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4. Wandzeitung

„Es geht ein Gespenst um in der Mitropa…“
Große Teile -virtuell – einer kleinen persönliche Ausstellung 2003 in der Vowi über meine Jahre in Leipzig 1966-1989

4. Wandzeitung
1986-1989.

Ich mache meine Haltung öffentlich.
> ich arbeite nicht mehr in der Deutschen Bücherei
> lebe u.a. von illegalen Arbeiten und von Musik machen
> neue Probleme: Einberufung in Nationale Volksarmee (NVA) droht und (nach DDR-Recht) „asoziale Lebensweise“ (keine regelmäßige Arbeit)
> ich stelle im Sommer 1989 einen Ausreiseantrag
> bin bereit, alles hinter mir zu lassen
> erlebe Montagsdemos in Leipzig.
> „haue ab“ nachdem unter neuem Generalsekretär Egon Krenz Grenze zwischen DDR, CSSR und BRD offen ist
Ich komme am 4.11.1989 im Westen an und bin am Ziel.

Es geht ein Gespenst um in der Mitropa
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3. Wandzeitung

„Es geht ein Gespenst um in der Mitropa…“
Große Teile -virtuell – einer kleinen persönliche Ausstellung 2003 in der Vowi über meine Jahre in Leipzig 1966-1989

3. Wandzeitung
1982-1986.

Die ersten Probleme tun sich auf.
> meine Zensuren waren in Ordnung
> meine gesellschaftspolitische Arbeit war sehr gut bis vorbildlich
> und meine Mutter wollte, daß ich nach der 10. Klasse mein Abitur mache
> ich laviere
> bin im pupertären Alter hin- und hergerissen: längere Haare, westliche Rockmusik und altersbedingtes Aufbegehren kontra verständnisvoller politischer Einsicht
> während des Abis kommt es zum Eklat:
> ich soll Mitglied der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) werden
> ich will nicht
> die Schule, meine Mutter, meine Freunde dringen auf mich ein
> ich bleibe natürlich stur
> Konsequenz: kein Studienplatz und Hilfsarbeiter in der Deutschen Bücherei
> erste eigene Wohnung mit meiner Schwester
Ich entschließe mich, in den „Westen abzuhauen“, um nicht den verpflichtenden Wehrdienst bei der NVA abzuleisten!

Es geht ein Gespenst um in der Mitropa
1. und 2. Wandzeitung
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1. und 2. Wandzeitung

„Es geht ein Gespenst um in der Mitropa…“
Große Teile -virtuell- einer kleinen persönlichen Ausstellung 2003 in der Vowi über meine Jahre in Leipzig 1966-1989

1. und 2. Wandzeitung
1973-1982.

Alles geht seinen sozialistischen Gang!
> geboren 1966 in Leipzig
> ältere Schwester
> Mutter alleinerziehend
> Mutter arbeitet an Leipziger Uni als Slavistin
> Kinderkrippe
> Kindergarten
> ab 3. Klasse in Schule für erweiterten Russischunterricht
> Jungpionier
> Thälmannpionier
> Mitglied des Gruppenrates der Thälmannpioniere
> Mitglied der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft (DSF)
> Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ)
> Jugendweihe
> FDJ-Sekretär der Klasse
Ich fühlte mich wohl in meiner Heimat DDR.

Es geht ein Gespenst um in der Mitropa
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Es geht ein Gespenst um in der Mitropa…

Hausaufgabenheft eines Freundes 1982

Hausaufgabenheft eines Freundes 1982. Wenn die Staatsmacht dies in ihre Hände bekommen hätte, wären die Folgen nicht kalkulierbar gewesen

Auf ein paar alte Bekannte

Wir sind um Mitte Zwanzig, sind viele und denken scharf.
Wir haben keine Fragen.
Täglich wächst die Bereitschaft in unseren Reihen, den Kampf aufzunehmen.
Wir machen kein Hehl daraus; lüstern schweifen die Blicke in künftige Räume der Freiheit.
Die Sinne schärft uns Frank Zappa, der uns so gut versteht, der so irre ist, wie wir sein wollen.
Zwischen den Weinflaschen vor, mit unterlaufenen, gelben Augen, schießen wir gegen die Preußen quer.
So wird es gelingen.
Täglich finden sich neue Punkte zu unserem jüngsten Programm.
Wir stehen kurz vor der Gründung einer Partei, zumindest e.V., haben unsere Leute in Verlage und Schulen geschleust.
Wir kommen vom Überbau her.
Generäle stünden zu uns, munkelt es.
Bald schlagen wir los, solang saufen und fressen wir uns Charakter an, täuschen wir die Bürger durch Anpassung.
Dann bricht die Revolution los.
Wir warten noch auf Genehmigung der Sache von seiten der FDJ, des Ministeriums für Kultur, des ZK der SED und der Gruppe Sowjetischer Streitkräfte in Deutschland.

Uwe Kolbe, 1979

aus Nobert Haase, Lothar Reese, Peter Wensierski, Hrsg.,
VEB Nachwuchs. Jugend in der DDR, Reinbek bei Hamburg, S. 246

 

„Es geht ein Gespenst um in der Mitropa“
war der Titel einer kleinen Ausstellung 2003 in der Volkswirtschaft. Die Fotos, Dokumente und Aufzeichnungen erzählen in erster Linie über meine Jahre in Leipzig bis 1989. Der Titel bzw. das Motto  der Ausstellung wurde von der DDR-Band Silly zitiert. Das Lied heißt „Ein Gespenst geht um“ und erschien 1989 auf der LP „Februar“. Ich bin nie ein Fan von Silly gewesen, aber ihr professionelles Auftreten auf der Bühne, die frühzeitige Kritik an der DDR – als es noch gefährlich war – und diese so typischen DDR-Doppeldeutigkeiten in ihren Texten sind mir in guter Erinnerung.

Selbstverständlich geben die Dokumente, Papiere, wenigen Fotos und Erinnerungsstücke nur einen Teil meiner Leipziger Jahre wieder. In erster Linie meine – im Vergleich zu anderen – harmlosen Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht. Zum anderen zeigen sie, fast ein wenig überzeichnend, wie sich mein Äußeres gezeichnet durch diese Auseinandersetzungen (und heute würde ich noch rückblickend milde lächelnd sagen auch aus jugendlichem Übermut) verändert hat.
Der Bruch in meinem noch recht jungen Leben muss sich zwischen der 9. und 11. Klasse von der Größe eines Haarrisses zum nicht mehr reparablen Zustand entwickelt haben. Die Ursache dieser Ereignisse waren gewisse Eigenschaften und Eigenheiten meiner selbst, eine Art Erleuchtung durch westliche Rockmusik und das repressive – dabei bornierte und geradezu ängstliche – Auftreten der Staatsmacht in Person meiner Klassenlehrerin.

Das, was das Leben vieler meiner Freunde und mir in unserem Alltag ausgemacht hat, kommt nur ganz am Rande vor. Auch wir haben, wie schon Erich Honecker in seiner Autobiographie berichtete, so manches Glas Bier, Wein oder Schnaps getrunken. Auch wir haben uns die Nächte um die Ohren geschlagen, waren regelmäßig bei Feten, um Mädchen kennenzulernen, haben die neueste Platte, unsere musikalischen Helden, wenn sie einer über Umwege aus dem Westen bekommen hatte, beispielsweise zu zehnt voller Freude zum ersten Mal gehört. Auch bei uns wurde Herrmann Hesse oder Jack Kerouac gelesen. Auch wir fühlten uns manchmal einsam, trostlos, ohne Zukunft und am nächsten Tag, weil vielleicht eine Tramptour nach Bulgarien anstand, waren wir voller Energie und vergaßen die staatliche Enge. Meine Freunde und ich lebten in einer Nische, wobei die Grenzen zu einem für die DDR-normalen Leben sich bei einigen vermischten – bei anderen wurde das Nischendasein empfindlich durch die willkürliche Staatsmacht oder durch typische DDR-Ereignisse (z.B. Wehrpflicht) gestört.

In den letzten Jahren der DDR galt in meinem Freundeskreis ein Gesprächsthema: hier bleiben oder in den Westen gehen. Diese lebenswichtige Entscheidung wurde intensiv immer wieder aufs Neue besprochen. Dahingehend eine Entscheidung zu treffen, verlangte von vielen jungen Leuten eine Entscheidung mit schwerwiegenden Folgen. Es musste mit Repressionen gerechnet werden, solange man noch in der DDR war, die Aussicht, seine Freunde und Verwandten in der DDR wiederzusehen war gering, und was einen im Westen erwartete, war wohl, wie sich im Nachhinein herausstellte, vielen nicht besonders klar.

Was bleibt, muss jeder für sich selbst wissen.

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Eisleben: Luther und Elsterglanz

Oft werde ich in der Kneipe gefragt, woher ich komme. Selten wird es rhetorisch verpackt in der Art wie: „Du bist nicht aus Frankfurt?“ (Stimme geht am Satzende nach unten).
Dann erzähle ich kleine biographische Details, manchmal garniert mit eher blöden DDR-Witzen oder ich verfalle urplötzlich in einen schwerst sächsischen Dialekt.
Mittlerweile merke ich, dass nicht mehr alle die Witze verstehen und dass auf meinen permanenten biographisch bedingten DDR-Bezug die Antwort kommt, wie schön Leipzig ist und dass mein Gesprächsgegenüber dort studiert usw.
Die Vergangenheit, die längst von der Gegenwart eingenommen ist, von der ich aber nicht loskomme, die aber längst Geschichte ist, beherrscht mich immerhin so sehr, dass ich die Linkspartei nicht als gesellschaftliche Alternative, sondern als sich mit der DDR-Vergangenheit schwer tuende Nachfolgepartei der SED sehe.
Ein schön verschrobener Satz. Und genauso verschroben und fein ausgemalt in allen Facetten stellt die Band „Elsterglanz“ aus Eisleben (Mansfelder Land, liegt zwischen Harz und Halle) die Ossis meiner Generation vor. Dabei übertreiben sie schwindelerregend und lachen noch über sich selber. Ihre Auftritte, Filme und Lieder sind ein Spiegelbild der DDR und was davon noch übrig ist, und damit spiegeln sie auch ihr heutiges Publikum. Dass dieser „Scheiß-Staat mit seinen Kackleuten“ einen immer noch zum Heulen bringt, auch wenn es Lachtränen sind, macht ihn unvergesslich.
Die Leipziger Volkszeitung sah dies in ihrem Konzertbericht allerdings ganz anders.

„Elsterglanz“ haben einen neuen Film gemacht:
Elsterglanz und der Schlüssel zur Weibersauna
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=CA7QCCcQAOU&w=560&h=315]

Hier mein Lieblingsausschnitt aus ihrem ersten Film beim Wahrsager Bernd.
Elsterglanz – im Banne der Rouladenkönigin
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=eMC-X0iX_HU&w=560&h=315]

Auch wenn man als Ausstehender nicht alles versteht. Genau so war es auch in Leipzig vor 1989 und heute? Fahrt mal nach Leipzig oder ins Lutherland nach Mansfeld oder Eisleben.

3. Wahlhelferchen

Heute findet in der Vowi ab 20.00 Uhr der Wahl-Kauderwelsch statt. Vier Gäste erklären sich zur Wahl. Moderiert übrigens von Maybrit Vollbier.
Dazu hatte ich bisher drei Filmchen gebastelt, die alle auf der Vowi-Seite bzw. bei youtube zu finden sind.
Der vierte Film ist nicht fertig geworden, aber das Fundament besteht aus dem kleinen Text, den man von weiten so schlecht lesen kann, der wiederum auf den großen FDP-Wahl-Plakaten steht:

FDP-Originalton:
Warte nicht, bis du gefragt wirst.
Warte nicht auf die Kanzlerin.
Warte nicht auf Erlaubnis.
Warte nicht auf das Arbeitsamt.
Warte nicht, bis du angerufen wirst.
Warte nicht auf den Tod.
Warte nicht, bis du dein Studium abgeschlossen hast.
Warte nicht auf deine Inklusion.
Warte nicht auf Brexit oder Nicht-Brexit.
Warte nicht auf den neuen SPD-Kandidaten.
Warte nicht auf die gute alte Zeit.
Warte nicht auf den Messias.
Warte nicht, bis du aufgerufen wirst.
Warte nicht, bis du dran bist.
Denken wir neu.

Maybrit Vollbier-Interpretation:
Warte nicht auf den Mietspiegel:
Der Markt regelt Angebot und Nachfrage.
Warte nicht auf den eSmart,
ein Tesla ist teurer und lässiger.
Warte nicht, was aus der Krim wird,
mach einfach dort Urlaub.
Warte nicht auf die Digitalisierung,
Google hilft beinah umsonst.
Warte nicht, bis du angerufen wirst,
verkauf‘ was nebenbei per Telefon.
Warte nicht auf Deinen Bafög-Antrag,
du brauchst ihn ja nicht.
Warte nicht auf Inklusion,
sie könnte deiner Karierre schaden.
Warte nicht auf Europa,
du kommst natürlich zuerst.
Warte nicht auf den neuen SPD-Kandidaten oder die Kanzlerin,
sie sind nicht smart genug.
Warte nicht auf die gute alte Zeit,
sie könnte dich an frühere FDP-Grundsätze erinnern.
Warte nicht auf den Messias,
du bist viel cooler.
Warte nicht, bis du aufgerufen wirst.
drängle dich einfach vor.
Warte nicht auf die FDP.
Sie ist leider immer noch da.

Denken wir in alten Strukturen,
denken wir wie eh und je.
FDP

2. Wahlhelferchen

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=MNHjxkGM7pc&w=560&h=315]

2. Wahlhelferchen zum Kauderwelsch
FRAGE NICHT, WAS DEIN STADTTEIL FÜR DICH MACHT – FRAGE, WAS DU FÜR DEINEN STADTTEIL TUST!
Die Vowi wählt. Diskussion zur Bundestagswahl, 21.09.2017, 20.00 Uhr.
Vier Gaste erklären sich!

1. Wahlhelferchen

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=pBIdGSsx520&w=560&h=315]
1. Wahlhelferchen zum Kauderwelsch
FRAGE NICHT, WAS DEIN STADTTEIL FÜR DICH MACHT – FRAGE, WAS DU FÜR DEINEN STADTTEIL TUST!
Die Vowi wählt. Diskussion zur Bundestagswahl, 21.09.2017, 20.00 Uhr
Vier Gaste erklären sich!

Wir heute. Manche auch morgen

Genauso, wie das selbstverwaltete IvI im Kettenhofweg Ecke Senckenberganlage, hat die Vowi heute am Sonntag, den 03.09. zu. Die Vowi ist nur heute zu.
Das IvI wurde 2013 geräumt. Seitdem wechselt es regelmäßig den Eigentümer (u.a. Uni Ffm., Immobiliengesellschaft, Zahnarzt). Allen gemeinsam ist die Nichtnutzung des Objektes. Ein Paradebeispiel, wie scheinbar nervige Nischen zugekittet werden. Die zumeist jungen, zugegebener Maßen oft anstrengenden, Leute wurden verdrängt. Das Haus sieht nach vier Jahren Leerstand nicht besser aus. Und bald, das Interesse an teuren Wohnraum in Ffm. ist groß, kommt ein neuer Investor. Er kauft und saniert. Natürlich nicht für die ehemaligen IvI-Besetzer, sondern für Menschen, die sich entsprechendes Eigentum leisten können. Dann wird das Westend, der Stadtteil in dem sich das ehemalige IvI befindet, noch gediegener, ansehnlicher und teurer.

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