Alle Artikel von kmaass

Petite Cuisine, 20.07.21

Heute ist das Essen etwas einfacher. Dafür die Auswahl größer.
Am Donnerstag gibt es Grüne Soße mit Schnitzel vom Rhönhof Wingenfeld.
Nächste Woche sollen Burritos gefaltet werden und (vielleicht) Wild vom Forstamt Hanau auf den Tisch kommen.
Dann gibt es (soweit geplant) eine Petite Cuisine – Pause. Ende August geht es weiter.

Am Freitag wird eine kleine Burger Cuisine stattfinden. Deshalb ist alles reserviert. 
Das erste 2. Ligaspiel der Saison zeigen wir ausnahmsweise nicht. Am Samstag könnt Ihr dann das Abendspiel sehen.

Äppler in der Teetasse, „Tauben im Gras“ lesend

Träumte ich letztens meine Mannschaft hätte gewonnen.

Nur war es seitenverkehrt. Trog mich die Erinnerung?

Der Kleiner Äppler war mein Lindenblütentee. Die Musik mit dem Handkäse in Muschelform drapiert, gab das Pfauenauge, sprich meine Madeleine.

Ein Freund aus der Normandie wollte es genau so, wie damals auf der Insel, an der Nidda oder noch weiter im Osten am Kanal.

In Frankfurt geht das auch, meintest Du.

Ich darauf, so ein Quatsch. Wie Bitteschön geht ein Wunder?

Später spürte ich die Musik im Atem der Freunde, die sich in den Armen lagen.

Nur ein kleiner Hund bellte dazwischen. War es bald so weit?

Wie Bitteschön geht ein Wunder, frage ich? Kannst Du nicht vergessen, trink noch einen, erinnere Dich, antwortest Du.

Nur nicht heute, am Sonntag, vor der Vowi, denn die nächsten Sonntage sind zu. War genug Fußball. Zudem ist Luca im Land des Porto Iberico. Am 08. August im Pokal gegen Waldhof ist sonntags wieder offen. Bei schönem Wetter wird die Eintracht und die Bundesliga draußen und nicht ausschließlich drinnen gezeigt. Zur Eintracht müsst Ihr bitte reservieren bzw. fragen, ob überhaupt noch Plätze frei sind.

FZ in der Frankfurter Festhalle

Das Konzert, unweit der Vowi in der Frankfurter Festhalle vor etwas mehr als 41 Jahren, war sehr gut besucht. Nach dem einleitenden Gitarrensolo auf einer Gibson Les Paul, die von Sound und Lautstärke dem Raum eine eigene Definition gab, begrüßte Zappa, darunter die zahlreichen zugekifften und besoffenen GIs, die Fans. Alle drängten in Richtung Bühne. Darauf forderte Zappa auf, cool zu bleiben. Er benutzte den Rhythmus des Intro und ließ die Band kurzerhand ein mehrstimmiges „Move Back ‚N Sit Down“ intonieren. Seine „Rockin’ Teenage Combo“ stellte er namentlich vor, indem er bei jedem einzelnen Musiker betonte, wie sie sich freuen, wenn die Fans sich ruhiger verhalten würden.

Zappa kam damals mit frisch gestutzten Haaren (auch als Krähennest tituliert) und trug gerne eine pinkosa Glitzerhose, die sich in jeder Disko gut gemacht hätte. Er spielte fast komplett seine noch nicht veröffentliche LP „You Are Wahl You Is“. Dies war eine ungewöhnliche Liederauswahl, weil man damals Hits erwartete oder die sich gerade neu auf dem Markt befindliche Platte aufführte. Das Zeug, was keiner kannte, wollte eigentlich keiner hören. Die Fans waren erpicht auf seinen großen Hit „Bobby Brown“ oder auf Lieder, wo es um pornographische Detailarbeit ging, wie „Dinah-Mo Humm“. Zappa war es egal. Denn viel Hoffnung, irgendwas auszulösen hatte er nicht. Wenn es einen Einzigen im Publikum geben würde, der versteht, was er macht, hätte seine Musik einen Sinn, sagte er einmal. Viel Hoffnung besaß er dahingehend nicht. Seine lässige Selbstbewußtheit, gepaart mit einem professionellen Musikerethos, eine auf den Punkt spielende Band, seine Improvisationsfähigkeit, seinen Mut, über wirklich alles zu singen und zu sprechen, ob ironisch, zynisch oder ernst, sowie das herausragende Gitarrenspiel ließen seine Lieder in Kostümen zurück, die man so noch nicht gehört hatte. 

Für mich ist die Musik Frank Zappas eine Kiste voller Schätze: Bei Öffnen geblendet, sehe ich kaum Unterschiede zwischen billigem Plunder und Diamanten, weil alles glänzt. Beim genaueren Hören, auch nach Jahrzehnten, gibt es Noten und Töne, die verblüffen, mich mit offenem Mund und einem beglückten Lachen zurücklassen. Dieses Jahr wäre er 80 Jahre alt geworden. 

Immer, wenn ich bei Gref-Völsings die Rindswürste für die Vowi hole, freue ich mich, weil gleich im Nachbarhaus Zappa mit dem Ensemble Modern 1991 sein letztes Projekt „The Yellow Shark“ probte, was 1992 in der Alten Oper live aufgeführt wurde.

Das Ankündigungsplakat der Tour erscheint und erklingt, wie das böse Knurren eines noch an der Kette nur ziehenden Hundes. Beim Ansehen kokettiert der Konzertgänger mit der wohligen Angst auf das Verbotene, was er nur kennenlernt beim Versuch, sich nicht an den Massengeschmack und seinen Etiketten anzupassen. 

Zappa macht es einem schwer. In einem Lied gibt es eine Aufzählung, welche gesellschaftlich genormten Etiketten man nicht als gegeben nehmen sollte. Zappa stutzte sie mit seiner Musik, wie ein Rasierapparat einen Bart. Seinen Status als Freak (Freak Out – so seine erste Schallplatte), der außerhalb des Establishment steht, genauso aber von diesen vereinnahmten Gegenbewegungen ohne jegliche politische Korrektheit hinterfragt, macht ihn als Popstar wertlos. Wenn man aber bereit ist, die Schatztruhe seiner Musik zu öffnen, wird man belohnt. Nicht mit Geld, sondern mit Glück, Fluchten und Trost in Tönen, die man nicht mehr vergessen will. 

Einen ansehnlichen Videomittschnitt von der Europa-Tour 1980 gibt es aus Paris.

Petite Cuisine, 06.07.21

Wenn es nicht regnet, steht heute Abend zur EM der Fernseher vor der Tür.

Draußen herrscht faktisch freie Platzwahl. Kein Selbsttest ist zwingend.

Drinnen läuft Fußball auf jeden Fall.

Voraussetzung ist hier ein gültiger Selbsttest (in der Kneipe vorhanden) für alle die noch nicht genesen und geimpft sind.

Drinnen und draußen müsst ihr eure Kontaktdaten aufschreiben oder euch mittels der Corona-Warnapp einchecken.

Noch eine Portion, 29.06.21

Heute gibt aus praktischen Gründen noch einmal Nudelsalat und Grüne Soße. Deutschland spielt.

Ganz früher gab es Jungs (ausschließlich Jungs), die extra Urlaub genommen hatten, um sich die EM oder WM anzusehen. Das Kickersonderheft kannten sie nach dem Turnier auswendig. Mindestens einmal wurden Panini-Sammelbilder gekauft und getauscht. Während der Spieles erinnerte die Atmosphäre an einen wissenschaftlichen Kongress. Gebrüll gab es selten und wenn aus tiefstem Herzen, denn was bliebe einem noch, außer der Mannschaft mit vielleicht dem Spieler. Die eigene Frau war schon lange ausgezogen. Zwischen den Spielen aß man Handkäse oder Rindswurst. Man freute sich, wenn es außer der Reihe Bolognaise gab. Mit eher selten auftretenden Kneipengängern aus anderen teilnehmenden Ländern wurde Korn und später unzählige andere Schnäpse getrunken. Eigentlich war man unter sich. Bei Deutschlandspielen kamen andere dazu. Dann saß man mit politischem oder vereinstechnischenm Abstand. Politisch gesehen, ausgedrückt über Fahne und Hymne, wollte man damit nichts zu tun haben. Genauso, wie einem die nicht sehr feingeistige Spielweise der Deutschen Mannschaften in die Nase stieg, genauso roch die allgemeine Inanspruchnahme der deutschen Siege nach glucksender Bierseligkeit aus dem Vereinsheim kommend, johlend in die weite Welt hinaus. In der Tonart eher preußisch in Protestantisch-Dur als rheinländisch in Katholisch-Moll.

Das änderte sich mit Poldi, Schweini, Klinsi und Jogi 2006. Fußball konnte nicht nur heldenhafte Abwehrarbeit sein und den Rest hielt oder schlug unser Torwart weg. Fußball wurde leichter, lustiger, geschmeidiger, mentaler, schöner und ein Ereignis, das niemand verpassen wollte. Einen Impfstoff dagegen gab es nicht. Deshalb war bald das ganze Land mit Girlanden geschmückt und geschminkt, wie die Kleinen zum Kindergeburtstag. Übrig blieben die in Klassentheorie bewanderten, die Bayernhasser und die glucksend Bierseligen. Fahne und Hymne sind heute immer noch da. Nur wird sie symbolisch getragen und gesungen (gesummt) von Boateng, Rüdiger und Özil. Kein Ballack mehr, der im sächsischen Dialekt lautlos die Lippen bewegte, kein Olli Kahn mehr, der so grimmig guckte, dass keiner sich traute zu lachen. 

Und heute zum Englandspiel? Die Bereitschaft, sich zu umarmen nach dem Spiel wäre groß. Geht gerade nicht so gut. Vielleicht helfen die fünf sechs Biere zuvor. Gebrüll und eigenwillige Analogien wird es geben. Aber kein Vergleich zu früher. Vielmehr sind sie unerklärliche Fußballphänomene (UFP) bzw. verbaler Entlastungsverkehr in einer eigenverantwortlichen Notsituation (EVEN).

Wenn es übrigens in der Vowi doch mal zu politischen Schwachsinn kommt, der nicht auf unserer Verfassung beruht, muss ich mittlerweile höchst selten einschreiten. Trunkene, dennoch sehr aufmerksame. Gäste zeigen dann die Gelbe Karte und nesstelnd an ihrer Brustasche, am liebsten Gelb-Rot zeigend. Als Videobeweis-Schiedsrichter hinterm Tresen kann ich jederzeit eingreifen, um zu vermitteln, zu bestätigen oder dem Schluss zu machen. Ein Prost auf die Gäste der Vowi!