Manche Dinge kann man scheinbar nicht historisieren. In Sachsen wurde vor knapp vierhundert Jahren zumindestens -rhetorisch- nicht anders geküßt als heute.
Wie er wolle geküsset seyn
Nirgends hin als auff den Mund
da sinckts in deß Hertzens Grund.
Nicht zu frey nicht zu gezwungen
nicht mit gar zu fauler Zungen.
Nicht zu wenig nicht zu viel!
Beydes wird sonst Kinderspiel.
Nicht zu laut und nicht zu leise
Beyder Maß’ ist rechte Weise.
Nicht zu nahe nicht zu weit.
Diß macht Kummer jenes Leid.
Nicht zu trucken nicht zu feuchte
wie Adonis Venus reichte.
Nicht zu harte nicht zu weich.
Bald zugleich bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam nicht zu schnelle.
Nicht ohn Unterscheid der Stelle.
Halb gebissen halb gehaucht.
Halb die Lippen eingetaucht.
Nicht ohn Unterscheid der Zeiten.
Mehr alleine denn bei Leuten.
Küsse nun ein Jedermann
wie er weiß will soll und kan.
Ich nur und die Liebste wissen
wie wir uns recht sollen küssen.
Zum Thema Küssen gibt es noch -ich erwähnte es bereits-, von
Bonnie Prince Billy
und
Scout Niblett,
die beide mit neuen CDs glänzen bzw. bald glänzen ein Lied, welches Kuß heißt: