Und schließlich gab man mir die Abreisezeiten durch. Der frühste sei am Samstag per Schiff. Ich behielt meine Seekrankheit für mich. Nur die peinvollen Erinnerungen, dass der Sprung, am Ende der Welt in die gefährlichen Strömungen zu den vorgelagerten Inseln damals als alleiniger Ausweg erschien. Orchestriert durch das Jauchzen der Kinder bei jeder neuen Welle, die das kleine Boot spielend hoch und runter geradezu fliegen ließ.

Hier die ersten Aufnahmen aus dem fernen O. Am Ende sieht man mich trinkend, glücklich fest auf der Erde stehend, den Hafen in Sichtweite, die Seekrankheit im Nacken.

Schwankschwindel

Nachtrag zum Verfall

Post von der Hausverwaltung: von „Kontantin der einen Opel fuhr“ A. D. 1453. Weitergeleitet von Mehmed II mit späteren Grüßen von Süleyman I. und Hürrem, wie man mit alten Dingen umgeht, sie umwandelt, neues baut, diese bewahrt oder nichts macht:
… Bzgl. der abgebrochenen Teile der Hausfassade (Jordanstr. 13) bitten wir Herrn M… diese nicht zu entsorgen, sondern aufzubewahren. Hier wird sich jemand mit Herrn M… in Verbindung setzen …
Und so lese ich aus der Zukunft heute meine Vergangenheit später, und des Nachts träume ich vom Tageswerk und beim Aufwachen denke ich, das kann doch nicht alles wahr sein, sei es erfunden, etwas freier nacherzählt, erlebt, geträumt oder längst vergessen:

Noch im Wasser, noch im Sand
klebt der Zucker was zusamm’n (sorry auch im Traum passt ja nicht immer alles auf den ersten Reim)

Verwelkte Blume, Gebrochener Stein
Das Haus der Heimat ist nicht fein

Ist die Stadt dann autofrei,
park ich den Tesla gebührenfrei

Das Butzenglas trübt doch die Sicht
Wo ist der Jordan in dieser Gischt

Wackel nur Caya, los der Leine
und bell dem Bürgermeister deine Reime

Am Sonntag bleibt die Kneipe zu.

Verfall und Untergang der Vowi

Wenn eines Tages vom Verfall und Untergang der Vowi gesprochen wird, könnten, ähnlich wie bei anderen großen Imperien, vier Gründe genannt werden, die alle berechtigt, aber nie umfassend dieses schreckliche Schauspiel einrahmen können.
(Vor dem nächsten Satz Luft anhalten und alles mit nach und nach spannungsgeladener Intonation, mit kurzen, in der Stimmhöhe nach oben gehendem Staccato, wiederum zum Schluss langsam und betont lesen oder sprechen.)
So wie der steuerlich absetzbare Ausschankverlust einem Rinnsal gleich aus einem kaputten Zapfhahn tröpfelt und das Fundament untergräbt, damit Einstürze verursacht, die Kosten ergeben, die eines Tages nicht mehr beglichen werden können, weil alles, aber auch alles, vertröpfelt, verschüttet und vergossen ist.

Hast’n gefunden?
Bei den Männern landen die Tropfen, da ja kein Papier neben den Pissoirs liegt, in der Unterhose und auf dem Boden. Vor lauter evolutionärer Gebietsmarkierungen verklärt sich der Geruch zu der bekannten spätnächtlichen Dekadenz, von der ein mittlerweile vergessener Politiker vor langer Zeit sprach. Dies ist der erste Ansatz. Es stinkt zum Himmel. Alle rümpfen die Nase. Nur keiner wischt’s weg. Vielleicht hätte auch hier ein Putzroboter geholfen. Ein Kamerad für den Wirt.

Überbringer der Nachricht
Als die Katastrophe, die zum Verfall und Untergang führte, in der Vowi ausbrach, so der zweite Ansatz, floh der eine Teil panikartig in alle Richtungen, ohne zu wissen, dass überall längst die Seuche grassierte. Der andere Teil ergab sich in stiller Frömmelei dem bierseligen Suff, schunkelte zu abgeschmackten Liedern, in denen das Europa der Vowis und deren Herzenswärme ausgerechnet vom Prätorianer-Chor des feldmausgesichtigen Kommandanten besungen wurde. Ganz verrückt wurde es, als unser Latein mit griechischen Ausdrücken unterwandert wurde, wie Δ, Ο, αυγά, vibe, Diggah, αδερφός, γαμώτο, καταλαβαίνετε τι εννοώ, σπασμένο, ραπ για ράπερ, ανταγωνισμός, κλικ, Instagram, αναδημοσίευση, περιεχόμενο, ωραία, ηλικία, beats, παιδιά, 31 ετών, κύριος, οικογένεια , προσωπικότητα, ροή, ρέει.
Bald war keiner mehr da, der es buchstabieren konnte und einen Carola-Gutschein besaß, um diesen in der Vowi einlösen. Der Wirt, wenn er die Seuche überlebt hätte, wäre allein in der Welt. Schön allein.

Verlustangst transformiert
Wann es anfing, lässt ist nicht genau sagen. Wie das Alter nach und nach Besitz ergreift, man die Haare verliert und Falten sich manifestieren, so schlich sich etwas ein. Eine Transformation. Gleichzeitig verschoben sich die empfundene, erlebte und erzählte Zeit. Sie verdrängten das Bisherige das zum Mythos deklariert wird. „Good old music“ steht unter dem Namen einer Kneipe im Frankfurter Nordend. Damit werden keine Walzer, Operettenmelodien oder Obertonmusik aus Tuva gemeint sein, obwohl diese viel älter, als die hier verheissene und anhand des Kneipennamens benennbar ist. Eine achtzehnjährige Frau tat mir ernsthaft kund, dass sie kein besseres Lied kenne als „Sing mein Sachse sing“ und es, davon sei sie überzeugt, nie ein besseres geben werde. Vielleicht waren es die neuen Farben an den Wänden der Kneipe, die „Dächer von Paris“ und „Stille Eleganz“ hießen. Als auf einmal eine junge Frau am Tresen nicht laut, dennoch klar genug, dass wir es alle hörten, rülpste und ihre Freundin von der Toilette kommend, sich nicht im Spiegel ihres schönen Scheins vergewisserte, sondern den Reißverschluss ihres Hosenstalls ohne Diskretion schloss, verwischte, veränderte, verlor sich die Vowi in der Zeit. Schließlich bestellte einer, der nie etwas anderes als Binding getrunken hatte eine Coca-Cola. Der Wirt stellte ihm ein Pepsi hin und sprach das Koan: „Die einsame Cola macht den Wirt trunkener als den Gast“.

Drunter und drüber
Weil er den Hals nicht voll genug kriegen konnte von Sandwichmakern, Espressomaschinen mit Blockchain-Technologien und südkoreanischen Filmen mit philippinischen Untertiteln luchste er wie der feldmausgesichtige Kommandant der Prätorianer nach einem neuen Auto. Die Ladesäule dafür sollte direkt vor der Vowi stehen. Dazu benötige er Geld, viel Geld. In einem geheimen Bieterwettbewerb kaufte er das Tannenzapfl, den Prof. Helgoland und im Nordend ein nach einer unansehnlichen Stadt benanntes Kellerlokal unweit des Backstage. Schließlich griff er nach dem Cathering im Waldstadion und wollte aus der Vowi einen Sandwich-Laden machen. Nach zwei Tagen eines Sturmes der Entrüstung im Netz entlud sich die Wut in Wandschmierereien, Verwünschungen. Die Drohungen ließen nicht lange auf sich warten. Ein wütender Mob, digital ausgebrannt, zerschlug symbolisch eine 0 und eine 1, demolierte einen Sandwichmaker und sang auf Philippinisch „Auf die Fresse“. Es kam, wie es kommen musste. Der Wirt befehligte seine hochgezüchtete Armee aus dem Keller, verband sich mit dem Euch bekannten, dauergrinsenden Kommandanten und ein Bürgerkrieg entbrannte. Mit selbstgebauten Erbsenpistolen aus Tic-Tac-Schachteln und Radlerpisttis wurden Anschläge und kaputte Gläser gezählt. Der Kneipenkultur und dem Wirt bekam dies gar nicht. Allein ohne eine Cola blieb ihm Arbeit als Kloputzer in einem neuen Laden. Im Omikron.

Eigentlich wollte ich nur schreiben, dass heute am Sonntag zu ist.