04.03.10 | 2

Küssen

Manche Dinge kann man scheinbar nicht historisieren. In Sachsen wurde vor knapp vierhundert Jahren zumindestens -rhetorisch- nicht anders geküßt als heute.

Paul Flemming

Wie er wolle geküsset seyn

Nirgends hin als auff den Mund
da sinckts in deß Hertzens Grund.
Nicht zu frey nicht zu gezwungen
nicht mit gar zu fauler Zungen.

Nicht zu wenig nicht zu viel!
Beydes wird sonst Kinderspiel.
Nicht zu laut und nicht zu leise
Beyder Maß’ ist rechte Weise.

Nicht zu nahe nicht zu weit.
Diß macht Kummer jenes Leid.
Nicht zu trucken nicht zu feuchte
wie Adonis Venus reichte.

Nicht zu harte nicht zu weich.
Bald zugleich bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam nicht zu schnelle.
Nicht ohn Unterscheid der Stelle.

Halb gebissen halb gehaucht.
Halb die Lippen eingetaucht.
Nicht ohn Unterscheid der Zeiten.
Mehr alleine denn bei Leuten.

Küsse nun ein Jedermann
wie er weiß will soll und kan.
Ich nur und die Liebste wissen
wie wir uns recht sollen küssen.

Zum Thema Küssen gibt es noch -ich erwähnte es bereits-, von
Bonnie Prince Billy
und
Scout Niblett,
die beide mit neuen CDs glänzen bzw. bald glänzen ein Lied, welches Kuß heißt:

15.02.10 | 1

In Treatment

Der glückliche, aber nicht unverdiente und in seiner Dramaturgie vorbildlich(e), Sieg der Eintracht am Sonntag gegen Freiburg läßt uns jubeln und innehalten. Und wer heute Abend nicht in der Vowi verweilt, um über diesen und zünftige Siege zu sinnieren, der schaue sich auf 3sat als Doppelfolge ab 21.00 die neue Serie In Treatment
an. In der Praxis eines Gesprächterapeuten lauschen wir pro Folge dem Therapeuten und seinem Patienten. Nur am Freitag kommt seine Supervisionärin und das Gespräch dreht sich.

07.02.10 | 0

Aktivist Schwarze Pumpe

Unzählige Fussballspiele liefen in der Vowi und viel - ich muß es deutlich sagen- dummes Geschwätz ist von der bierseligen bzw. biertraurigen Fans dann zu hören. Letztens, wobei sich der Gast auf Nachfrage sofort entschuldigte, wurde der Schiedsrichter nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung eines 2. Ligaspieles als Ostdeutscher beschimpft.
Mit “Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland” einer Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig bis zum 05. April kann man die Unterscheide und die Gemeinsamkeiten des Sports hüben und drüben kennenlernen. Darüber hinaus lohnt ein Besuch in Leipzig immer. Besonders hat mir ein Plakat der Sportvereinigungen der volkseigenen Betriebe der DDR aus den 50er Jahren gefallen, wo noch einmal alle möglichen Namen von eben diesen aufgezählt werden und ihr Mutterbetrieb. Dies wäre vielleicht auch was für den Vowi-Quiz, der vielleicht im März stattfinden soll. Aleks und Toni arbeiten daran.

Lokomotive-Lokomotive Leipzig
Rotation
Einheit
Anker
Motor-Motor Suhl
Aktivist-Aktivist Schwarze Pumpe
Wismut-Wismut Aue
Fortschritt
Traktor
Chemie-Chemie Leipzig
Mechanik
Stahl-Stahl Brandenburg

ddr.jpg Ist der Kollege eigentlich rasiert?

ddr_1.jpg Grundnahrungsmittel

03.02.10 | 4

Elterneigenschaft

Aller vier Jahre muß die Vowi der Rentenkasse viele Papiere
(Lohn- und Gehaltskonten,
Beitragsberechnungen und Nachweise,
Meldung zur Sozialversicherung nach Datenerfassungs- und Übermittlungsordnung,
Bericht der letzten Betriebsprüfung,
Gewinn- und Verlustrechnung,
Stundenaufzeichnungen der Angestellten,
beiligende Erklärungen ausfüllen usw.)
)
abgeben. Diese überprüft dann, ob die Vowi die Sozialabgaben ihrer Angestellten ordentlich berechnet und richtig abgeführt hat.
Dies klingt einfach - ist es aber nicht. Lohnbuchhaltung ist weit schwieriger und komplizierter als die ordinäre Buchhaltung.
Mein neuer Lieblingprüfungspunkt dabei ist der
Nachweis der ELTERNEIGENSCHAFT der Arbeitnehmer, um einen Beitrag für Kinderlose in der Pflegeversicherung der seit dem 01.01.2005 besteht, zu überprüfen.
So richtig wußte ich nicht, was ELTERENGENSCHAFT bedeutet, deshalb rief ich bei der Rentenkasse an. Jetzt weiß ich es. Wißt Ihr es?

Wette:
Tommy (u.a. Copy Cats-Schlagzeuger) sagt, dass St. Pauli im Gegensatz zu Andi (Fahrrad-Kurier) nicht in dieser der Saison 09/10 aufsteigen wird.

Irgendwo zwischen Janjala und Kagarko in Nigeria gräbt ein langjähriger Gast der Vowi die Nok-Kultur aus. Im Spektrum der Wissenschaft kann man sich darüber informieren. Auf Google Earth kann man die oben genannten Ortsnamen, wie auch Nok-Kultur eingeben und ist in wenigen Augenblicken am Ziel. Was wiederum der langjährige Gast berichtete entsprach einer ganz anderen Welt als hier.

01.01.10 | 0

Lhasa del Sela

Wieder hat es eine Musiker getroffen. Am 01.01.2010 starb in Montreal
Lhasa del Sela
an Brustkrebs. Sie ist 38 Jahre geworden.
Drei CDs gibt es von ihr. Mir gefällt die zweite am besten “The Living Road”.
In drei Sprachen auf Französisch, Englisch und Spanisch sang sie. Ein kleines Persönchen auf der Bühne. Fast scheu wirkte sie. Ich habe sie 2004 in Mainz gesehen. Aber wenn sie anfing zu singen, dann verlor sich die Sanftheit oder Ängstlichkeit. Sie deklamierte ihre Lieder, konnte dennoch die Töne hauchen und stand für eine gelebte Art Weltmusik (was mit ihrer Biographie zusammenhing): ein bißchen Jazz, Kaffeehausmusik, Chanson, Tango, Rock, mexikanische Folklore.
Der Kitt war ihre Stimme. Jetzt bleibt nur die Erinnerung.

25.12.09 | 1

Vic Chesnutt

Zu Weihnachten ist der Singer/Songwriter Vic Chesnutt an den Folgen eines Selbstmordversuches gestorben.
Ende der 80ziger entdeckte Michel Stripe von REM ihn und nahm auf seine Kosten gleich eine CD auf, den er machte sich wenig Hoffnung, dass Vic Chesnutt noch lange Leben würde. Der Alkohol war sein ständiger Begleiter. Besoffen war er auch, als er mit 18 Jahren einen schweren Verkehrsunfall hatte. Seitdem saß er im Rollstuhl. Seine Behinderung war so stark, dass er bei einem Konzert im Frankfurter Mousonturm mehrere gefühlte Stunden brauchte um mit seinem verkrüppeltem Arm sich ein Glas Wasser zu nehmen. Ich saß weit vorne und wäre am liebsten aufgestanden, um zu helfen. Vic Chesnutt hätte es wohl nicht gefallen. Ein gekrummeltes “Verpiß Dich!” wäre wohl noch als Liebenswürdigkeit durchgegangen. Er wusselte vor sich hin, ließ sich nach außen hin nicht auf der Ruhe bringen. Eine Hoffnung auf Schönheit verpackt in Sarkasmus, Ironie und Zynismus machte seine Lieder aus. Jede von den etwa 15 CD unter seinem und unter diversen Bandnamen kann ich empfehlen. Es gibt herrliche (Pop-)Lieder, kleine Balladen, witzige Miniaturen, ganz in der amerikanischen Country- bzw Barbecuse-Tradition geschriebene Stücke, es finden sich längere Liedfolgen, thematische Fortsetzungen, knallige Einlagen und einfache Gitarrenstücke. In den letzten Jahren waren einige sehr bekannte Musiker seine Begleiter. Mir gefallen besonders diese einfachen nur von einer Gitarre begleitend vorgetragenen Lieder. Bei meinem ersten Konzert 2001 in Marburg wünschte ich mir auf Nachfrage das erste Lied von seiner ersten Platte Isadora Duncan. Dort erzählt Vic Chesnutt mit seiner weichen, ein wenig knarrenden und sanft brüchigen Stimme, wie er von dieser Tänzerin, die zu Anfang des 20. Jahrhundert gelebt hat, träumte, dass sie beide tanzen würden. Er antwortete auf meinen Vorschlag mit einem leicht genervten “Oh God!”. Auf diese für ihn schon ollen Kamellen hatte er keine Lust. Nostalgie ist was für Idioten. Frank Zappa hätte wohl ähnliches geantwortet.
Ein großer sehr großer Verlust ist sein Tod und dennoch so lange so durchzuhalten nötigt viel Respekt.

Tanklaster, böse mittlere Chefs, Tiefflieger und nur mäßig entwickelte Infrastruktur machen auch im Kinderzimmer Schule. Und was wissen darüber eigentlich die Eltern, als Vertreter der Öffentlichkeit und als juristisch Verantwortliche:
Warum hat das Kind seine Strümpfe ausgezogen, warum wurden die Playmobilschienen nicht weitergebaut, warum wurden vorhandene Playmobilsteine zurückgehalten und warum wurden nicht alle Düsenjets (siehe Papierfliegerträger rechts oben) eingesetzt?
Ein offener Kreis (Untersuchungsausschuß) muß endlich Abhilfe schaffen.
gutenbergs-planspiele.jpg

12.12.09 | 0

Klare Linie

“Was für ein Weizen möchtest Du denn -
aus dem Faß oder aus der Flasche?”
“Egal. Hauptsache es geht schnell.”