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Lange Absage des Virtuellen Vowi-Quiz vom 06.03.

„Sie gingen durch den Wald, einen einsamen, schneeverwehten Weg entlang, der keinerlei Spuren von Pferdehufen, Schlittenkufen oder menschlichen Füßen mehr zeigte. Der Weg war gewiß auch im Sommer wenig befahren, doch jetzt, nach den langen Schneestürmen im Februar, war alles glatt zugedeckt, und ließe der mit Erlen durchsetzte Fichtenwald, der sich rechts und links unregelmäßig einbuchtete, nicht einen mattweiß schimmernden Korridor frei, so hätte man schwerlich gemerkt, daß dies ein Weg war…“ Wassil Bykau, Die Schlinge, Ausgewählte Novellen, Leipzig 1978, S. 275.
Die Erzählung des weißrussischen Schriftstellers über zwei Soldaten der Roten Armee, die versuchen, zwischen dem moralisch Verwerflichen und dem moralisch Guten im 2. Weltkrieg zu überleben, ist von der Regisseurin Larissa Schepitko unter dem Titel „Восхождение“ (Aufstieg) 1977 verfilmt wurden. Kann man sich kostenlos bei Mosfilm (YouTube) mit Untertiteln ansehen.

Diese oben erwähnten moralischen Fragen sind in extremen Nöten so schwer zu beantworten, dass man am liebsten versucht ist, in eine Art Starre zu verfallen. Eine Angststarre. Denn lieber nichts machen, weil man doch nur, egal was man tut, nie das allein Richtige tun kann.
Andererseits kann man sich einfach auf seinen moralischen Instinkt verlassen, das Richtige zu tun. Dabei nimmt man vieles und in besagten extremen Situationen alles in Kauf.
Oder aber man laviert sich durch, passt sich an, verrät vielleicht das Eine oder die Eine, aber lebt mit anderen weiter.
Die russischen Revolutionäre des 19. und des 20. Jahrhundert waren sich dieses Dilemmas sehr bewusst. Ein Roman von 1863 und eine politische Denkschrift von 1902 setzten sich damit auseinander. Beide haben den selben Titel:
Что делать? (Was tun?)
Wir stehen heute genauso vor dieser Frage. Wir können sie beantworten, wir können sie unbeantwortet lassen, dann beantworten sie womöglich andere oder wir beantworten nur das, was unbedingt nötig ist.

Da der Quiz jene Fragen nicht beantworten kann, er dafür ja nicht erdacht ist, diese Fragen uns aber genau jetzt bedrängen, wollen wir den Virtuellen Vowi-Quiz vom 06.03. verschieben. Wir finden, diese Fragen sollte jeder ganz aktuell bedenken, um dann gemeinsam antworten zu können. Nicht zu lange. Andere warten darauf.
Karsten von der Vowi

Virtuelles Quiz am 06.03.22

Am 06. März, einem Sonntag, findet, wenn der Tatort läuft, unser nächstes rein virtuelles Vowi-Quiz statt.
Tonio hat endlich Zeit, Markus hat eh mehr Zeit, und ich habe dann Zeit, mich aus der Quarantäne zu begeben.
Tonio aus Konstanz, Markus und ich aus der Vowi und ihr bundesweit treffen uns wieder über Zoom.

Bitte vermeldet mir, ob Ihr Lust und Zeit habt, welches Team Ihr seid und wer von Eurem Team mit Mailadresse und Namen teilnehmen wird (wichtig für die Zuordnung per Mailadresse der geschlossenen Räume zum Beantworten der Fragen)

Ich würde am 06. März, dem Tag des virtuellen Quiz, etwa zwischen 17.00 bis 19.30 Uhr wieder Grüne Soße mit Kartoffeln nach Wahl mit Eiern oder Schnitzel, Matsch & Brei in Liter-Flaschen und Mexicana in kleineren Flaschen zum Mitnehmen anbieten. Ihr müsstet dies bitte vorbestellen. Dazu bekommt Ihr am nächsten Montag eine Mail, wo Ihr mir alles notieren könnt. Es geht natürlich auch jetzt. Schreibt die Variante, die Anzahl der Bestellungen, und ob Ihr Tupperware mitbringen wollt.

Das Regelwerk bleibt.

Alles weitere (Essens- und Getränkeauswahl zum Mitnehmen, genaue Uhrzeit, Zoom-Link) bekommt ihr per Mail.

Kurzurlaub auf O.

Da ich unfreiwillig zu einem Kurzurlaub bis mindestens Freitag auf einer der griechischen Inseln verweile, gibt es diese Woche keine Kleine Küche in der Vowi.

Als ich auf der Insel angekommen bin, erhielt ich einen ausgemacht freundlichen Anruf des Fremdenverkehrsamtes. Man fragte nach meiner Gesundheit, ob ich die drei Anis-Varianten der Insel probiert hätte, ob meine Familie auch im Urlaub wären
oder es sich überlegten nachzukommen. Auf meine Frage hin, warum man gerade mich anrief, wurde ohne Scham von meinem Alter gesprochen. Ich sei ja nun auch nicht mehr der Jüngste. Da seien 7-10 Tage Auszeit besser als diese ewigen Pastis-Orgien in einem mir bekannten Lokal. Den Anis als Pastis in Erinnerung, den Anis als Ouzo vor mir auf dem Tisch, den Anis als Raki gleich gegenüber auf dem Festland nicht unerreicht fern, fremdelte ich immer weniger. Die anderen schleimlösenden Varianten des Anis als Schnaps, wie Absinth oder Sambuca, interessierten mich ausnahmsweise nicht.
Und schließlich gab man mir die Abreisezeiten durch. Der frühste sei am Samstag per Schiff. Ich behielt meine Seekrankheit für mich. Nur die peinvollen Erinnerungen, dass der Sprung, am Ende der Welt in die gefährlichen Strömungen zu den vorgelagerten Inseln damals als alleiniger Ausweg erschien. Orchestriert durch das Jauchzen der Kinder bei jeder neuen Welle, die das kleine Boot spielend hoch und runter geradezu fliegen ließ.

Hier die ersten Aufnahmen aus dem fernen O. Am Ende sieht man mich trinkend, glücklich fest auf der Erde stehend, den Hafen in Sichtweite, die Seekrankheit im Nacken.

Schwankschwindel

Nachtrag zum Verfall

Post von der Hausverwaltung: von „Kontantin der einen Opel fuhr“ A. D. 1453. Weitergeleitet von Mehmed II mit späteren Grüßen von Süleyman I. und Hürrem, wie man mit alten Dingen umgeht, sie umwandelt, neues baut, diese bewahrt oder nichts macht:
… Bzgl. der abgebrochenen Teile der Hausfassade (Jordanstr. 13) bitten wir Herrn M… diese nicht zu entsorgen, sondern aufzubewahren. Hier wird sich jemand mit Herrn M… in Verbindung setzen …
Und so lese ich aus der Zukunft heute meine Vergangenheit später, und des Nachts träume ich vom Tageswerk und beim Aufwachen denke ich, das kann doch nicht alles wahr sein, sei es erfunden, etwas freier nacherzählt, erlebt, geträumt oder längst vergessen:

Noch im Wasser, noch im Sand
klebt der Zucker was zusamm’n (sorry auch im Traum passt ja nicht immer alles auf den ersten Reim)

Verwelkte Blume, Gebrochener Stein
Das Haus der Heimat ist nicht fein

Ist die Stadt dann autofrei,
park ich den Tesla gebührenfrei

Das Butzenglas trübt doch die Sicht
Wo ist der Jordan in dieser Gischt

Wackel nur Caya, los der Leine
und bell dem Bürgermeister deine Reime

Am Sonntag bleibt die Kneipe zu.