Alle Artikel von kmaass

Was von damals übrig blieb, 08.11.22

Gegenüber der Kneipe weicht seit ein paar Tagen durch Regen zurückgelassener Müll vor sich hin.
Gestern sah ich eine Bewohnerin den ausufernden Müll ordnen. Ich half ein wenig.
Als ich auf die Adresse diverser Briefbögen vom Amtsgericht schaute, laß ich den Namen eines mir bekannten Nachbarn. Das folgende Gedächtnis-Protokoll fertigte ich wegen ihm an. Unter anderen durch diese Aussage wurde ich auf das Polizeipräsidium und später zum Gericht eingeladen. Als Beschuldigter kam er nicht zu Gerichtstermin. Auf dem Präsidium erzählte mit die ermittelnde Beamtin, dass er glaubte Stimmen via Handy würden ihn ermuntern für Ordnung zu sorgen im Sinne seiner im Protokoll beschriebenen Handlungen. Mein persönliches Treffen mit ihm schildere ich ebenfalls unten im Protokoll.
Gestern tüte ich dann Briefe, Kinderbilder, Klamotten, mögliche Ausbildungs-Lehrbücher, also irgendwie, „was von damals übrig blieb“ (frei nach dem Schriftsteller Kazuo Ishiguro) ein. Ob ich von der Stadt sei, wurde ich gefragt, denn es sei alles fotografiert und gemeldet, aber es würde nichts passieren. Was soll schon passieren, erwiderte ich, und wollte eigentlich, den in meinen Augen wichtigeren zupackenden als meldenden Moment unserer Demokratie herausstreichen. Ich beließ es bei allgemeinen Aussagen und verknotete die Tüten.

Gedächtnis-Protokoll der Ereignisse am 21.06.2019
in 60486 Frankfurt, Jordanstraße 13

aufgeschrieben am 22.06.2019

von …
… „Volkswirtschaft“
60486 Ffm.

> 21.06.2019, ca. 22.00 in Küche meiner Kneipe „Volkswirtschaft“ in 60486 Ffm….: lautes Geräusch gehört
> beim Gang in Gastraum hörte ich lautes Geschrei (in etwa „Komm runter!“, Ich ficke dich!“, „Warum wirfst du mit Flaschen nach mir?“) usw. von Straße
> unklar, was, wer, Schreiende wurden von Freunden zurückgehalten und gingen weiter auf Jordanstraße Richtung Mertonstraße
> sichtbare Scherben einer Flasche auf Straße (am Straßenschild) vor Kneipe
> etwa 6 Leute links und rechts saßen vor Kneipentür
> von oben gegenüber wurde mit Gegenständen (Glas) geworfen (Aussage Gäste)
> ca. 22.05 Uhr …Revier angerufen – könnten nicht so schnell kommen, alle Polizeiautos gerade im Einsatz
> vermutlicher Werfer (größer, dunkel, mit Schlagring) erschien vor Haustür und ging auf das Geschrei ein, in etwa: “Krieg!“, „Komm her!“ „Ich hau dich um!“
> daraufhin 2. Anruf bei …Revier, da vermutlicher Werfer vor Tür mit Schlagring stand und extrem aggressiv auftrat
> Nachbarn erschienen auf Balkon über Eingang Kneipe und bestätigten später, ihn mit Schlagring gesehen zu haben (Nachbarin als Zeugin benennbar)
> vermutlicher Werfer sah mich, fragte in etwa „Was willst du?“, meine Antwort war, ich sei von Kneipe
> darauf er, in etwa, dass er gleich rüber komme, über Tische springe und mich ficken würde
> ich ging, um nicht mit Schlagring geschlagen zu werden, nicht darauf ein
> vermutlicher Werfer wirkte sehr aufgebracht und nervös, blieb aber entweder an seiner Straßenecke oder in Haustüre, sein Gebiet schützend, und schien förmlich zu warten, dass es weiter eskaliert
> ca. 4 Polizeiautos kamen
> vermutlich Werfender wurde unter lautem Protest („Das ist ungerecht!“, „Ich habe nichts getan!“) mitgenommen
> meine Personalien wurden aufgenommen, man würde mich anschreiben
> weitere Personalien von anderen Zeugen wurden aufgenommen
> kann Zeugen benennen

folgende Vorkommnisse wurden mir über vermutlichen Werfer in letzten Monaten berichtet oder ich erlebte diese selbst:

> 12.06.2018 …
> 2018 …
> 13.12.2018 …
> 23.12.2019 …
> 24.12.2019 …
> 02.02.2019 …
> 16.03.2019 …
> 01.05.2019 …
> 15.06.2019 …
> 21.06.2019 …
> 29.06.2019 …

Geh endlich!

Viel wird über den OB von Ffm. in der Kneipe nicht geredet.
Vielmehr schütteln alle nur noch ihre Köpfe und mahnen an heute beim Bürgerentscheid zu wählen.
Das ZDF fragte auf dem Jordanboulevard vor ein paar Tagen nach diesen News.
Der Kameramann übrigens trank früher gerne Krusovice dunkel. Ist eine andere Geschichte.
Im Bericht sind es die ersten zehn Minuten.

Petite Cuisine, 03.11.22

Essens-Plan für November, der sich noch ändern kann
Abhängig ist er, wie viel Eintracht-Rummel läuft und die 42. VC am 26.11. braucht Raum und Kapazität.

01.11. (einfaches Essen > Sporting-Eintracht)
Rehfrikadelle
Nudelsalat
03.11.
Cordon bleu
Linsensuppe
08.11.
Lasagne
Gemüselasagne
10.11.
Chili con carne
Chili sin carne
15.11.
Wildgulasch
17.11.
Cordon bleu
Nudeln mit Bolo

keine Fußball-WM in der Vowi – stattdessen „WM-Kater“-Programm, was ich gerade organisiere

(einfaches Essen > 42. VC -ausgebucht- am 26.11.)
22.11.
Hackbraten
Nudelsalat
Nudeln mit Bolognaise
24.11.
Cordon bleu mit Pommes
Nudeln mit Bolognaise
29.11.
Burrito
Gemischter Salat
01.12.
Gemischter Salat
Getzen (veg. Kartoffelkuchen) mit Gemischten Salat € 9,50
Getzen mit Schnitzel

Petite Cuisine, 11.10.22

In einem Land vor unserer Zeit

„In einem Land, was es nicht mehr gibt“
heißt ein neuer Kino-Film, der im Sommer 1989 in der DDR spielt. Darin wird die Geschichte einer sehr jungen Frau erzählt, die, ganz Kind ihrer Zeit, den damaligen staatlichen Zwängen hinterfragt. Sie wird zufällig fotografiert, als „Mannequin“ entdeckt, um wenig später in der einzigsten DDR-Modezeitschrift abgelichtet zu werden. Der politische Strudel der letzten Monate der DDR ist allgegenwärtig. Der Film versucht die DDR anders zu erzählen. Der persönliche Alltag steht neben einer dem real existierenden Sozialismus nicht zugetrauten Modernität gegenüber. Der Alltag, die Nischen des Alltages und die Nischen bestimmter sozialer Gruppen, welche relativ unabhängig von staatlichen Gesetzen existierten, sind die Hauptorte der Erzählung.
Auf dem Filmplakat und einem Standfoto steht und sitzt die Protagonistin des Filmes im bauchfreien Oberteil.
Daran konnte ich mich gar nicht erinnern, dass die „Mädels“ so rumgerannt sind, fiel mir, sofort in die alte ossische Denke zurückverfallend, ein. Hatte ich vielleicht übersehen oder vergessen. Ich fragte meine Frau. Sie hätte damals so was nicht getragen. Und ihres Wissens kam dies erst später in den 90er auf, meinte sie. Auf DDR-Modefotos aus dieser Zeit fand ich im Netz keine Betätigung. Auf den Fotos, die ich aus dieser Zeit habe, ebenso wenig. Das unten stehende Foto einer „Fete“ zum Ein- oder Auszug, deshalb konnten die Wände bemalt werden, ist um 1986 oder etwas danach aufgenommen und zeigt innerhalb der Gruppe drei junge Frauen, die nichts Bauchfreies angezogen hatten. Kann Zufall sein, kann sein, dass der Film besonders modern sein wollte, kann aber auch sein, dass man die gefühlt so angestaubte Langeweile der DDR mit „Zeitgeist“, wegzuretuschieren versucht. Dieser wirkt aktuell zeitlos, weil alle es genau so heute tragen oder irgendwie so aussehen könnten. Und schon könnte ein Interesse geweckt sein.