Mai 032010
 

Bereits erschienen im Wonnemonat Mai sind:
Exodus: “Exhibit B-the Human Condition”
As I Lay Dying “The Powerless Rise”
und die eigentlichen Sonnentage kommen noch:
Annihilator: “Annihilator” (21.05.)
Heaven Shall Burn: “Invictus” (21.05.)
Danzig: “Deth Red Sabaoth” (25.05.) (Der Schinkengott ist sehr gut bei Stimme, wie man bei youtube nachhören kann)
Nevermore: “The Obsidian Conspiracy” (28.05.)

Jan 012010
 

Wieder hat es eine Musiker getroffen. Am 01.01.2010 starb in Montreal
Lhasa del Sela
an Brustkrebs. Sie ist 38 Jahre geworden.
Drei CDs gibt es von ihr. Mir gefällt die zweite am besten “The Living Road”.
In drei Sprachen auf Französisch, Englisch und Spanisch sang sie. Ein kleines Persönchen auf der Bühne. Fast scheu wirkte sie. Ich habe sie 2004 in Mainz gesehen. Aber wenn sie anfing zu singen, dann verlor sich die Sanftheit oder Ängstlichkeit. Sie deklamierte ihre Lieder, konnte dennoch die Töne hauchen und stand für eine gelebte Art Weltmusik (was mit ihrer Biographie zusammenhing): ein bißchen Jazz, Kaffeehausmusik, Chanson, Tango, Rock, mexikanische Folklore.
Der Kitt war ihre Stimme. Jetzt bleibt nur die Erinnerung.

Dez 252009
 

Zu Weihnachten ist der Singer/Songwriter Vic Chesnutt an den Folgen eines Selbstmordversuches gestorben.
Ende der 80ziger entdeckte Michel Stripe von REM ihn und nahm auf seine Kosten gleich eine CD auf, den er machte sich wenig Hoffnung, dass Vic Chesnutt noch lange Leben würde. Der Alkohol war sein ständiger Begleiter. Besoffen war er auch, als er mit 18 Jahren einen schweren Verkehrsunfall hatte. Seitdem saß er im Rollstuhl. Seine Behinderung war so stark, dass er bei einem Konzert im Frankfurter Mousonturm mehrere gefühlte Stunden brauchte um mit seinem verkrüppeltem Arm sich ein Glas Wasser zu nehmen. Ich saß weit vorne und wäre am liebsten aufgestanden, um zu helfen. Vic Chesnutt hätte es wohl nicht gefallen. Ein gekrummeltes “Verpiß Dich!” wäre wohl noch als Liebenswürdigkeit durchgegangen. Er wusselte vor sich hin, ließ sich nach außen hin nicht auf der Ruhe bringen. Eine Hoffnung auf Schönheit verpackt in Sarkasmus, Ironie und Zynismus machte seine Lieder aus. Jede von den etwa 15 CD unter seinem und unter diversen Bandnamen kann ich empfehlen. Es gibt herrliche (Pop-)Lieder, kleine Balladen, witzige Miniaturen, ganz in der amerikanischen Country- bzw Barbecuse-Tradition geschriebene Stücke, es finden sich längere Liedfolgen, thematische Fortsetzungen, knallige Einlagen und einfache Gitarrenstücke. In den letzten Jahren waren einige sehr bekannte Musiker seine Begleiter. Mir gefallen besonders diese einfachen nur von einer Gitarre begleitend vorgetragenen Lieder. Bei meinem ersten Konzert 2001 in Marburg wünschte ich mir auf Nachfrage das erste Lied von seiner ersten Platte Isadora Duncan. Dort erzählt Vic Chesnutt mit seiner weichen, ein wenig knarrenden und sanft brüchigen Stimme, wie er von dieser Tänzerin, die zu Anfang des 20. Jahrhundert gelebt hat, träumte, dass sie beide tanzen würden. Er antwortete auf meinen Vorschlag mit einem leicht genervten “Oh God!”. Auf diese für ihn schon ollen Kamellen hatte er keine Lust. Nostalgie ist was für Idioten. Frank Zappa hätte wohl ähnliches geantwortet.
Ein großer sehr großer Verlust ist sein Tod und dennoch so lange so durchzuhalten nötigt viel Respekt.

Nov 262009
 

philly76_600x802.gif

Ein neues Konzert von Frank Zappa aus dem Jahre 1976 soll in wenigen Wochen -bestellbar online bei der Zappa Familie- erscheinen. Seine damalige Band bestand aus blutjungen Musikern und zwei schwarzen Sängern, wobei die eine (Lady Bianca) es nur wenige Wochen aushielt, da sie es nicht mehr abhaben konnte, dass die Fans zwischen der Fiktion der Texte von FZ und der Wirklichkeit der Shows nicht unterscheiden wollten: Ausziehen, ausziehen…! muß dabei noch ein eher ein harmloser Wunsch des Publikums gewesen sein.
Der Sound dieser nicht mehr unter dem Namen “Mothers of Invention” auftretenden, sondern schlicht nach dem Meister selbst benannten Band, wurde durch die vier unterschiedlichen Haupt- und Nebensänger entscheidend geprägt: Vorne weg der gospelartige Klang der beiden schwarzen Sänger, dazu der scheinbar immer zu kippende, gepreßte Schreigesang des Schlagzeugers Terry Bozzio und darüber stehend quasi der Kitt, die Konstanz, der Kommentar Frank Zappas Gesang und Stimme.
Die Band ist natürlich, wie immer, hervorragend, auf höchstem Niveau, spielfreudig, individuell und voller Elan. Leider wurde dies zu mindestens in Deutschland nicht so gesehen. Die Band hätte kein Charisma, würde nur das Zeug runterspielen und Zappa sei eh gelangweilt und gedanklich ganz woanders, monierte damals die Zeitschrift Sounds.
Patrick O’Hearn am Fretlessbass spielt ihn -in meinen Ohren- bewußt ein klein wenig zu spät im Takt und zieht dabei die Lieder herrlich auseinander und setzt ein Gegenpol zu dem Schlagzeuger Terry Bozzio, dem heimlichen Star der Band und Liebling der Fans. Dieser trommelt sehr vordergründig unterbrochen durch ständige schnelle Breaks. Er präsentiert geradezu die Kraft dieses Instrumentes. Schließlich gibt es noch Eddie Jobson, am Keyboards und an der Violine. Er kam von Roxy Music und lässt mehr ein jazzigen Sound erklingen, eher hintergründig, dennoch vielseitig diskret den Laden zusammenhaltend. Wie überhaupt Eddie Jobson und Patrick O’Hearn mehr für eine Jazzband stehen, Terry Bozzio den klassischen Rockschlagzeuger mimt, Lady Bianca sich bei jedem Lied neu entscheidet, ob sie in der Kirche singt oder in der Jazzkneipe und Ray White folgt, wo auch immer man in ästhetisch hinschickt.
Und der Meister selbst? Er brilliert sei es im bekannten Eröffnungslied über Schweißfüße, im coolen Rapstil (1976!) im bis dahin unveröffentlichen “Stranded In The Jungle”, er beherrscht die Rhythmusgitarre selbstverständlich im fast schon punkartigen “Wind Up Working in Gastation”. Und seine Sologitarre? Da muß ich mir die Tränen vor Begeisterung, Rührung, Könnerschaft und was weiss ich, verstohlen wegwischen. Obwohl in den einschlägigen Internetseiten der Zappa-Fachfreaks der Gipfel seine Gitarrenarbeit eher für 1978 und 1981/82 analysiert wird, ist dies abhängig von der Tagesform und die ist an diesem 29.11.1976 in Philadelphia sehr gut. Sehr schön sind auch die verschiedenen Gitarrensounds und das Gefühl sich Zeit bei der Musik (ich meine beim Musikmachen) zu nehmen.
Bei der Liederauswahl ist für jeden etwas dabei. Es finden sich die kurzen knappen, die ewig langen, die Instrumentalstücke, die Zappaklassiker und noch ein paar eher untypische Lieder auf der Doppel-CD.

zpcd96.jpg

Okt 102009
 

Der Schlagzeuger der Band Monkey Suite -Tommy- ist langjähriger Gast der Vowi. Deshalb mal hier ein wenig Reklame für seine Band:
Monkey Suite ist eine neue Punk´n´Roll-Band von durchweg ganz alten Hasen aus Frankfurt am Main. Zum Aufbau des fast ausnahmslos eigenen Programms hat die Band eine ganze Weile gebraucht; das aktuelle Line-Up existiert jetzt ca. ein Jahr. Das Konzert in Aschaffenburg ist ein Live-Wiedersehen mit einer Frau und drei Herren, die teilweise schon Ende der 70er ihre weit verzweigten Wege auf hiesige Bühnen fanden……………..und fortsetzen!”

Konzert am Sa.10.10.2009 in Aschaffenburg, Jukuz. ab ca.21.30Uhr

Jun 202009
 

Letztens bei Neil Young in Köln (19.06.09, Tanzbrunnen):
(Gemeine Rezension)
Nur noch “Like A Hurricane” hat gefehlt. Sonst hat er alles runtergestampft, wie eh und je. Mit Hey Hey, My My (Into The Black) fing es an. Da gähnte ich schon zum ersten Mal.
Um sein als Begleitband getarntes Altersheim musste man wirklich Angst haben. Nur der Background-Chor, bestehend aus seiner Frau, die von weitem wie seine Tochter aussah, und ihrem Kollegen, der noch nicht über 60 war, hätte man als Begleitpersonen des Altersheim-Ausfluges durchgehen lassen. Bereits die Bühnen-Aufbauer verwechselten Jugendlich-Sein mit arbeiten (Kann man auch umgekehrt schreiben.).
Neil Youngs Stimme war gut. Sein Gitarrenspiel klang wie beim ersten Auftritt meiner ersten Band: Es krachte und man war sich nicht sicher, ob die Gitarre überhaupt gestimmt war. Anfang und Ende der Lieder sind gut zu unterscheiden. Ein Lied fängt gewöhnlich an und endet plötzlich in einem Gewusel und Gehämmere, welches gerne länger ist, als das eigentliche Lied. Außer ein paar genuschelten Worten beschränkt sich der Künstler ganz auf seine Kunst und lässt das zahlreiche, über 45jährige Publikum in Ruhe.
Irgendwo schien es mir, ein “Yes We Can” in einem Lied zu hören. Und zum Schluss gab es “Rockin’ In The Free World”. Da stimmten alle mit ein und dachten sicher schon an den Freiheitskampf der Uiguren, an die geprügelten Mussawi-Anhänger im Iran, an die ebenfalls verletzten Gäste einer von der Polizei überfallenen St. Pauli-Kneipe in Hamburg, an ihre Nachbarin oder einfach, wo man nach dem Konzert noch ein paar Kölsch trinken könnte.
Ich gähnte zum 19. Mal und hatte noch den schauderhaften Geschmack des Kartoffelsalates in Erinnerung, den ich samt Rindswurst in Ermangelung anderes während des Konzertes gegessen hatte.

(Lobende Rezension):
Gleich das erste Lied zerlegt Neil Young. Seine altbekannte Gibsen mit Vibratohebel klingt wie Jimi Hendrix oder Casper Brötzmann’s Massaker. “Hey Hey, My My” (Into The Black) wird mit Brachialgewalt in seine Einzelteile gestampft und gewinnt dadurch eine ganz neue Qualität: Wer nicht hören will, muss fühlen.
Neil Young haut seine bekannten Lieder den sehr zahlreich gekommenen Fans am Kölner Tanzbrunnen nicht entgegen. Er haut sie ihnen um die Ohren. Dabei baut er einen Kreis zwischen den restlichen Mitspielern und sich auf und stampft wie ein Schamane die Töne in den Boden. Die souveräne Begleitband, die schier gewaltverherrlichende Gitarre und seine alterslose Stimme bilden die Klammer des Konzertes.
Natürlich gibt es auch einen ruhigen Teil: Entweder im Country-Stil oder Neil Young an der Orgel. Mir persönlich gefallen diese Lieder nicht so gut. Ich bin aber ohne Zweifel eine Ausnahme, denn alles Bekannte wird lautstark gemeinsam oder auch nur für sich mitgesungen. (Der ein oder andere Fan ist auf einmal höchstpersönlich Neil Young und rezitiert förmlich die Worte des Meisters einen Tick eher und wird dadurch derselbige, und seine Freundin liebt ihn dafür noch mehr.)
Man kann diesen leiseren Teil aber ebenso zum Luft holen oder zum Rauchen nutzen, denn gleich wird wieder der Rasenmäher angemacht, und es poltert und kracht aufs Neue los. Dabei ist der Sound sehr gut. Neil Youngs sparsamste Hinwendungen werden frenetisch aufgenommen. Sogar wenn er einen Schluck Bier trinkt und wie nebenbei dem Publikum zu prostet, johlt es begeistert zurück.
Mir am besten gefiel die Zugabe, ein Beatles-Lied: “A Day In The Life”. Hier stimmte alles. Der Gesang erinnerte an John Lennon und war doch ganz Neil Young. Das Lied ist einfach gut gemacht bzw. komponiert mit Strophe und Refrain und dazu setzten sich einzelne Teile so fest ins Ohr. Über allen schwebte, wie ein Hubschrauber, die Gitarre von Neil Young, die keine Diskussionenen mehr zuließ.
Für die meisten anderen war aber sicher “Rockin’ In The Free World” der absolute Höhepunkt. Hier wurden im Refrain Fäuste gestreckt, hier wurde die Luftgitarre malträtiert, hier wurden die Bierbäuche, die kahlen Stellen auf dem Kopf, die langweiligen Arbeitsstellen (vielleicht auf dem Kölner Ordnungsamt), die äußerliche Biederkeit der ein oder anderen über 45jährigen Frau (Mutti) eingetauscht gegen all das andere, wofür Neil Young immer noch steht. Und sogar ein rein optisch nicht ganz passendes Trio (Müngersdorfer Stadion Haupttribüne, umweit vom Sohn des Präsis des FC Köln sitzend -man kennt sich-) flippte bei diesem Lied sehr gekünstelt aus, merkte aber, daß keiner auf ihre witzig gedachten Einlagen regierte und vergaß die Künstlichkeit und machte schließlich, wie fast alle, einfach nur mit. Und sogar meine gerne mäkelnde Wenigkeit musste anerkennend mit dem Kopf wackeln. Das war gut.

Mai 272009
 

Von meinen Saalfeldern Metalprüglern Heaven Shall Burn gibt es jetzt einen DVD mit CD
Bildersturm: Iconoclast II (The Visual Resistance),
die ich sehr empfehlen kann. Zwei Konzerte sind zu sehen. Einmal eine kleine Halle in Wien und zum zweiten bei einem großen Festival. Dazu gibt es allerlei Bonus. Am interessantesten aber ist ein Bandportrait, welches auf unkonventionelle Weise die fast schon langweilige Normalität der fünf Thüringer herausstellt.

Mai 272009
 

Ich habe noch zwei schöne Sachen bei youtube gefunden:
Einmal Dweezil Zappa, der “Eruption” von Van Halen erster Platte spielt und vorher durchaus witzig erzählt, wie selbiger 1981 bei Zappa antelefonierte, um dann später vorbeizuschauen.

Und Dweezils Vater 1986 in Miami Vice als Drogenhändler: