Kategorie: Schönheit

L’art pour l’art – die Kunst um der Kunst willen

Lebensentwürfe

Lebensentwürfe:

Strafaufgabe
Mein Vater starb an Abwesenheit.
Meine Mutter lebt in Ohnmacht.
Aufgewachsen bin ich allmählich.
Und Kinder will ich keine.

(aus Aglaja Veteranyi, Vom geträumten Meer, den gemieteten Socken und Frau Butter. München 2004.)

Das Eine ist das Andere
Das Andere ist das Eine
Ich gehe raus,
verdrehe mir die Beine und weine in dem Lärm
und ziehe einfach Leine

(unbekannter Kritzler auf dem Vowi-Klo)

Gilad Elbom ein 1968 geborener Israeli schreibt in seinem letzen Roman Screams Queens am Toten Meer über die zum Teil absurden Verhältnisse in seinem Heimatland. Untermalt oder besser als Stütze dienen ihm die Kollegen aus dem Heavy or Metal-Bereich: Slayer, Priest, Carcass. Ihre pathologischen Texte nimmt er, um seine alltägliche Lebenssituation zu beschreiben:
„Verkohlte Gliedmaßen und Holocaust-Memorabilen regnen vom Himmel auf friedliche Provinzkäffer herab und ertränken Amerika und Israel in einer grandiosen Flut von Staatstrauer und Leichenteilen.“
So fabuliert er über den Absturz des Space Shuttle 2003 über einen Ort Namens Palestine in Texas, wo eben auch ein israelischer Astronaut ums Leben gekommen ist.
(Gilad Elbom, Screaming Queens am Toten Meer, Berlin 2004, besprochen in FAZ, 19.01.05., S. 36.)

Kartoffeldrücker

Raimund Harmsdorf, der 1998 verstorbene Kartoffeldrücker und Schauspieler, welcher u.a. in Der Seewolf und in Wolfsblut spielte, war Ende 1997 in der Vowi. Es war ein sehr ruhiger Samstagabend. Zwei oder drei Pärchen tummelten sich an den Tischen, und ganz hinten saßen Jan Olaf und der alte Binnenschiffer Captain Lars. Sie waren allerdings nur mit sich selbst beschäftigt. Raimund Harmsdorf und ich tranken Wodka. Er aß eine Gref-Völsings und kippte sich in aller Ruhe zwei Bier rein. Das leichte Zittern in seiner Hand, die ersten Anzeichen von Parkinson, fiel mir auf, aber ich schenkte diesem keine Aufmerksamkeit. Selbstverständlich fragte ich ihn, ob in dem legendären Vierteiler Der Seewolf die Kartoffel gekocht war, die er zerdrückte. Ein schallendes Gelächter war seine Antwort. Dabei erhob er sich mit dramatischer Geste und echauffierte sich über solche Leute, die so etwas über ihn behaupten würden. Schließlich sagte er, dass ich in die Küche gehen sollte, um eine rohe Kartoffel zu holen. Doch vorher wollte er an den jeweils ovalen Enden ein Ei, eine Zitrone und eine Olive mit Kern zerdrücken und als Meisterstück dann die Kartoffel. Leider besaß ich damals noch keine so gute Digitalkamera. Ihr müßt mir die Geschichte einfach glauben. Denn es existiert nur ein Foto von einem zerdrückten oder soll ich sagen zerfetzten Fußball, den Raimund zum Warmmachen geschlachtet hatte.

Ich sah, wie Raimund (oder Sven, vielleicht auch Lars oder Peter) Ei, Zitrone, Olive und Kartoffel mit der rechten Hand zerdrückte und dabei in ein Lachen ausbrach, das ein Symptom des Vowi-Wahnsinns ist und als gefährliche und unheilbare Krankeit gilt.

Ich lobe deshalb einen Kasten Bier aus, wer in der Vowi noch einmal eine rohe Kartoffel in der Hand zerdrücken kann.

In Erinnerung an Raimund Harmsdorf!

Konzerte:
M.I.A. der zurzeit angesagteste World Music-Club Act u.a. 08.07. auf dem Campus Fest in Bockenheim für lau
Bonnie „Prince“ Billy & Matt Sweeney: die traurigste Stimme Amerika singt nur alle Jubeljahre in Europa u.a. am 15.08. in Mannheim, Alte Feuerwache

Konzertereignis des Jahres 2005:
Zappa Plays Zappa: die beiden Söhne des Meisters spielen mit alten Bandkollegen ihres Vaters Musik u.a in am 18.11. in Düsseldorf, Phillipshalle

IM Vowi

Die Hundewirtschaft

Die Hundewirtschaft – eine Fabel:

Ein großer dicker Hund (ein wenig wie Tassilo bei Strizz, nur gefährlicher) kommt in die Hundewirtschaft. Drinne schlecken mehrere Hunde ihr Bier und bellen freundlich. Der große dicke Hund fängt sofort an zu knurren und fordert von den anderen Hunden Unterwerfung. Keiner rührt sich. Ein leicht ergrauter, erfahrener Hund weist den großen dicken Hund zurecht, dass, wenn er nicht augenblicklich seinen Schwanz einklemmt, er den Jäger anbellt und der würde ihn, da der große dicke Hund in einer anderen weit außerhalb befindlichen Hundehütte geboren wurde, wieder dahin schicken.
Der große dicke Hund knurrt noch mehr und lässt die anderen Hunde durch sein lautes Organ nicht zu Wort kommen. Nun schaltet sich ein zottliger Hund ein, bei dem sich Hunde in der Hundewirtschaft leckere Knochen, Wasser, aber auch Bier oder Apfelsaft erwinseln können. Der zottlige Hund, welcher zu Beginn des Streites an einem anderen Platz war, um zu schnuppern und um abzukassieren, versucht zu schlichten und ermahnt den großen dicken Hund, jetzt Ruhe zu wahren, denn er belle pausenlos und der zottlige Hund könne dadurch seine Stammhunde am Tresen nicht befragen. Der ergraute, erfahrene Hund hat immer noch das Hundefon in der Hand und gibt an, den Jäger zu rufen. Die Situation bedarf der Klärung.
So stellt sich der zottlige Hund zwischen den großen dicken Hund und den Ausgang der Hundewirtschaft. Der große dicke Hund knurrt und bellt weiter, und der graue, erfahrene Hund bellt zurück. Der zottlige Hund stellt zu seinem Bedauern fest, dass der große dicke Hund ohne Grund, vielleicht aus einer Laune heraus, angefangen hat, am Kampfttag der Hundeklasse zu provozieren. Er will der König sein. Aber an diesem Tag, der auch ein Tag der Brüderlichkeit zwischen den unterdrückten Hundeklassen sein soll, kann man dies nicht durchgehen lassen und sich winselnd zurückziehen – vor allem wenn es keinen Grund hierfür gibt. Der zottlige Hund lässt, nachdem er bemerkt hat, dass ein friedliches Schwanzwedeln nicht möglich ist, den großen dicken Hund seiner Wege ziehen. Er gibt ihm allerdings keinen Napf mit, welchen er ursprünglich erwinseln wollte. Beim Verlassen der Hundewirtschaft ruft der große dicke Hund dem zottligen Hund noch nach, dass er theoretisch für diese Respektlosigkeit des zottligen Hundes an ihm, seine Schnauze blutig zwischen die Türangeln hängen würde. Aber eben nur theoretisch.

Was lehrt uns diese Fabel:
Alles hat seine Grenzen!
Die Hunde bellen – die Karawane zieht weiter.
Zwischen Theorie und Praxis klafft fast immer ein Loch – gerade am 1. Mai!

Fr. Luka

Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück;
der alte Winter, in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farben beleben;
doch an Blumen fehlt’s im Revier,
sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden:
aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus den Straßen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluß in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
hier ist des Volkes wahrer Himmel,
zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

IM Goethe

Alles ist doch eigentlich ganz einfach – im Leben

Alles ist doch eigentlich ganz einfach –
im Leben, wie im Rock ´n´ Roll!

Mitgröltechnisch:
Tüt tüt tüüt! tüt tüt tüt-tü-tüt Täüt tüt tüt! tüt tüt tüdai…
Töt töt töt töt töt-töt tsöt töt töötöt…
Ãhöhm ähöhm…mhö…

Textmäßig:
Rock ´n´ Roll ain´t noise pollution.It’s only Rock ´n´ Roll, but I like it.
Jazz is not dead, it just smells funny.

Kneipentechnisch:
Export, aber aus der Flasche.
Einfach durchgezapft.
Ein Bier mit einer schönen Krone in so sieben Minuten.

Picturemäßig:

 

angeblichen original benutztes Plektrum der Kollegen

Vor dem Konzert

Während des Konzertes

Nach dem Konzert

 

 

IM Vowi

PSmäßig:
Man beachte, wenn man auf die Bilder klickt, bitte den vierten von rechts in seiner Haltung.
Man beachte bitte weiter die Schuhe, Hosen, T-Shirts und die nackten Oberkörper.

Aale Mythologie

Mein richtiger Name ist Samukeliso Sithole. Ich war eine wirkliche Leichtatlethetik-Hoffnung Zimbabwes. Bereits mit siebzehn Jahren gewann ich in diversen innerafrikanischen Wettkämpfen mehrere Medaillen. Leider erging es einer beinah Liebhaberin von mir wie Begbie, das war dieser leicht gestrickte Brutalo im Film Trainspotting, als er einer Frau zwischen die Beine greift und auf einmal einen aalen Penis anstatt einer samtigen Muschi in den Händen hält. Ich lief bei den Sportkämpfen als Frau. In Wirklichkeit habe ich die Geschlechtsorgane von Mann und Frau. Ich wurde schließlich verhaftet, mir wurden alle Medaillien aberkannt und es gab einen Haufen Ärger. Erspart mir Details. IM Vowi würde wohl auch gerne mehr wissen. Wen es interessiert, der kann im Roman Middlesex von Jeffrey Eugenidis alles über meinesgleichen erfahren.

Diese Liebhaberin heißt Ariadne. Sie strapste sich gerne auf -wie diese stutenbissige Langweilerin Mia-, und ständig rasierte sie sich jedes einzelnes Haar ihres Körpers. Gleich nach der Rasur schien alles wie Puderzucker, aber schon eine Stunde später, weil sie so starken Haarwuchs hatte, wirkte der Puderzucker wie karamelisiert. Egal, es ist vorbei… Ihr Vater Minos und ihre Mutter Pasiphae waren auf Kreta ziemlich angesagte Leute. Sie hatten viel Geld. Entweder konnten sie zaubern, waren eine Königsfamilie oder machten unlautere Geschäfte. Es kursierten Geschichten, dass ihre Familie SM-Spiele frönte – unter Umständen mit vollem Risiko für Leib und Seele. Einem Freund von ihr, Theseus, der sich in dem Haus ihres Vaters wohl deswegen verirrte, weil es so groß war oder weil ihr Vater seinen Hund mit dem merkwürdigen name Minotaurus mit ihm verfüttern wollte, half nur ein Knäuel aus einem langen Faden wieder aus diesem Labyrinth heraus. Theseus, der keine Skrupel kannte, tötete Minotaurus. Ariadne und ihr Liebhaber flohen nach Naxos, wo sie blieb, und er zog weiter. Sie fand dort einen neuen mit Namen Dionysos, der ein Alkoholproblem hatte. Mir war so, als ob sie sogar ein Kind zusammen hatten. In Zimbabwe arbeitete sie für eine Hilfsorganisation. Wir freundeten uns an, bis es zu diesem Handgriff kam, der leider nicht ihren Erwartungen entsprach.

Eigentlich wollte ich was über den Unterschied von Schnitzel- und Steakfleisch fabulieren. Ich weiß natürlich, dass das eine ein Rippenstück ohne Knochen -zumeist aus der Keule- und das andere ein Rückenstück oft mit Knochen ist. Schnitzel paniert man meistens und Steaks nicht. Aber schmeckt ein Steak paniert anders als ein Schnitzel?

Der Die Das

A + B = K

Ganz im Zeichen der Liebe standen die letzten vorweihnachtlichen Tage in der Vowi. Alle Facetten gab es zu sehen und zu vermuten – nicht alles was wir wissen, geben wir allerdings hier preis.

Sonntags wiederum, wo es normalerweise recht beschaulich in unseren kleinen Kneipe gleich um die Ecke ist, wurden intellektuelle Steinmassen gewälzt. Ein grauer Nebel legte sich in der Vowi nieder und man schlug mit die Schriften aus dunkler Vorzeit, wie die Oddysee, Edda und des Nibelungenliedes um sich. Schließlich mündete diese Mischung aus dunklen und hellen Hefe, ein wenig Tequila und Bier in die Frage, wie der Logorithmus aus 1 als Potenz gesetzt (oder so) sei. Ich weiß es nicht, wie ich auch nicht weiß, was A + B = K ist.

„Die Zahl der echten Rockinnovatoren mag bescheiden sein, gemessen an den Heerscharen des zurückgebliebenen Fußvolks. Doch die impulsgebende Funktion dieser kleinen radikalen Rockminderheit für die kommerziell auswertenden Nachzügler ist nicht zu unterschätzen.
Einer der schillerndsten, faszinierendsten und widersprüchlichsten Persönlichkeiten im kleinen Häuflein wackerer aufrechter Rockerneuerer ist: Frank Zappa, Jahrgang 40, Rockgröße, Groß-Mutter der Mothers of Invention. Er ist die Intelligenzbestie, das Universalgenie, der Zehnkämpfer unter den Rock-Matadoren. In allen Disziplinen ist er zu Hause, in allen Sparten beweist er seine Meisterschaft mit kreativen Höchstleistungen. Ganz oben auf dem Siegertreppechen thont er im Rock-Olymp…“
(aus Volker Rebell, Frank Zappa: Freak-Genius mit Frack-Habitus. in Rocksession, Reinbek 1976, S. 233)
Die Vowi würdigt Frank Zappa am Dienstag, den 21.12. mit CDs und DVDs. Wir gratulieren zum 64. Geburtstag.


IM Vowi

Nan Goldin

Am Samstag, den 6.11. findet ein Doppelkopfturnier in der Vowi statt. Ab 19.00 Uhr geht es los.

Leider gibt es nichts weiter zu berichten – vielleicht, daß ein Gast auf den Knien vor dem Tresen kauerte, um weit nach 3.00 Uhr noch Schnäpse zu bekommen.

Hier hätte ich noch ein Foto von Nan Goldin einer amerikanischen Fotografin. Wie ich finde, wirkt diese Foto so „normal“ und dennoch ist es voller Schönheit.

Ich bin blau

Stellt euch vor, Vera käme auf die Idee, dass sich ein paar männliche Gäste und natürlich alle männlichen Vowis nackt bei einer öffentlichen Vorführung mit blauer Farbe bepinseln. Dabei würden sie lasziv oder ein wenig gelangweilt ihrer Arbeit nachgehen und sich kongenial helfen beim Räkeln, um frische Farbspuren der noch nicht getrockneten Farbe auf weiße Leinwand zu schmieren. Vera würde mit einem streng technischen Blick den Vorgang überwachen und natürlich nur unter streng künstlerischen Aspekten einwirken. Schließlich würden sich zwei nackte männliche Vowis vor eine Leinwand stellen. Vera würde ihre Umrisse mit einer Wasserpistole auf der Leinwand festhalten und dann unter der brandschutztechnischen Überwachung eines Feuerwehrmannes mit einem kleinen Flammenwerfer die auf der Leinwand feuchten Umrisse anbrennen, so dass eine Art Schattenspiel entsteht zwischen verbranntem und angebranntem Papier. Bei allen beiden Vorführungen bleiben immer irgendwelche Ahnungen von menschlichen Körpern übrig: da ein Bäuchlein, hier ein Schwänzchen, vielleicht ein Händchen und dort noch ein Popobäckchen.

Wie würdet ihr euch bei so einer Verführung in der Vowi verhalten? Klar – ihr würdet euch kaputtlachen. Ich hätte jahrelang Material für diese Seiten, Django würde dabei von einem englischen Modemagazin endeckt werden, um als Model Karriere zu machen und viele bis dato hoffnungsvoll heterosexuelle Vowi-Frauen würden in Zukunft auf ihr eigenes Geschlecht zurückgreifen, da die Entblößung der Vowi-Männer-Welt zu diskreditierend war.

Bei der Ausstellung von Yves Klein „Die Farbe der Sensibilität ist blau“ in der Schirn kann man genau so etwas sehen. Nur das Vera in diesem Fall Yves Klein und anstatt der männlichen Vowis junge Frauen sich lasziv in blau räkeln. Heutzutage wären sie komplett rasiert. Damals in den 50er Jahren hat man nur eine ausufernde Behaarung unterhalb der Gürtellinie ein wenig geigelt. Yves Klein hat mit solchen Aktionen von vor fünfzig Jahren die Welt geschockt. Er hat dabei seine Aktionen geradezu inzeniert und sie per Kamera festgehalten. Heutzutage lockt er allerdings immer noch einige Zuschauer in die Schirn. Das Publikum steht dann wirklich vor einer riesigen Leinwand, um sich besagte Busen-, Bauch- und Bein-Umrisse auf einer weißen Leinwand anzuschauen. Was will uns der Künstler damit sagen? Keiner weiß was genaues, aber alle ahnen etwas. Dabei kennt man sich: Küsschen rechts – Küsschen links, den Schal lässt man während der Ausstellung kunstvoll geknotet an, man sieht eher hager aus, hier wirkt der Genuss umgekehrt proportional als beim Kalorien-Genuss. Schließlich diskutiert man noch, ob der Eingangsplatz der Schirn, welcher zur Zeit wie ein Sandkasten nach einem Regenschauer aussieht, momentan eine Baustelle ist oder auch ein gewolltes Kunstwerk…

Ich muss dann immer, wenn ich das Blau von Yves Klein sehe, an meine Oma denken, die so gerne Operettenmelodien geträllert hat: schöne Melodien, schöne Farben…schön blau…wo sind denn die richtigen Bilder, ihr Kunstbanausen?

IM Vowi

I c h b r a u c h e D e i n e H i l f e, 2. Teil

I c h b r a u c h e D e i n e H i l f e, sagte sie. Ich spührte ihren Atem. Sie musste unseren 3-Euro-Wein Bergerac getrunken haben, oder hatte ich ihr nicht den etwas günstigeren Landwein aus Südfrankreich Vauclause ausgeschenkt. Der Duft nach Eichenholz vermengt mit einem Beerenaroma und einem Hauch Vanille waren unverkenbar. Was wollte sie von mir? Den ganzen Abend verzog sie keine Miene und würdigte mich kaum eines Blickes. Und jetzt im Schutze der Dunkelheit sollte ich plötzlich ihr Retter sein. Sie hielt meine Hand fest, und ihre Augen schienen zu leuchten – wenn ich ihr nur helfen würde.

M i t d e r B i t t e, i h r n u r z u z u h ö r e n, und erst nachdem sie zu Ende gesprochen hatte, etwas zu sagen, begann sie zu erzählen. Der Killer und sein Geschäftsführer hatten aus Langeweile eine Wette laufen. Getreu ihrer Meinung, dass es Liebe bzw. Gefühle nicht geben würde, und man alles, was man will, kaufen könne…Ein Geräuch aus dem Dunklen zeigte, dass wir nicht alleine waren. Ich verstaute den Müll in die Tonnen, und sie verschwand genauso schnell, wie sie mir erschienen war. Sie bestellte, nachdem ich wieder an meiner Arbeit war, ein kleines Schnitzel und saß genauso da wie vor unserem Gespräch. Die Gäste unterdessen diskutierten laut, manche stritten sich, jemand vermittelte, Betrunkene schätzten -zu späterer Stunde enthemmter- die anwesenden Frauen ab, bierselig umarmte man sich und starrte immer wieder auf einen der Fernseher, wo ein Fußballspiel gezeigt wurde.

I c h b r a c h t e i h r d a s k l e i n e S c h n i t z e l. Sie zog kaum wahrnehmbar den linken Mundwinkel nach oben. Links auf dem Boden neben ihr lag ein Bierdeckel. Ich hebte ihn unauffällig auf. Der Killer bemerkte nichts oder tat so. In der Küche -ich musste eine Rindswurst zubereiten-, las ich auf dem Deckel zwei unleserliche Namen, die Zahl 100 und das Wort nackt. Auf der Rückseite fand ich eine Uhrzeit weit nach Mitternacht und den Namen eines Clubs im östlichen Teil der Stadt…

(Hier fehlt ein Stück Text bzw. Bierdeckel.)

…I c h h ö r t e l a u t e M u s i k als ich den Club mit einiger Mühe gefunden hatte. In dem kellerartigen Gewölbe spielte eine Band und mehrere hundert, zumeist junge Leute lauschten der Darbietung. Die Band mit dem Namen Caliban machte im eigentlichen Sinne keine Musik. Eher erinnerte das ganze an Baulärm: ein Stromgenerator, zwei Vorschlaghammer und eine Betonschneidemaschine hätten den selben Lärmpegel. Der Vorarbeiter schrie und grunzte dazu Kommandos. Das einzigste, was sich änderte, war der Takt: Entweder wurden die Steine einzeln oder triolisch zerschreddert. Ich wollte nie zum Bau…Mir schwanden die Sinne, und nachdem ich meine Brille geputzt hatte, erkannte ich sie: Der Killer stand links und hielt seine Gitarre wie ein Schwert nach oben, sein Geschäftsführer krümmte sich und schüttelte unablässig seinen Kopf, am Schlagzeug saß die erste der vier Frauen, am Bass die zweite, am Mischpult die dritte und vorne auf der Bühne stand nackt, das Allernötigste mit insgesamt vier Ein-Hundert-Euro-Scheinen bedeckt, mein Geheimnis…ich wollte nach Hause -nicht in die Planwirtschaft-, denn…
Hat der die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch sich erfasst und das Seine ohne Entfremdung in realer Demokratie begründet, entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.

Hier hört(en) der Text bzw. die Bierdeckel, die ich fand, auf. Vieles bleibt seltsam unklar bis vielleicht auf das kleine Schnitzel:
Kann man statt Heimat auch Vowi-Heim sagen?
Wie lautete die Wette?
Was hatte der Killer damit zu tun?
Woher stammt das Wort Caliban -ihr Anglisten dieser Welt?
Warum benehmen sich die Gäste in einer Kneipe nach Mitternacht anders als davor?
Warum wollen gerade Frauen gerne nur eine kleine Portion oder wollen von ihrem Gegenüber, wenn sie nichts bestellen, wenigstens einmal kosten?
Hat der 1959 sechsjährige Frankfurter Bub bei der Wiederholung des Meisterschaftsspiels Kickers-Eintracht am Samstagmorgen in der Vowi seinen damals im Stadion anwesenden Vater wiederendeckt?
Wie alt ist Klinki -alles Gute zum Geburtstag!- eigentlich geworden?
Über wieviel Tore kann man sich im Stadion richtig freuen?

IM Bierdeckel